Sprachwissenschaft: Die rätselhafte Sprache der Pirahã-Indianer | Wissen | ZEIT ONLINE
http://www.zeit.de/wissen/2010-09/amazonas-piraha-indianer
Sie haben keine Wörter für Farben und Zahlen. Gestern und heute kennen sie nicht. Daniel Everett wollte die Pirahã am Amazonas missionieren. Stattdessen bekehrten sie ihn.
Der brasilianische Regenwald – Heimat der Pirahã
Kein Zweifel, der Dschungel ist voller Gefahren, vor allem nachts. Und wer weniger schläft, der härtet sich ab, so glauben die Pirahã (gesprochen: Pidahan). Als eines der letzten Jäger- und Sammler-Völker leben sie an einem Nebenfluss des Amazonas in Brasilien, in einem Reservat von 240 Kilometern Länge, zwei Tagesreisen mit dem Boot von den Außenrändern unserer Zivilisation entfernt. Es sind kaum mehr als 350 Menschen, die noch heute weitgehend ohne zivilisatorische Errungenschaften auskommen, mit einfachen Hütten ohne Wände und festen Boden, ohne Strom, Telefon und auch ohne Arzt.
Daniel Everett kam erstmals 1977 als Missionar zu ihnen, im Auftrag eines amerikanischen Missionsunternehmens und bezahlt von den evangelikalen Kirchen in den Vereinigten Staaten. Er kam, die Pirahã zum Christentum zu bekehren, “um ihre Herzen zu verändern”, und sie dazu zu bringen, einen ihnen fremden Gott anzubeten, an den ihnen fremde Menschen glaubten, deren Kultur und Moral sie annehmen sollten. “Obwohl ich die Pirahã noch nicht einmal kannte, war ich überzeugt, dass ich sie verändern kann und verändern sollte.”
Das sei der Hintergrund nahezu jeder Missionstätigkeit, schreibt Everett heute, nachdem er die Pirahã über drei Jahrzehnte immer wieder besucht und mit Frau und drei Kindern über Jahre immer wieder bei ihnen im brasilianischen Regenwald gelebt hat. Doch am Ende ist er es, der dank dieses Lebens bei den Pirahã “entkehrt” wird. Als Everett seinen Glauben verliert, verliert er auch seine Familie.
Zusammengenommen sieben Jahre hat Everett, der heute Professor für Linguistik an der Universität von Illinois ist, seit seinem ersten Besuch bei den Pirahã im Urwald verbracht. In seinem Reise- und Lebensreport Das glücklichste Volk schildert er nicht nur den Alltag eines Feldforschers am Amazonas.
Sein Buch ist zugleich die Geschichte eines physischen wie auch intellektuellen Abenteuers. Die Lektüre ist dabei geradezu eine Wohltat, denn Everetts Bericht kommt nicht daher als massentaugliche Hochdruckbelehrung über die vermeintlich sinnstiftenden Reiseabenteuer eines fernseherprobten Laien-Wanderpredigers, wie der Buchmarkt sie ansonsten bereithält. Hier berichtet einer unaufgeregt, aber hautnah und authentisch von seiner tatsächlich ungewöhnlichen Reise zu einem – wie er meint – wahrhaft glücklichen Volk in einem bis heute verborgenen Winkel der Welt; zu Menschen, die sich beim Gutenacht-Sagen mit den Worten verabschieden: “Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen”.
Fesselnd erzählt Everett von einer uns völlig fremden Welt, eröffnet einen faszinierenden Einblick in eine fremde Lebensweise, eine andere Sicht auf die Welt und vor allem eine ganz andere Art zu denken. Sein Buch mäandriert dabei auf gelungene Weise zwischen Abenteuer- und anthropologischem Forschungsbericht, der zudem beinahe beiläufig Einblicke in die Erkenntnisse der Linguisten erlaubt. Denn um Menschen zu bekehren, mussten Missionare überall auf der Erde zunächst die Sprache der Einheimischen lernen. Die Pirahãs machten es Everett wie schon seinen Vorgängern nicht leicht. Das Naturvolk blieb monolingual, weil es in seiner Abgeschiedenheit des Amazonas keinen Grund hatte, etwas anderes zu lernen als “Apaitsiiso” – jene Sprache, “die aus dem Kopf geboren ist”.
Das glücklichste Volk der Welt – tagesanzeiger.ch
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Das-gluecklichste-Volk-der-Welt/story/28157347
Mit 26 Jahren zieht der Missionar Daniel Everett in den brasilianischen Urwald, um den Stamm der Pirahã zu bekehren. Sieben Jahren später verlässt er die Indianer – seinen Glauben hat er verloren.
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Die Pirahã leben an einem Nebenfluss des Amazonas. Die etwa fünfhundert Indianer kommen ohne die Errungenschaften der modernen Zivilisation aus
Illinois State University
Daniel Everett hat einen klaren Auftrag: Die Bibel in die Sprache der Pirahã zu übersetzen. Also macht sich der Amerikaner 1977 mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf den Weg in den brasilianischen Urwald zum Maici, einem Nebenfluss des Amazonas, wo der Indianerstamm ohne Errungenschaften der modernen Zivilisation lebt. Sieben Jahre lang bleibt Everett bei den Pirahã, lernt ihre Sprache, eignet sich ihre Lebensweise an. Das Buch, in welchem der heutige Anthropologe und Linguist seine Erlebnisse erzählt, ist nun auf Deutsch erschienen; Die «Süddeutsche Zeitung» hat es sich genauer angeschaut.
Everett, der gläubige Christ, wird von den etwa fünfhundert Pirahã-Indianern fröhlich empfangen. Sie nehmen ihn auf, er wohnt mit ihnen, studiert ihr alltägliches Leben. Er beobachtet sie beim Fischen, Jagen, Beerensammeln und Maniokausgraben. Eines fällt ihm dabei von Anfang an auf: «Alle schienen glücklich zu sein. Jedes Gesicht zierte ein Lächeln», schreibt er. Mit der Zeit beginnt er, ihre Sprache zu lernen. Diese ist aussergewöhnlich: Die Pirahãs kennen weder Farbbezeichnungen wie rot und gelb noch Zahlen, und folglich können sie auch nicht rechnen.
Leben im Jetzt
Auch sprechen sie nicht über Dinge, die sie nicht selbst erlebt haben: die ferne Vergangenheit also, Fantasiegebilde oder die Zukunft. Das wird Everett bewusst, als er das Wort «xibipíío» lernt. Er hört es beispielsweise, wenn ein Jäger aus dem Dschungel kommt oder ein Boot hinter einer Flussbiegung auftaucht. Die Pirahãs benutzen es auch, wenn ein Flugzeug vorbei fliegt, oder wenn ein Zündholz erlischt. «Schliesslich wurde mir klar, dass dieser Begriff das benennt, was ich als Erfahrungsschwelle bezeichne: den Vorgang, die Wahrnehmung zu betreten und zu verlassen.» Wichtig ist für die Indianer nur die stattfindende Gegenwart, das Jetzt.
Darum verlaufen alle Missionierungsversuche Everetts im Sande. Weil nur über das unmittelbar Erlebte gesprochen wird, kennen die Piraha weder Schöpfungsmythen noch andere Überlieferungen. Sie interessien sich schlicht nicht für Jesus. «Wir sind keine Amerikaner. Wir sind Pirahã, und Pirahã glauben nicht an Jesus», sagen sie. Dass Everett ihnen keinen lebenden Augenzeugen für Christus Existenz vorführen kann, macht sie umso skeptischer. «Hast du ihn gesehen, welche Hautfarbe hat er, wie gross ist er?», fragen sie. Everett entgegnet, dass weder er noch andere Jesus gesehen haben. «Also niemand, den du kennst, hat ihn gesehen? Warum erzählst du uns dann von ihm? Wir würden nie über etwas sprechen, wofür wie keine Beweise haben.»
«Glücklicher als Christen»
Darauf wendet sich Everett von der Religion ab, seine Ehe zerbricht. Das einfache Lebensglück der Pirahã hat ihn bekehrt. «Das Aussergewöhnlichste, das den Menschen auffällt, die die Pirahã mit mir besuchen, ist ihre Zufriedenheit. Wie sie einfach den ganzen Tag am Strand sitzen und hungern oder fischen.» Everett bewundert ihre Belastbarkeit und ihre Fähigkeit, mit Problemen umzugehen; es sei aber nicht so, dass ihr Leben einfacher wäre als unseres. Everetts Fazit: «Ich stellte fest, dass sie bereits glücklicher waren als alle Christen, die ich kannte», sagt er. «Sie sind glücklicher wegen ihrer inneren Kraft und der kulturellen Werte, die westliche Kulturen nicht mehr besitzen.»
(cha)
Erstellt: 23.03.2010, 11:16 Uhr
Das glücklichste Volk: Nur das unmittelbar Vorhandene zählt – FAZ
25.03.2010 · Ein wunderbarer und zutiefst verstörender Erfahrungsbericht: Der Ethnologe Daniel Everett hat jahrelang mit den Pirahã-Indianern am Amazonas gelebt.
Von Karl-Heinz Kohl
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A
ls Claude Lévi-Strauss vor über achtzig Jahren seine Expedition zu den letzten noch unberührten Indianervölkern Brasiliens unternahm, traf er im Innern des Mato Grosso auf eine Gesellschaft, die ihm im Nachhinein wie eine Verwirklichung von Rousseaus Utopie erschien. Die Nambikwara, ein Volk von Jägern und Sammlern, verfügten nur über die allernotwendigsten materiellen Güter, und ihre soziale Ordnung war auf das Wesentliche reduziert: die Kernfamilie, ein schwach ausgebildetes Häuptlingstum und ein paar rudimentäre Verwandtschaftsregeln. Die Gesellschaft der Nambikwara war so einfach strukturiert, dass sie sich – wie er in den „Traurigen Tropen“ schrieb – letztlich der soziologischen Erfahrung entzog. Denn eigentlich bestand sie nur noch aus Individuen.
Diese vielzitierte Passage aus dem Reisebericht des großen französischen Ethnologen kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man Daniel Everetts Beschreibung der brasilianischen Pirahã liest. Auch diese knapp 400 Personen zählende Gesellschaft, die an einem Nebenfluss des Amazonas vom Jagen, Sammeln und Fischen leben, begnügt sich mit einem Minimum an sozialer, politischer und ökonomischer Organisation. Die Pirahã haben eines der einfachsten Verwandtschaftssysteme der Welt, sie kennen keine politischen Führer, sie legen keine Vorräte an, sondern essen, wenn sie zu essen haben, und sie hungern tagelang, wenn der Jagderfolg einmal ausbleibt.
Wie ein Abenteuerroman
Lévi-Strauss’ „rousseauistische“ Darstellung der Nambikwara ist verschiedentlich kritisiert worden, weil er sich bei ihnen nur einige Wochen aufhielt. Im Fall des amerikanischen Ethnolinguisten Daniel Everett sind solche Zweifel jedoch kaum angebracht. Seine Aufenthalte bei den Pirahã beliefen sich auf mehr als sieben Jahre. Er wohnte in ihren Dörfern, nahm an ihren alltäglichen Verrichtungen teil, erlernte ihre Sprache und studierte ihre Gebräuche. Allerdings lag die wissenschaftliche Erforschung der Pirahãs zunächst gar nicht in seiner Absicht. Everett war Mitte der siebziger Jahre zu ihnen gekommen, um sie zum Christentum zu bekehren. Den Schilderungen der Entbehrungen, Missverständnisse und Gefahren, die er und seine Familie in dieser Zeit auf sich nehmen mussten, räumt er in dem Buch nicht weniger Platz ein als den Erörterungen des wissenschaftlichen Ertrags seiner Unternehmung. Und sie lesen sich fesselnd wie ein klassischer Abenteuerroman.
Die ersten Kontakte der Pirahã zu Händlern, Regierungsbeamten und Missionaren lagen damals schon viele Jahrzehnte zurück. Dennoch hatten sie sich den Einflüssen der Zivilisation erfolgreich widersetzen können. Ihre Hütten bauten sie immer noch in derselben einfachen Weise wie ihre Vorfahren. Werkzeuge tauschten sie bisweilen ein, ließen sie aber achtlos im Urwald verrotten, wenn sie sie nicht mehr brauchten. Moderne Techniken interessierten sie nicht. Gefallen fanden sie allein am Alkohol, mit dem brasilianische Händler sie gelegentlich versorgten. Auch dem amerikanischen Missionar traten sie anfangs reserviert gegenüber. Sie dachten nicht daran, ihm zu helfen, als seine Familie schwer an Malaria erkrankte. Das mochte ihrer eigenen Einstellung zu Krankheit und Tod noch entsprechen. Empfindlicher traf es den Missionar da schon, dass sie ihn – von einem dubiosen Händler aufgehetzt und unter Alkohol gesetzt – eines Tages fast umgebracht hätten, hätte er sich nicht in seiner Hütte verbarrikadiert.
Die Bibel spielt nicht am Amazonas
Dass Daniel Everett und seine Frau trotz allem blieben, mag zunächst an ihrem Sendungsbewusstsein gelegen haben. Beide arbeiteten im Auftrag des Summer Institute of Linguistics, einer wissenschaftlichen Einrichtung, die auf dem Gebiet der Dokumentation und Analyse indigener Sprachen große Verdienste erworben hat. Doch dient das von einer evangelikalen Missionsgesellschaft unterhaltene Institut vor allem religiösen Zielen. Durch seine Forschungsarbeiten soll die Voraussetzung dafür geschaffen werden, das Neue Testament in alle Sprachen der Welt zu übersetzen. Je länger Everett bei den Pirahã lebte und je intensiver er das Studium ihrer Sprache betrieb, desto größer wurden freilich auch seine Zweifel an dem Sinn eines solchen Unternehmens. Lassen sich bestimmte Geschichten und Ereignisse, die sich vor zweitausend Jahren in einer Kultur in Vorderasien abspielten, tatsächlich mit dem sprachlichen Inventar eines im Inneren des Amazonasbeckens lebenden Volkes wiedergeben?
Folgt man seiner Darstellung, dann handelt es sich beim Idiom der Pirahã um eine der schwierigsten und ungewöhnlichsten Sprachen der Welt, die kaum mit einer anderen verwandt ist. Auffällig ist bereits, dass sie lediglich über elf Phoneme verfügt, während die europäischen Sprachen an die vierzig dieser kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten kennen. Das Pirahã benötigt daher zur Bildung von Wörtern weit größere Lautzusammensetzungen als die meisten anderen Sprachen. Überraschend ist aber vor allem, dass es zahlreiche Eigenschaften nicht aufweist, von denen man früher annahm, dass sie eigentlich zu jeder Sprache gehören müssten. Die Gegenwart wird im Pirahã von der Vergangenheit und der Zukunft nur rudimentär unterschieden. Wörter für Farben und Mengen sind unbekannt. Noch außergewöhnlicher aber ist, dass es in dieser Sprache keine Zahlwörter gibt.
Sprache ohne Zahlen
Wie Everett bei verschiedenen Versuchen feststellte, kommen auch die Erwachsenen mit dem Zählen und Rechnen nicht zurecht, weil sie in einem sprachlichen Universum groß geworden sind, in dem die abstrakten Zahlkategorien schlichtweg nicht existieren. Eine Besonderheit, in der sich das Pirahã wohl von allen anderen bisher dokumentierten Sprachen unterscheidet, ist das Fehlen der sogenannten Rekursion, also der grammatikalischen Möglichkeit der Bildung von Nebensätzen. Wollen die Pirahã kompliziertere Zusammenhänge ausdrücken, so können sie dies nur, indem sie Abfolgen von Substantiven und Verben kettenförmig aneinanderreihen. Eine Zustandsbestimmung zusammen mit einem Ereignis oder einer Handlung in einen einzigen Satz zu packen erlaubt ihre Sprache nicht.
Die Veröffentlichungen von Everetts ersten Befunden über die ungewöhnlichen sprachlichen Strukturen des Pirahã haben in der amerikanischen Linguistik eine lange Debatte ausgelöst. Durch sie wurde nämlich eine Theorie in Frage gestellt, die die internationale Sprachwissenschaft über Jahrzehnte hin beherrschte. Noam Chomsky hatte in den sechziger Jahren seine These von der generativen Transformationsgrammatik aufgestellt, der zufolge allen Sprachen eine Art von Regelsystem zugrunde liegen soll, das jeder Mensch von Geburt an in sich trägt.
Keine angeborenen Sprachstrukturen
Es bestimmt über Syntax, Phonologie und Morphologie. Seine Gleichförmigkeit macht das Erlernen der eigenen, aber auch jeder anderen Sprache möglich. Wichtige Belegstücke der Chomskyschen Theorie stellten dabei bestimmte sprachliche Universalien dar, zu denen insbesondere die Rekursion zählt. Aber gerade die gibt es im Pirahã nicht. Zur Erklärung dieser und anderer Besonderheiten wendet sich Everett daher älteren Ansätzen zu, wie sie vor allem in der Ethnolinguistik durch Forscher wie Edward Sapir und andere entwickelt worden waren. Anders als Chomsky gingen sie nicht von angeborenen Strukturen aus, sondern legten ihren Schwerpunkt auf die Prägung der Sprache durch die jeweilige Kultur und natürliche Umwelt.
Die Eigenheiten der von den Pirahã gesprochenen Sprache finden Everetts Meinung nach ihre Erklärung darin, dass in ihrer Welt nur das unmittelbare Erleben zählt. Alle sprachlichen Aussagen gingen bei ihnen vom Hier und Jetzt aus. Sie bezögen sich auf die Situation des Sprechers und seiner Zuhörer. Dabei werde nur das als gültig akzeptiert, was die beim Sprechakt Anwesenden selbst erlebt haben. Abstraktionen, die über diesen persönlichen Erfahrungsbereich hinausgingen, hätten für sie keinerlei Wert. Aus diesem Grund benötigten sie auch keine Zahlen oder Mengenangaben. Denn auf das unmittelbar Vorhandene könne man immer hindeuten. Schöpfungsmythen und andere weit in der Vergangenheit liegende Ereignisse seien den Pirahã fremd, weil kein Lebender sie aus eigener Anschauung bezeugen könne.
Leben in der unmittelbaren Gegenwart
Ihre Verwandtschaftstermini gingen aus demselben Grund nur bis zur Generation der Großeltern zurück. Wenn sie keine Lebensmittelvorräte anlegten, dann deshalb, weil ihnen die Zukunft nicht weniger fern läge als die Vergangenheit. Träume würden ihnen dagegen als Fortsetzung der Realität gelten. Auch Naturgeister, von deren Erscheinungen Einzelne immer wieder berichteten, wären für sie Teil der gelebten Wirklichkeit, während sie die Idee einer Schöpfergottheit oder eines höchsten Wesens als absurd ansähen. Denn für solche transzendenten Gestalten gäbe es eben keine unmittelbare Evidenz.
In der Hingabe an die unmittelbare Gegenwart sieht Everett auch die Ursache für das gesteigerte Glücksempfinden der Pirahã. Denn um die Zukunft würden sie sich ebenso wenig Sorgen machen, wie das für immer Vergangene sie noch berühren könne. Die Fixierung auf das Hic et Nunc bietet ihm auch den Schlüssel dafür, weshalb sie der christlichen Botschaft so wenig abgewinnen konnten. Hätte er denn selbst Jesus je gesehen? Oder würde er irgendjemand kennen, der ihm wirklich begegnet sei? So und ähnlich fragten sie ihn immer wieder, wenn er ihnen vom Christentum erzählte.
Der Missionar konvertiert selbst
Je tiefer Daniel Everett in die Sprach- und Gedankenwelt der Pirahã eindrang, desto weniger konnte er sich ihren Argumentationen verschließen. Das Buch, das wie ein Abenteuerroman beginnt, verwandelt sich so in einen Bildungsroman. Es berichtet von der Konversion des Autors. Denn Everett sah sich nach seinem eigenen Eingeständnis bald nicht mehr dazu fähig, sich mit derselben Naivität wie früher zu seinem Glauben zu bekennen. Die ganz im Hier und Jetzt lebenden Pirahã hatten ihn zu ihrer eigenen Weltsicht bekehrt. Obgleich seine Familie darüber zerbrach, wurden seine Zweifel so groß, dass er seine missionarische Tätigkeit aufgab und sich nur noch der Forschung widmete.
Diese überraschende Wende bildet den Höhe- und Endpunkt eines Buches, in dem persönliche Erlebnisse und wissenschaftliche Einsichten geschickt miteinander kombiniert werden, um sich wechselseitig zu kommentieren. Mit Lévi-Strauss’ „Traurigen Tropen“ hat es mehr gemeinsam als die anrührende Schilderung einer Gesellschaft, die dem Ansturm der Moderne lange getrotzt und ihre Eigenheiten bis in die Gegenwart zu behaupten verstanden hat. Wissenschaftliche Abhandlung und persönliches Bekenntnisbuch in einem, nimmt es die alte Tradition des philosophischen Reiseberichts wieder auf. Man legt es nur ungern aus der Hand. Was alleine stört, ist der für die deutsche Ausgabe gewählte plakative Titel. Leider wird er diesem vielschichtigen und ambitiösen Werk alles andere als gerecht.
Ist im Norden alles besser? (I): Die gemütliche Festung | Politik | ZEIT ONLINE
http://www.zeit.de/2007/16/D-nemark-Serie
Die Dänen sind das glücklichste Volk der Welt – und sie haben Grund dazu. Sie kennen weder Arbeitslosigkeit noch Kündigungsschutz, im Arbeitsamt steigen Partys. Doch nicht jeder darf mitfeiern.
Wenn Deutschland um die richtigen Rezepte gegen Arbeitslosigkeit und Bildungsmisere streitet, kommt die Sprache schnell auf den Norden. In Finnland und den skandinavischen Staaten, heißt es dann, gebe es genug Arbeit für alle, wenig Ungleichheit und viele gute Schüler.
1. FOLGE: DÄNEMARK: Wie schafft man Arbeit für alle?
Auf Elvira Zipprich hat das Glück nie gewartet, sie muss es erwischen, wenn es ihr morgens um sechs die Fabriktür aufhält, drüben bei Danfoss in Gråsten. Schnell einen Kaffee gestürzt, Zigaretten eingesteckt und raus aus der Doppelhaushälfte, leise, damit Dieter nicht aufwacht, ihr Mann. Es ist Viertel nach fünf, kein Licht brennt in Jarplund-Weding, Schleswig-Holstein, als Elvira Zipprich den Motor ihres alten Hyundai-Coupés startet und das Radio einschaltet. Calimba de luna … Es wäre eigentlich Zeit, Düsternis und Kühle zu verfluchen, doch sie sagt: »Ich freu mich jeden Morgen.«
Elvira Zipprich ist eine kleine Frau von fünfzig Jahren, das Alter hat ihr erste Flecken auf die Hände getupft, die nun das Lenkrad halten. Sie fährt auf der Bundesstraße 200 nach Norden, an Flensburg vorbei zu ihrem persönlichen Jobwunder, nur dreißig Kilometer von zu Hause entfernt. Laster reißen Gischt aus dem Asphalt, Birken lassen ihre regenschweren Häupter hängen, doch Elvira Zipprich schwärmt von diesem kleinen Land, dem sie sich nähert, als handele es sich um das Paradies: Dänemark. »Alle per Du«, ruft sie, »da braucht man keine Angst vorm Chef zu haben!«
Seit letztem Sommer hat sie Arbeit bei Danfoss im Süden Jütlands, als eine von fünfzig Deutschen, die der Maschinenbaukonzern eingestellt hat, weil es kaum noch arbeitslose Dänen gibt. »Das war gerade übrigens die Grenze«, sagt sie, »ab hier ist alles anders.«
Dänemark. Jahrelang war das für Elvira Zipprich nicht mehr als ein Bingoabend in der Festhalle direkt hinter der Grenze, voll fröhlicher Menschen mit komischen Namen und mit Bier, das øl heißt. Als sie vor einigen Jahren ihren Motorradführerschein gemacht hatte, wagte sie sich etwas tiefer hinein, »Tempo achtzig und überall Kreisverkehre – das war ideal zum Üben«. Hinter der Grenze begann der Urlaub. Nichts Ernstzunehmendes außer vielleicht dem Karikaturenstreit, nichts, was für ein deutsches Leben von Belang sein könnte. Dachte sie damals.
Heute laden dänische Konzerne deutsche Arbeitslose zu Informationstagen ein – und Hunderte, Tausende kommen. Die Firmen schicken kostenlose Pendelbusse bis nach Flensburg, bis nach Kiel, und fahren die Besucher in das Land des Lächelns. Umfragen zufolge sind die fünfeinhalb Millionen Dänen das glücklichste Volk der Welt. Kein Ort liegt weiter als 52 Kilometer vom Meer entfernt, ein Drittel aller Dänen fährt mit dem Rad ins Büro, kaum jemand wohnt noch zur Miete, nahezu alle haben Arbeit.
Elvira Zipprich hatte zwei Jahre lang keine. Sie, eine Tischlerstochter ohne Ausbildung, hat ihr deutsches Arbeitsleben stets am unteren Rand der sozialen Marktwirtschaft verbracht, als Taxifahrerin, Verkäuferin, Arbeitslose. Im Arbeitsamt Flensburg rieten sie ihr irgendwann, sie solle Dänisch lernen, ihre letzte Chance. »Erst war das wie Japanisch rückwärts für mich«, sagt sie und lacht, har du lyst til at arbejde?, hast du Lust zu arbeiten?
Es ist kurz vor sechs, als Elvira Zipprich in Gråsten auf den Werkparkplatz fährt. In der Fabrik ruft sie »hej« nach links und »hej« nach rechts, froh wie ein Mädchen, das unverhofft doch noch zum Kindergeburtstag eingeladen worden ist. Die Randi ist schon da, die Berit, die Vickie. Elvira Zipprich eilt zu ihrem Spind. Darauf steht ELVIRA.
Danfoss stellt Steuerungsgeräte für Fließbänder her. Im Moment ist es so, dass China Fließbänder braucht. Deshalb braucht Danfoss Elvira. Sie heißt hier operatør. Das klingt gut, fast wie Chirurg. Sie verdient mehr Geld, als sie in Deutschland je bekommen hat. Sie hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag, 30 Tage Urlaub und volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Es gibt auch einen Massagestuhl in der Fabrik.
Was an diesem Morgen wie das Paradies der Arbeitnehmer wirkt, wie ein streng regulierter Sozialstaat, ist in Wahrheit das Resultat eines freien Spiels der Kräfte: Vor mehr als hundert Jahren, 1899, haben Gewerkschaften und Arbeitgeber beschlossen, den Arbeitsmarkt allein zu regulieren, durch direkte Absprachen. Das dänische Arbeitsrecht zeichnet sich seitdem dadurch aus, dass es dieses Arbeitsrecht quasi nicht gibt, zum Beispiel keinen Kündigungsschutz. An die Stelle von Paragrafen trat ein Mit- und Gegeneinander, verbindlich im Ton. 80 Prozent der Dänen sind in einer Gewerkschaft, jedes einzelne Danfoss-Werk handelt seine eigenen Tarife aus. Über 70 Prozent der Dänen sehen die Globalisierung als Chance, in der gesamten EU sind weniger als 40 Prozent dieser Meinung. In Dänemark findet ein Arbeitsloser nach durchschnittlich 17 Wochen eine neue Stelle, in Deutschland erst nach 40. Jahr für Jahr wechseln 800000 Dänen den Job. Das ist fast jeder dritte Arbeitnehmer.
Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas: Daniel Everett, Sebastian Vogel: 9783421043078: Bü…
http://www.amazon.de/Das-glücklichste-Volk-Pirahã-Indianern-Amazonas/dp/3421043078
Das glücklichste Volk der Welt
http://m.youtube.com/watch?gl=US&hl=de&client=mv-google&v=MZgtDHDHWcs
Neuer Angriff an Silvester angekündigt: Anonymous legt Kundendaten offen – n-tv.de
http://www.n-tv.de/technik/Anonymous-legt-Kundendaten-offen-article5107041.html
Nach ihrem Angriff auf Stratfor veröffentlicht die Hackergruppe massenhaft Daten von Personen aus Politik und Wirtschaft. Die Gruppe ruft zudem die internationale Hackergemeinde auf, die Daten zu nutzen, um “verheerendes Chaos” in den E-Mail- und Kreditkarten-Systemen der “reichen und mächtigen Unterdrücker” anzurichten.
Die Hackerorganisation Anonymous hat nach ihrem Cyber-Angriff auf die US-Sicherheitsfirma Stratfor hunderttausende Kundendaten veröffentlicht und mit weiteren Angriffen in der Silvesternacht gedroht. In einer Erklärung im Internet veröffentlichte die Gruppe am späten Donnerstagabend (Ortszeit) Links mit rund 75.000 Namen, E-Mail-Adressen, Kreditkartennummern und Passwörtern von Stratfor-Kunden. Zudem waren Benutzernamen und Passwörter von 860. 000 Menschen einsehbar, die sich auf der Internetseite des Unternehmens angemeldet hatten. Auch rund 50.000 E-Mail-Adressen von Vertretern der US-Regierung wurden veröffentlicht.
Unter anderem haben die Hacker nach eigenen Angaben Daten des früheren US-Vizepräsidenten Dan Quayle, von Ex-Außenminister Henry Kissinger und des ehemaligen CIA-Direktor Jim Woolsey erbeutet. Auch E-Mail-Adressen von den Rüstungskonzernen Boeing Neuer Angriff an Silvester
Anonymous kündigte in der Erklärung zudem an, zu Silvester “mehrere Ziele der US-Sicherheitsbehörden im ganzen Land” angreifen zu wollen, äußerte sich aber nicht zu konkreten Plänen. Die Gruppe rief zudem die internationale Hackergemeinde auf, die veröffentlichten Daten zu nutzen, um “verheerendes Chaos” in den E-Mail- und Kreditkarten-Systemen der “reichen und mächtigen Unterdrücker” anzurichten.
Anonymous hatte am vergangenen Wochenende mitgeteilt, sensible Daten von tausenden Stratfor-Kunden geknackt zu haben. Die Gruppe veröffentlichte im Kurznachrichtendienst Twitter einen Link zu einer Liste von Stratfor-Kunden. Die US-Firma räumte einen Hackerangriff ein und bedauerte in einer in dem Netzwerk Facebook veröffentlichten Mitteilung den Vorfall.
Anonymous war mit Online-Angriffen auf Gegner der Enthüllungsplattform Wikileaks bekannt geworden. Die Hacker hatten unter anderem Angriffe gegen das Kreditkartenunternehmen Visa und den Internet-Bezahldienstleister PayPal gestartet, die nach der Veröffentlichung von geheimen US-Diplomatendepeschen ihre Zahlungen an Wikileaks eingestellt hatten.
dpa/rts
Twitter / @AnonCircle: Here are more Stratfor dox …
Herbert Paierl: “Das System wird zusammenbrechen” « DiePresse.com
Die Presse: Verdienen Manager in staatsnahen Unternehmen zu viel?
Frauen setzen auf Partnersuche im Internet
Herbert Paierl: Es gibt immer zwei Vertragspartner: Einen, der den Vertrag annimmt, aber auch einen, der den Vertrag anbietet. Und wenn jemand so viel zahlt, dann muss er sich dabei etwas gedacht haben. Aber rund um Weihnachten kommt immer diese selbstgefällige „Licht ins Dunkel“-Haltung: das schlechte Gewissen, dass man sich irgendwo danebenbenommen hat. Dagegen verwehre ich mich. Das ist Sozialismus, da ist jeder irgendwie links. Der eine konservativ-sozialistisch, der andere katholisch- oder öko-sozialistisch, der Dritte national-sozialistisch. Aber es gibt in Österreich im Moment keine politische Gruppierung, die sich gegen diese linke sozialistische Unterwanderung – nämlich in jeder Lebenslage Opfer zu sein – zur Wehr setzen und sich davon einigermaßen befreien kann. Es gibt kein freies, konservatives, ordoliberales Lager.
Die ÖVP kann das nicht abdecken?
Meine Beobachtung ist, dass sie dazu nicht in der Lage ist.
Können Sie sich an die letzte konstruktive Duftmarke der ÖVP erinnern?
Der letzte Mohikaner, der die Fahnen hochhält, ist Karlheinz Kopf – innerhalb seiner Möglichkeiten als Klubobmann. Und wenn man ihn ranlässt ist das, was er sagt, konsistent. Aber sonst…
Eine Wirtschaftspartei könnte dieses Vakuum ja füllen. Deren Kopf wollten Sie aber nicht sein.
Es geht nicht um die Wirtschaftspartei.
Was fehlt dann? Ein Liberales Forum?
Am Anfang hat alles gut ausgeschaut, Titel und Überschriften hätten gepasst. Aber wenn man genauer hinsieht, kommt immer derselbe Etatismus, dieselbe Opferhaltung, diese sozialistische Durchdringung, dass der Staat alles machen soll. Es wird zu wenig auf die Eigenständigkeit der Menschen gebaut. Ich bin überzeugt davon, dass das – wenn es wie jetzt Krisenbewältigungsstrategien geben muss –, nicht ohne unternehmerisches Denken auf allen Linien geht. Unser Modell ist nicht mehr zukunftsfähig. Es braucht eine Systemänderung.
Und zwar?
Die Umverteilung wächst jährlich. Die Bezieher niedriger Einkommen erhalten schon über 80 Prozent aus Transferzahlungen. Das ist nicht ihre Schuld, sondern ein Problem des Systems. Die staatlichen Ausgaben auf allen Ebenen – Bund, Länder, Gemeinden – gehen zu 53 Prozent ins Sozialsystem. Und trotzdem nimmt die Armutsbedrohung zu. Da muss man systematisch etwas ändern. Das geht nur über die Stärkung mittelständischer unternehmerischer Kultur, also echte Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Risikobereitschaft. Und wenn das Risiko dann schlagend wird, darf man nicht – wie auch einige im Wirtschaftsbund – sofort nach dem Staat rufen, sondern muss eigenständige Krisenbewältigungsstrategien entwerfen. Denn das, was im Moment passiert, dieses System werden wir nicht mehr halten können: Es wird in sich zusammenbrechen, davon bin ich überzeugt.
Was muss sich ändern?
Man muss sich fragen, ob unsere Strukturen noch zeitgemäß sind. Ich frage mich, wie eine Ebene, die eigentlich nur mehr Verwaltungsaktivitäten hat, so in die Verschuldung kommen kann. In Wahrheit müsste man die gesamten Defizite der Länder dem Bund zurechnen.
Also die Landtage abschaffen?
Ich habe nichts gegen Folklore. Und die Länder und Gemeinden haben ja auch direkt nichts mit der Finanzkrise und der Bankenrettung zu tun. Freilich gab es 2009 weniger Steuereinnahmen durch den wirtschaftlichen Abschwung, aber haben Sie gehört, dass zu Zeiten sprudelnder Einnahmen 2010 irgendwo ein Überschuss erwirtschaftet wurde? Es wurde nicht einmal daran gedacht, in Zeiten der Hochkonjunktur, in denen das Geld bei der Tür hereinrinnt, irgendwelche Reserven anzulegen. Stattdessen wird das Geld für sämtliche Förderungen seit Jahren am Finanzmarkt aufgenommen. Es wird nur mit geborgtem Geld herumgeschmissen. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.
Was erwarten Sie von 2012?
2012 wird das entscheidende Jahr werden. Kommt es zu systematischen Veränderungen durch politische Kraft oder wird weiter versucht, sich im Hinblick auf die Wahl 2013 drüberzuturnen. Dann werden die Änderungen von außen diktiert werden und es kann zu sozialen Verwerfungen kommen.
Trauen Sie dem aktuellen politischen Personal diesen Kurswechsel zu?
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Muss man den Ratingagenturen dankbar sein, dass sie dermaßen Druck auf die Politik ausüben, dass plötzlich über Einsparungen diskutiert wird.
Ja. Es ist aber traurig, dass man Ratingagenturen braucht, um sachlich vernünftige Dinge zu tun.
Braucht es eine verfassungsrechtliche Festschreibung der Schuldenbremse?
Na ja, es wäre wichtiger, zur Schuldenbremse die Story zu haben, die attraktiv und kraftvoll genug ist, um sie auch umzusetzen. Ich würde mir generell mehr Verantwortung, und zwar bis hinein zu persönlichen Haftungen, vorstellen können. Wenn jemand über Jahre hinweg Geld ausgibt, das er nicht hat, ist das gemäß den Spielregeln, die eine zivilisierte Gesellschaft vorgibt, Fahrlässigkeit und damit ein strafrechtlicher Tatbestand.
Sie haben als Management-Club-Präsident ein Buch mit 95 Reformideen herausgegeben, der Rechnungshof hat zuletzt 599 Vorschläge aufgelistet. Passiert ist aber…
… nichts. Daher auch mein Frust.
Wird man da zum Wutbürger?
Das ist nicht ganz meine Ebene. Aber ich halte es generell für nicht ausgeschlossen, dass es so etwas wie eine Piratenpartei auch in Österreich gibt, weil viele gute Leute, die es im jetzigen Parteiensystem auch gibt, dort chancenlos bleiben. Es wird sich daher etwas außerhalb dieses Systems etablieren. Hoffentlich nicht radikal, sondern zivilgesellschaftlich verankert.
(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 31.12.2011)
Alraune und Bilsenkraut: Nachtschattengewächse: Wohl und Wehe | Suite101.de
http://barbara-schuhrk.suite101.de/alraune-und-bilsenkraut-a42188
Die Nachtschattengewächse bergen Heilung und auch den Tod. Vergangene und gegenwärtige Nutzung von Alraune und Bilsenkraut
Die “Götterpflanze” Bilsenkraut birgt eine gewaltige Fruchtbarkeit in sich: In rund 50 Früchten entwickeln sich bis zu 10.000 Samen, die ihre Keimfähigkeit in den Erdschichten über mehrere hundert Jahre zu behalten wissen. Der dänische Medizinhistoriker Lind fand Bilsenkrautsamen bei der Ausgrabung einer Burgruine, die vermutlich 800 Jahre in Samenruhe verharrten.
Bilsenkraut war die heilige Pflanze des keltischen Gottes Belenos, hilfreich bei schamanischer Initiation, Inhalt des Dichtermets, das Bierkraut des Donnergottes der Germanen. Es machte „toll“, wurde als Bade- und Liebeszauber genutzt und zudem, um Streit zu sähen.
Bilsenkraut heilte physischen Schmerz, machte seelisches Leid vergessen, wurde schon bei Homer erwähnt, da vermutlich im Trank der Helena für den Sohn des Odysseus enthalten und auch die Edda ließ Gudrun mit dem Kraut den Mord an Sigurd vergessen.
Plinius schätzte die Inhalation bei Zahnschmerz, zudem die weinähnliche Wirkung frischer Blätter als Schlafmittel und schmerzstillende Medizin. Hildegard von Bingen sah es zur Vertreibung von Maden in „geschwürigem Fleisch“.
Bilsenkraut in der Anwendung
Im Mittelalter wurde Bilsenkraut als Narkose eingesetzt und ersetzte mit Mohn und Theraik das Chloroform. Schon damals lobten die Ärzte die beruhigenden, krampf- und schmerzstillenden Eigenschaften. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde stetig darauf verwiesen, dass das Kraut bei Epilepsie hilfreich sei. Es wurde auch zur Vertilgung von Ratten und Mäusen eingesetzt und als „Wundermittel“, um Vögel anzulocken und Fische zu betäuben.
Nach dem Merckschen Index wurden und werden Hyoscyamosblätter als Antispasmodikum, Beruhigungsmittel, Narkotikum und Mydriatikum eingesetzt; innerlich bei Affektionen der Luftwege, Tuberkulose, Neuralgien. Auch bei Beschwerden der Gelenke, der Knochen, der Urogenitialorgane, bei Magenkrampf, Kolik, Angina, Hysterie, Epilepsie und Erregbarkeit geistiger Art. Hagers „Handbuch der Pharmazeutischen Praxis“ von 1979 nennt gar die äußerliche Anwendung bei Krebs und Knoten. Im gesamtheitlichen Wirkungsbild steht das Bilsenkraut somit für die zentrale Beruhigung.
Die Indikationen in der Homöopathie könnten ganze Bücher füllen. Ein Auszug: Das zentrale Nervensystem, der Magen-Darm-Bereich, sämtliche nervlich bedingte Beschwerden, Gelenk- und Blasenerkrankungen und Menstruationsprobleme.
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Nachtschatten und Inhaltsstoffe
Tollkirsche und Nachtschatten
Die “Menschenwurzel” Alraune
Die Alraune war die “Menschenwurzel” der Parsen, im alten Orient war sie genauso beliebt, wie im rumänischen Kult. Sie stand für die Entstehung des Menschen, galt als Liebesapfel, war bei den alten Ägyptern genauso angesehen, wie bei den Griechen – Alraune, Pflanze der Aphrodite. Sie war Medizin und sogar in der Bibel wurde sie bereits erwähnt.
Die Alraune, Nachtschatten, geheimnisvollste aller Pflanzen, das magische Gewächs, das von Mystik und Zauber zu erzählen weiß: Die Bezeichnung, abgeleitet von “Runi”, bedeutet soviel wie „Geheimnis“, aber auch „geheimes Wissen“. So trägt die Alraune (Mandragora officinarium) einen nordischen Namen, obwohl sie ursprünglich nur im Mittelmeerraum vorkommt.
Sie blüht im Herbst oder im Frühjahr in botanisch verschiedenen Sorten; ethnobotanisch und historisch wird sie zudem in Weibchen und Männchen unterteilt. Alraunenwurzeln wurden bereits vor unserer Zeitrechnung als “Menschenwurzel” bezeichnet, erinnern sie doch in Form und Haltung an die menschliche Gestalt, Beine und Rumpf.
Auffallend auch die Ähnlichkeit zu dem Begriff “Alruna”: Die germanischen Seherinnen wurde laut Tacitus Alruna – die alles Wissenden – genannt, als solche verehrt; in antiken Quellen wurden die Alruna als Weiber mit schier göttlichen Kräften gerühmt. Alruna beherrschten vor und während des Mittelalters das Gesundheitswesen und hüteten die enge Bindung zur Natur.
Die Mythen, die sich um die Alraune ranken, sei es das Heben ihrer Wurzeln oder ihre Macht, sprengen den Rahmen eines jeden Textes. In der Geschichte weist sie medizinische wie magische, aphrodisische und psychoaktive Verwendung und Wirkung auf, wird erhoben zum Zauberkraut an sich. Sogar bei Harry Potter.
Die Verwendung der Alraune
In der griechisch-römischen Arzneimittellehre wurden Alraunenwurzeln vor chirurgischen Eingriffen genutzt. Als fruchtbarkeitsfördernd (Liebesapfel) war die Mandragora genauso bekannt, wie als geburtserleichternd; die pulverisierte Wurzel bei Zahnweh, Hämorrhoiden, Magenbeschwerden und Geburtskomplikationen – bereits bei den Assyrern.
In Rumänien wandte man die Alraune auch bei Rückenbeschwerden und Fieber an, die Räucherung mit der Wurzel soll Geister vertreiben, wenngleich „der Geist dieser Pflanze so mächtig ist, dass man vorsichtig sein möge“ (Rätsch, vgl. Quellen). Das Räuchern soll der Liebe dienlich, dem Orakel behilflich sein, aber auch gegen Kopfschmerzen helfen, den Husten tilgen.
Genutzt wurde die Alraune des weiteren als Zugsalbe, bei Abszessen, Augenerkrankungen, Beklemmung und Besessenheit, Depression, Drüsenentzündungen, Gelenkschmerzen und Geschwüren wie Geschwulst. Auch Hysterie und Impotenz wurde mit ihr einst geheilt, Leber- und Magenbeschwerden, Melancholie, Schlaflosigkeit, Bisse, Vergiftungen, Sprachverlust, Würmer, Wunden und Wundrose. Medizinisch wird die Alraune heute nicht mehr eingesetzt, in der Homöopathie bei psychomotorischen Erregungszuständen, Bronchitis, Darm-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen verschrieben.
Die Heilpflanzenkunde ersetzt bei Beschwerden nicht den Besuch eines Arztes oder Heilpraktikers. Auch übernehmen weder Autor noch Suite 101 jedwede Verantwortung für die Risiken einer Eigenbehandlung infolge des Artikels.
Literaturhinweise
Berger, Markus, Stechapfel und Engelstrompete, Nachtschattenverlag 2003
Hansen, Harold A., Der Hexengarten, München, Dianus-Trikont Verlag 1983
Müller-Ebeling/ Rätsch, Zauberpflanze Alraune, Nachtschattenverlag 2004
Ochsner, Hexensalben und Nachtschattengewächse, Nachtschattenverlag 2003
Rätsch, Christian, Schamanenpflanze Tabak, Nachtschattenverlag 2002
Rätsch, Christian, Schamanenpflanze Tabak, Band II, Nachtschattenverlag 2003
Rätsch, Christian, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT Verlag 2007
Schenk, Gustav, Schatten der Nacht, die Macht des Giftes in der Welt, Hannover, Adolf Sponholtz Verlag 1948
Storl, Wolf-Dieter, Götterpflanze Bilsenkraut, Nachtschattenverlag 2004
Schulz, V., Hänsel, R. Rationale Phytotherapie, Ratgeber für Ärzte und Apotheker, 5. Auflage, Springer Berlin Heidelberg New York 2003
Vergessenes Gemüse der Geschichte: Vergessene Pflanzen unserer Ahnen: Ethnobotanik, Kultur, Geschichte | Suite101.de
http://barbara-schuhrk.suite101.de/vergessenes-gemuese-der-geschichte-a41605
Kulturgeschichte vergessener Gemüsearten der Geschichte: Schinkenwurzel, Bürzelkraut, Fuchsschwanz und Guter Heinrich. Mythen, Legenden, Verwendung und Ethnobotanik
Viele Gartenpflanzen sind vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa gelangt. Ein Teil wurde der Heimatnatur entnommen, andere gliederten sich durch Verwilderung in unsere Flora ein und bereicherten diese, wieder andere verschwanden in der Versenkung.
Bürzelkraut, Portulak
So war der Feldsalat noch vor 150 Jahren ein verhasstes „Unkraut“ auf den Feldern; andere Bodenerzeugnisse hingegen, die einst in Kloster- und Bauerngärten ihren festen Platz hatten, kamen aus der Mode: Bürzelkraut, Portulak, einst als Gemüse und Salat geschätzt, heute als „Unkraut“ in den Beeten verkannt – oftmals unerkannt. Diese fleischige und sehr Vitamin C – reiche Pflanze wird in Frankreich hochgeschätzt.
Stockrose, Nachtkerze und Schinkenwurz
Zwar ist die Stockrose eine beliebte Zier, dass sie aber verwandt mit der Okra-Schote und gut zu verzehren ist, scheint mittlerweile unbekannt. Die Nachtkerze erfreute sich ihres Bekanntheitsgrades vornehmlich aufgrund ihrer gelbleuchtenden Blüten, weit danach erst kamen deutsche Gärtner darauf, dass die rosafarbene Wurzel in ihrer Farbe und Textur dem gekochter Schinken ähnele.
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Daraus gezüchtet wurde fortan die „Schinkenwurzel“ oder „Rapontika“. Die jungen Blätter eignen sich zudem als Spinat oder Salat. Die Samen, reich an Gamma-Linolensäure, scheinen ein medizinisches Wundermittel zu sein – und bereichern jedes Müsli.
Vergessene Zeiten, vergessenes Wissen – vergessene Gemüse…
Der Fuchsschwanz (Grüner Fuchsschwanz)
Amaranthus lividus, Amaranthus blitum, Amaranthus viridis
Der Fuchsschwanz gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse, trägt zudem den Namen Meyer, Mayerkraut, Blitum, Küchenamaranth, Roter Heinrich, Fuchsstern oder Fuchszagel.
Mehr Informationen
Gemüse des Mittelalters
Die Historie der Gärten
Eßbare Pflanzen, Gemüse der Ahnen
Fuchsschwanzarten gibt es viele; seit mindestens fünftausend Jahren wurden sie als Blattgemüse oder gar als Getreide angebaut. Blitum oder Meyer ist die herkömmliche Bezeichnung der in Europa einheimischen Art.
Dieser Fuchsschwanz, der noch immer als Wildkraut auf Äckern und an Wegrändern wächst, wurde schon früh in Kultur genommen: Der griechische Botaniker Theophrast berichtet schon aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, dass „Bliton“ als Gemüse angebaut werde.
Dioskurides sagte, „das Gemüse bekommt dem Leibe gut, hat aber keine arzneiliche Eigenschaft“. Karl der Große erwähnte „Blidas“ in der Verordnung zum Anbau in seinen Ländereien und auch Botaniker und Kräuterväter führten den Fuchsschwanz in ihren Schriften an. Erst der Spinat vermochte ihn als Blattgemüse zu verdrängen, obwohl dieser sehr gesund ist, viele Blattproteine, Vitamine und Mineralien enthält.
In China und Indien wurden verwandte Sorten als „chinesischer Spinat“ angebaut und im Gegensatz zu Dioskurides kennt der Ayurveda ihn als Heilmittel: Der frische Presssaft wird bei chronischen Lungenbeschwerden, Asthma, Tuberkulose oder einem Emphysem gereicht, Schwangeren soll er die Geburt erleichtern und bei Säuglingen dient er der Entwicklung. Alte Menschen trinken ihn, um fit zu bleiben und auch bei inneren Blutungen soll der Fuchsschwanz hilfreich sein. Beschwerden im Genitalbereich werden durch die gekochte Wurzelrinde geheilt.
Der gebogenen Amaranth oder Fuchszagel (Amaranthus retroflexus) wurde von den Indianern Mittel- und Südamerikas kultiviert. Die Samen, die dem Mohn sehr ähnlich sehen, werden geröstet, gedämpft oder mit Maismehl gemahlen, kommen ins Brot, in den Kuchen oder Brei. Ebenso werden die jungen Triebe als Gemüse verwendet.
Genauso lassen sich auch die Samen und Blätter unseres Gartenfuchsschwanzes, die ursprünglich aus Peru stammende Art Amaranthus caudatus und Amaranthus paniculatus, mit seinen fuchsroten Blütenständen verwenden.
In ihrer Heimat gelten sie als heilige Pflanzen, als Urnahrung, die ihre Ahnen aus der Welt unter der Erde mit in die hiesige brachten und auch für die Azteken war Fuchsschwanz mehr als Nahrung: Sie aßen ihn, um stetig Kraft zu schöpfen, sich gegen die Spanier zur Wehr setzen zu können. Vom Erfolg zeugt ein Bericht an den spanischen Vizekönig in Lima, Marquez de Canete, 1560: „Sie essen eine gewisse Frucht, die nicht größer als ein Stecknadelkopf ist und sie widerspenstig macht.“
Guter Heinrich
Chenepodium bonus-henricus
Der Gute Heinrich ist ein Gänsefußgewächs, gelangte durch seine Beliebtheit zu vielerlei Namen: Heinerli, Schmotzig Heiner, Mehlkraut oder auch Lungwurz und Burkhart ward er oftmals genannt. Auf Mehlkraut wird man deshalb gekommen sein, da seine dreieckig spießförmigen, tiefgrünen Blätter mehlartig bestäubt sind. Zudem sehen sie den Füßen von Gänsen oder Enten recht ähnlich; die Blüten hingegen sind unscheinbar und winzig, farblos und rispenartig angeordnet.
Bevor der Spinat seinen Eroberungsfeldzug begann, war der Gute Heinrich mehr als gebräuchlich: Die frisch austreibenden Blätter wurden zum ersten Gemüse, welches im Frühjahr zu ernten war, wie Spinat ward er zubereitet und passte ebenfalls delikat zu Eiern.
Als besonderer Leckerbissen galten die jungen Triebe: Man bleichte sie, indem den jungen Stengeln ein Kübel übergestülpt wurde, auf dass sie kein Licht mehr erhielten. Dann schälte man sie und kochte sie wie Spargel. Als Spargelersatz noch vor der Spargelzeit kam der Gute Heinrich in England und Schottland zum Namen „Lincolnshire asparagus“, noch heute ein beliebtes Lokalgericht.
Im englischen Volksmund wird er in Anlehnung an seinen deutschen Namen auch als „Good King Henry“ oder gar als „mercury“ bezeichnet. Letzteres, da man diese Pflanze dem Merkur zuordnet – immerhin dem Heiler unter den Göttern!
Tatsächlich umfasst der Gute Heinrich vielerlei heilende Wirkungen: Antiskorbutisch soll er sein, als Breiumschlag hilft er bei Hautverletzungen, Gicht, Gliederreißen, Krätze und anderen Ausschlägen. Der heilige Heinrich soll als Erster aus dieser Pflanze, vermischt mit anderen Kräutern, ein Wundheilpflaster gegen Aussatz zubereitet haben – doch schon vor der Verbreitung des Christentums war Guter Heinrich in Gebrauch, sodass man davon ausgehen kann, dass der heilige Heinrich – welcher nämlich ist nicht bekannt und derer gab es einige – zur Legitimierung einer uralten Heidenpflanze zu dienen hatte: Heinrich ist angelehnt an das germanische „haganrich“, somit den „König des Hags“.
Heinz oder Heinzel ist nach Jacob Grimm ein alter Name für einen Kobold, der sich einer Hausgemeinschaft anschließt und den Menschen bei der Arbeit hilft. Somit wahrlich ein guter Heinrich, denn noch andere Pflanzen tragen diesen Zweitnamen, allerdings ein Böser, Roter, Stolzer oder gar Eiserne…
Der Gute Heinrich wächst auf Schuttplätzen, an Dorfstrassen, Haus- und Stallwänden. Besonders wohl scheint er sich in der sonnigen Lage von Bergen und der Alm zu fühlen; zu den Speisen, die sich die Sennen kochen, gehört er genauso wie die Brennessel, der Sauerampfer und wird gar Hirtenspinat genannt. Verwandt mit der Melde macht auch er wenig Arbeit, pflanzt man ihn im eigenen Garten an. Einzig feuchte Böden, ein heller Standort sollten vorhanden sein – vielleicht gerät er dann zum Heinzelmann…
Topinambur – ein lange vergessenes Gemüse – Servicezeit – WDR Fernsehen

Topinambur blüht im Sommer, er ist wunderschön, und ab dem Herbst kann man seine Knollen essen. Pflanzenschutz braucht er nicht, und auch sonst ist er unproblematisch. Die delikaten Knollen wachsen unter der Erde. Die Ernte ist reichlich. Entdeckt hat Servicezeit: Wohnen & Garten dieses lange vergessene Gemüse im nordrhein-westfälischen Lemgo, im Garten von Kurt Hentschel und seiner Frau Lisa.
Im Garten der Hentschels
Kurt Hentschel liebt Traditionen, und schon immer sammelt er alte Gemüsesorten. Zurzeit liegt er damit voll im Trend, und es wundert nicht, dass in seinem Garten etliche Gewächse stehen, die der normale Hobbygärtner nicht einmal mit Namen kennt. Die Lippische Palme etwa, ein Braunkohl der über 2 Meter hoch wächst, Johannislauch, eine Lauchart, die es in keinem Geschäft mehr zu kaufen gibt, und nur noch einigen Hausgärten überlebt, oder auch Pastinake.
Topinamburknollen
Sie gehörte bei uns bis ins 18. Jahrhundert zu den Grundnahrungsmitteln. „Schmeckt wie Möhren, aber ein bisschen so wie Sellerie“, erklärt Kurt Hentschel lächelnd, während er ein besonders dickes Exemplar aus dem Boden gräbt, „ein sehr angenehmer Geschmack, der uns allen sehr gut gefällt.“ Pastinake wird gerne im Eintopf gegessen, ist aber auch als sanft gedünstete Gemüsebeilage delikat.
Einige Meter von seinem Pastinakenbeet entfernt liegen Fichtenzweige auf dem Boden. Darunter befindet sich sein Wintergemüselager, und Kurt Henschel bewahrt darin Rettiche, Rote Bete und Sellerie auf. Das haben schon seine Vorfahren so gehalten – schon seit 25 Jahren. „Da ist es sehr kühl drin und schöne Erdfeuchte“, erläutert er, „das Gemüse hält sich dort sehr lange. Bis Ende März, Anfang April können wir hier noch was rausholen.“ Als Behältnisse verwendet er alte Wecktöpfe: „Die müssen unten Löcher haben, damit der Regen auch wieder abzieht und das Gemüse nicht verfault. Und Stöckchen lege ich immer rein, damit reingefallene Insekten auch wieder rauskrabbeln können.“
Topinambur – ein Schmuck für den Garten
Ein besonderes Plätzchen hat sich Kurt Hentschel für Topinambur ausgesucht: „eine Ecke, wo er in Ruhe wuchern darf“, erzählt er und holt im Handumdrehen dutzende Knollen aus dem Boden. „Eine ganz genügsame Pflanze, im Sommer und im Herbst sieht sie wunderschön aus, blüht auch schön, und der große Vorteil ist, den ganzen Winter können wir Topinamburknollen ernten, wenn der Boden offen ist.“
Kurt Hentschel hat sich für seine Topinambur ein Fleckchen am Gartenzaun ausgesucht, denn mit ihren 2 bis 3 Metern Höhe bietet Topinambur so ganz nebenbei sogar noch einen guten Sichtschutz. Wo sich die Pflanze zu stark ausbreitet, reißt er die Stängel einfach ab. Wem das zu umständlich ist, der kann auch eine Wurzelsperre in den Boden einlassen. Seine Heimat hat Topinambur in Nordamerika, von wo er um 1600 nach Frankreich gelangte und sich dann in ganz Europa ausbreitete. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Topinambur von der Kartoffel verdrängt, und seitdem fristet er ein Schattendasein.
Vermehrt wird die Pflanze über die Knollen. Reste, die im Boden bleiben, reichen für die Ernte im nächsten Jahr allemal aus. Wer sich die Pflanze erstmals in den Garten holen möchte, sollte sich von Freunden einige Knollen besorgen oder auf Wochenmärkten stöbern. Gelegentlich werden sie dort angeboten. Ab September ist er ein echter Schmuck für den Garten und an den großen gelben Blüten erkennt man auch, dass Topinambur mit der Sonnenblume verwandt ist.
Schmeckt nach Nuss und einfach lecker
Ehehfrau Lisa Hentschel kocht leidenschaftlich gern. Mit der Zubereitung von Topinambur hat sie Erfahrung. Ihre Rezepte und einige Tipps hat sie uns verraten: „Ich esse die am liebsten roh, die braucht man nur zu schälen – die schmecken lecker, wie Nuss, ganz nussartig, ganz lecker“
Topinamburrohkostsalat
Topinamburrohkostsalat
Zutaten für vier Portionen als Vorspeise:
250 g Topinamburknollen
2 TL Zitronensaft
1 TL Öl
Salz
Feldsalat
Zubereitung:
Die Knollen schälen, grob raspeln, dabei gleich mit etwas Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden.
Zitronensaft und Öl untermischen, mit etwas Salz abschmecken.
Wer mag, kann auch etwas Möhren und Apfel dazuraspeln.
Mit Feldsalat dekorieren.
Lisa Hentschel isst Topinambur aber am liebsten pur: „weil dann der schöne nussartige Geschmack besser zur Geltung kommt.“
Topinamburgemüse
Topinamburgemüse
Zutaten für vier Personen:
750 g Topinamburknollen
0,5 l Gemüsebrühe
0,25 l Milch
Butter
Mehl
Gewürze (Salz, Zitronensaft, Muskat, Pfeffer)
Zubereitung:
Topinamburknollen waschen, bürsten und schälen.
In große Stücke schneiden.
Falls sie zu schnell braun werden, etwas Zitronensaft darüberträufeln.
Im Kochtopf Gemüsebrühe dazugeben und circa zehn Minuten kochen.
Aus Butter, Milch und der Gemüsebrühe eine helle Mehlschwitze zubereiten.
Mit Salz, Zitronensaft, Muskat und eventuell etwas Pfeffer abschmecken.
Man kann Topinambur auch wie Pellkartoffeln kochen und dann abpellen – aber die heißen unregelmäßigen Knollen lassen sich schwer pellen. Lisa Hetnschel empfiehlt daher, die Knollen vorher zu schälen.
Zu dieser Beilage passen Kartoffeln und Grünkernbratlinge, auch Fleischklopse oder Bratwurst.
Buchtipps:
Heidi Lorey
Gemüse für Garten & Küche wiederentdeckt
Landwirtschaftsverlag, 2005
ISBN 9783784333021
Preis: 16,95 Euro
Heidi Lorey stellt 50 ungewöhnliche Gemüsearten vor. Die Texte sind informativ und spannend zugleich, die Bilder lockern das Buch auf und machen Lust auf Topinambur, Pastinaken und Co.
Andrea Heistinger
Handbuch Samengärtnerei
Edition Löwenzahn, 2004
ISBN 9783706623520
Preis: 39,90 Euro
Ein übersichtlich aufgebautes, sehr informatives und reichhaltig illustriertes Buch, das sich alten und seltenen Gemüsesorten und -arten, deren Kulturgeschichte, Züchtung und Vermehrung widme
Yamswurzel – das sollten Sie wissen
http://www.athleticsfood.de/xtcommerce/content/Yamswurzel.html
Viele Frauen achten gerne darauf, ihren Körper nicht mit allzu starken oder vielen chemischen Substanzen, wie es zum Beispiel Medikamente oder Zusatzstoffe in der Nahrung sind, zu belasten und zu beschweren. Doch gerade bei Frauen wird wegen der größeren Schwankungen ihrer Hormon-Spiegel oft schnell ein Punkt erreicht, an dem man erkennt, man möchte lieber einen Ausgleich, ein Medikament, wenn das heutzutage doch schon erlaubt, dass man ganz einfach nicht leiden muss, wenn man nicht möchte, bevor man sich die seelischen und körperlichen Auswirkungen der hormonellen Umschwünge antut. Nach und nach wurde aber auch wieder bekannter und rückte in den Mittelpunkt verschiedenster Forschungen, was unsere Großmütter unseren Müttern schon sagten und weitergeben wollten. Die Volksheilkunde, die lange Zeit als minderwertig gegenüber der pharmazeutisch orientierten Medizin galt, erlebt einen Aufschwung, auf jeden Fall vielfach eine Bestätigung.
Und wir sind fasziniert, dass unsere Ahnen alleine durch Beobachtungsgabe so überraschend exakt feststellen konnten, welches Kraut denn gegen welches Leiden gewachsen war. Genau so präzise waren auch die überlieferten Anwendungsgebiete für den Extrakt der Yamswurzel.
Weltweit sind etwa 600 Arten der Yams- Pflanze bekannt, auf aller Welt wussten Menschen schon seit Hunderten von Jahren über die guten Auswirkungen ihrer Wurzeln auf den Hormonhaushalt bescheid.
Es scheint, als hätte der große technische und allgemeine Fortschritt der letzten beiden Jahrhunderte das alte Wissen gänzlich verworfen, es ist schade, dass wir erst wieder einen Trend und Unmengen an wissenschaftlichen Nachweisen benötigen, um glauben zu können, was früher selbstverständlich war. Nämlich das Pflanzen, so auch die Yamswurzel, starke Heilkräfte in sich tragen können. Und bei der Yamswurzel wurde der hormonähnliche Stoff Diosgenin nachgewiesen. Das Hormon, dem diese Substanz aus der Yamswurzel so stark ähnelt, ist das Progesteron. Dieses im weiblichen Körper selbst produzierte Hormon ist es, dass bei den Wechseljahren starke Schwankungen erleiden muss und so Probleme und Unwohlsein hervorruft. Das in der Yamswurzel enthaltene Diosgenin stellt eine Vorstufe dieses Hormons dar, das bedeutet, durch nur kleine Umwandlungen und wenige weitere Schritte, kann der Körper der Frau, die die Yamswurzel zu sich nimmt, Progesteron wieder selbst herstellen, was für ein ausgeglichenes Hormonspiel sorgen kann.
Die Yamswurzel kann auf diese Weise auch einen regelmäßigen Menstruationszyklus unterstützen und eine Reihe an hormonell bedingten Krankheiten und Störungen verhindern, wenn man sie regelmäßig einnimmt. Die Yamswurzel muss heute nicht mehr direkt verzehrt werden, empfehlenswert sind Supplements, meist erhält man Extrakte der Yamswurzel in Form von Kapseln. Diese weisen eine höhere Konzentration an Diosgenin auf, als eine ganze Wurzel beinhalten kann. Die Yamswurzel hat aber auch noch eine oft bestaunte und nahezu geheimnisvolle mögliche Wirkung, die gerade bei Frauen hoch geschätzt sein wird: Sie wirkt angeblich verjüngend …! Wem das wie ein Märchen vorkommt und wer am liebsten gleich ungläubig den Kopf schütteln möchte, dem kann nur noch dazu gesagt sein: Es wurde wissenschaftlich bestätigt! Dieser Effekt, der ebenso vor langer Zeit bekannt war und auch von Männern gerne genutzt wurde, beruht auf einer weiteren Funktion des in der Yamswurzel enthaltenen Diosgenin. Dieses stimuliert die Erzeugung eines weiteren Hormons, die Sprache ist von DHEA, wie man das Dehydroepiandrosteron kurz nennt. DHEA verzögert den Alterungsprozess auf allen Ebenen des Körpers. Die Yamswurzel ist also ein wahrer Schatz, der vielleicht unscheinbar aussehen mag, gerade für Frauen aber unwahrscheinlich wertvoll sein kann. Chemisch synthetisierte Medikamente müssen nicht sein, die Yamswurzel kann genauso den Hormonhaushalt in Ordnung bringen. Und im Gegensatz zu den Medikamenten liefert sie auch noch ganz andere, positive Eigenschaften, die der Nutzerin viele Vorteile bringen können.
Die Yamswurzel ist nämlich zudem noch ein sanftes, aber wirksames Mittel gegen Schmerzen, sogar gegen rheumatische Schmerzzustände.
Mit diesem schmerzlindernden und krampflösenden Einfluss wird die Yamswurzel nur noch einmal mehr zum optimalen Helfer bei Menstruationsbeschwerden, die nicht selten von Krämpfen, ziehenden und stechenden Schmerzen, aber auch von Rückenbeschwerden und Kopfweh begleitet werden.
Die Yamswurzel kann aber auch zu anderen Zwecken als zur Beeinflussung der weiblichen Hormon-Pegel genutzt werden. Arthritis ist eines der anderen großen Gebiete, in denen die Yamswurzel zum Einsatz kommen kann. Dass sie rheumatische Schmerzen lindern kann, ist der eine Grund, sie kann aber zudem auch noch Entzündungen hemmen, die die Arthritis stets verschlimmern würden. Andere Eigenschaften, die man der Yamswurzel zuschreibt, sind auch angenehme, so können Anwender eine antidepressive Wirkung verspüren. Für Frauen, die in die Wechseljahre eintreten oder sich schon darin befinden, wurde in der Yamswurzel endlich ein pflanzliches Supplement entdeckt, dass Osteoporose nicht nur vorbeugen kann, sondern sogar zu einer nachweislichen höheren Knochendichte führen kann. Die Yamswurzel wirkt zudem allem auch entwässernd, bei Blasenentzündungen kann sie sehr gute Dienste leisten, lässt sie ja immerhin auch die Entzündungen abklingen. Die Anwendungen der Yamswurzel sind vielfältig, ob als Aphrodisiakum, zur Steigerung der Fruchtbarkeit oder wiederum als Verhütungsmittel kann und wurde sie über Jahrhunderte hinweg genutzt, es kommt stets auf die Dosierung und den richtigen Zeitpunkt an, wie sie auf den weiblichen Körper wirkt. Indianerinnen wussten darum und konnten die Yamswurzel also anscheinend je nach Bedürfnis anwenden, sie spielte sicherlich lange Zeit als „pflanzliche Anti- Baby-Pille“ eine große Rolle für viele Frauen
Martens schließt erneute Erfassung von Handydaten nicht aus | MDR.DE
http://www.mdr.de/sachsen/erneute-datenabfrage-moeglich100.html
Sachsens Justizminister Jürgen Martens schließt auch während der im Februar 2012 in Dresden geplanten Neonaziaufmärsche und der Proteste dagegen erneute Handy-Überwachungen nicht aus. Der FDP-Politiker sagte in einen Interview mit der Nachrichtenagentur DAPD, Gewalttäter, die mit Molotowcocktails oder Steinen auf Menschen und Sachen werfen, bekämen “Probleme mit dem Staatsanwalt”. “Wer gewalttätig ist, muss damit rechnen, dass gegen ihn mit allen zulässigen Mitteln vorgegangen wird, also auch nötigenfalls seine Daten von den Ermittlungsbehörden abgefragt werden”, sagte der Justizminister.
Friedliche Demonstranten sollen sich “keine Gedanken machen”
Martens erklärte weiter, die sächsische Generalstaatsanwalt habe bereits angekündigt, dass eine massenhafte Daten-Abfrage wie in diesem Jahr “wohl nicht mehr in Betracht kommen wird”. Aus seiner Sicht müssten sich friedliche Demonstranten “keine Gedanken” machen. “So es geht, soll auf eine Funkzellenabfrage verzichtet werden. Wir wollen auf keinen Fall friedliche Demonstranten einschüchtern”, sagte Martens. Der Minister verteidigte erneut das bisherige Vorgehen der sächsischen Sicherheitsbehörden bei den Protesten gegen Rechtsextreme in Dresden. Zwar könne er verstehen, wenn Menschen ein “ungutes Gefühl bekommen” und sich fragen, ob ihre Handydaten auch erfasst wurden. Allerdings bestehe dabei oft “eine gewisse Unkenntnis”. Letztlich wären im Februar 2011 nur sogenannte Verkehrsdaten, also keine Namen und Anschlussinhaber abgefragt worden. “Es wurde kein Fischernetz über die Stadt gelegt, nach dem Motto: Erstmal alles einkreisen.” Nach Ansicht von Martens gibt es zu den Vorgängen “viele Fehlvorstellungen, die unbegründet sind”.
Tausende unbescholtene Bürger gerieten ins Visier der Polizei
Im Februar hatten in der sächsischen Landeshauptstadt rund 17.000 Menschen friedlich gegen die Aufmärsche von Rechtsextremen protestiert. Am Rande kam es aber zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Linksextremen, der Polizei und Neonazis. Rund 100 Polizisten wurden laut dem sächsischen Innenministerium dabei verletzt. Um die Gewalttäter zu ermitteln, sammelte die Polizei massenhaft Handydaten. Ins Visier gerieten dabei auch Tausende unbescholtene Bürger. Zuvor waren bereits am 13. und 18. Februar Handydaten erfasst worden. Die an allen drei Tagen gesammelten Datensätze summierten sich auf etwa eine Million.
700 Personen fordern Auskünfte zur Datenerfassung
Laut dem sächsischen Landeskriminalamt wurden im Zuge von Ermittlungen gegen mutmaßliche Randalierer bislang 54.800 Bestandsdaten ausgewertet – es sind also Telefonnummer und Anschlussinhaber festgestellt worden. Wie der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase, sagte, liegen inzwischen 700 Anträge von Personen vor, die wissen wollen, ob ihre Handydaten im Februar gesammelt und ausgewertet wurden. Alle Anfragen würden beantwortet, sicherte Haase zu. Der sächsische Datenschutzbeauftragte hatte die massenhafte Datenerhebung als unzulässig kritisiert.
Will Video Games Ever Become a Tool for Environmental Change? : TreeHugger
For the last few years, we have heard how video games could be the secret weapon that will get people interested in sustainability, from saving energy to conserving waterways to building urban areas. We’ve seen everything from Facebook games to Minecraft hacks to green versions of SimCity. Yet nothing has really taken off. Are video games ever going to be a tool for environmental awareness?
Cleantechnica notes, “[A] trend is growing among video game developers and players to use games to teach about the impacts of energy use on our cities and environment… While gaming can help individuals learn about energy use, researchers say the larger world of networked gaming enables players to work together on real-world energy solutions.”
Here is a great segment from energyNOW! correspondent Lee Patrick Sullivan that goes into detail about the role of video games in environmentalism.
Spanien muss sparen – erste Maßnahmen angekündigt – 1&1
http://home.1und1.de/themen/finanzen/euro-krise/548laoq-erste-massnahmen-in-spanien
Madrid (dpa) – Die neue spanische Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat erste Maßnahmen zur Reduzierung des hohen Haushaltsdefizits angekündigt. Spaniens Staatsangestellte müssen wegen der Wirtschaftskrise auch im kommenden Jahr auf der Stelle treten.
Die Gehälter der Staatsbediensteten werden 2012 nicht erhöht, wie die Regierungssprecherin und Vizepräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría bekanntgab. Die sozialistische Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero hatte die Löhne der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst 2010 um fünf Prozent gekürzt und für dieses Jahr eingefroren.
Das Einfrieren der Gehälter der Staatsangestellten ist Teil eines ersten Sparpakets, mit dem die konservative Regierung das Haushaltsdefizit in den ersten Monaten 2012 um 8,9 Milliarden Euro reduzieren will. Dazu sollten die Etats der einzelnen Ministerien gekürzt werden.
So viel verdient ein König
Spanische Royals legen erstmals ihre Einkommen offen. >
Nach Angaben der Regierungssprecherin wird sich das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 8,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) belaufen, zwei Prozentpunkte mehr als das von der Regierung Zapateros anvisierte Ziel. Deswegen seien zusätzliche Sparmaßnahmen unvermeidlich. Dazu gehört eine auf zwei Jahre beschränkte Anhebung der Einkommens-, Vermögens- und Grundsteuer. Die regierende Volkspartei (PP) hatte in ihrem Wahlprogramm versprochen, keine Steuern anzuheben.
Auch der Mindestlohn (641 Euro im Monat) wird im kommenden Jahr nicht erhöht. Dagegen werden die Renten um 1,0 Prozent angehoben. Rajoy hatte bereits vor seinem Amtsantritt am 21. Dezember angekündigt, dass er im Rahmen seiner drastischen Sparpläne nur die Rentner verschonen würde. Im öffentlichen Dienst werden außerdem alle Stellen eingefroren. Nur im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie im Sicherheitsbereich sollen künftig nur 10 Prozent der freien Stellen neu besetzt werden.
Die angekündigten Maßnahmen sind nur Teil der endgültigen Sparvorhaben für das kommende Jahr. Diese sollen zusammen mit dem Haushalt für 2012 beschlossen werden, den die Regierung bis Ende März vorlegen wolle. Bis dahin solle der Haushalt von 2011 fortgeschrieben werden. Der neue Regierungschef hatte für 2012 Einsparungen von insgesamt 16,5 Milliarden Euro angekündigt. Damit will Spanien seiner Verpflichtung gegenüber der EU nachkommen, die Neuverschuldung bis Ende 2012 auf 4,4 Prozent des BIP zu senken.
0,006 Prozent
http://www.tagesspiegel.de/meinung/0-006-prozent/6002196.html
Gegen die Vorratsdatenspeicherung spricht vor allem ihr geringer Nutzen.
Die Gegner der Vorratsdatenspeicherung sind allesamt paranoide Verschwörungstheoretiker. Wer in diesen Tagen die Debatte um das Thema verfolgt, könnte zu diesem Schluss kommen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte gestern sinngemäß, die Bürger sollten sich mal nicht so anstellen. Schließlich würden nur Rufnummern und Telefonzeiten gespeichert, das hätte die Post ja früher auch getan. Er meinte: Wer nur wegen ein paar gespeicherter Verbindungsdaten gleich den Überwachungsstaat an die Wand malt, hat wohl zu früh im Leben zu viel Orwell gelesen. Also ruhig Blut.
Nun gut, ruhig Blut. Auch nüchtern betrachtet lassen sich Argumente gegen die Vorratsdatenspeicherung finden, gegen das Speichern der Verbindungsdaten aller Deutschen ohne Anlass.
Das wichtigste Argument ist die Verhältnismäßigkeit. Auf diesen Grundsatz hat sich das Bundesverfassungsgericht berufen, als es 2010 über die Vorratsdatenspeicherung urteilte. Gegenüber stehen sich der Schaden des Eingriffs in das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis und das berechtigte Interesse des Staates, schwere Straftaten aufzuklären.
Der Eingriff, so das Bundesverfassungsgericht, ist „besonders schwer“, er habe „eine Streubreite, wie sie die Rechtsordnung bisher nicht kennt“. Herrmanns Aussage ist irreführend. Denn das was gespeichert wird, ist keineswegs vergleichbar mit dem, was die gute alte Post verwahrte. Bei Handygesprächen etwa wird auch die Funkzelle erfasst, in der sich der Betroffene (also wir alle) gerade befindet, die Daten ermöglichen also Bewegungsprofile. Zudem ist das Anlegen großer Datenmengen immer ein Risiko, das haben die Datenskandale der vergangenen Jahre gezeigt. Journalisten fürchten um den Quellenschutz.
Dagegen steht ein voraussichtlich begrenzter Nutzen. Eine Studie des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 2005 ergab, dass nur 381 Straftaten unaufgeklärt blieben, weil Ermittler nicht mehr auf bereits gelöschte Daten zugreifen konnten. Die Aufklärungsquote würde also lediglich um 0,006 Prozent verbessert. In anderen europäischen Ländern, die das Gesetz bereits eingeführt haben, sind keine oder nur geringe Effekte zu beobachten. Viele schwere Straftaten, die in diesem Jahr die Forderungen nach Vorratsdatenspeicherung laut werden ließen, hätten auch mithilfe dieser Daten nicht aufgeklärt werden können.
Das Bundesverfassungsgericht kam dennoch zu dem Urteil, dass das Speichern auf Vorrat in engen Grenzen zulässig und verhältnismäßig sein kann. Doch Politik muss nicht heißen, jeden rechtlichen Rahmen auszuschöpfen. Es geht nicht um die juristische, sondern auch eine politische Bewertung der Verhältnismäßigkeit. Und aus politischer Sicht kann man sehr wohl zu dem Schluss kommen, dass die Vorratsdatenspeicherung nicht nötig ist: weil der Nutzen gering, der Widerstand unter den Bürgern aber groß ist. Weil Techniken sich ständig weiterentwickeln und schon morgen die Frage im Raum stehen könnte, ob Zugriffe auf Clouddienste und soziale Netzwerke nicht auch noch, wie schon das Abrufen von E-Mails, gespeichert werden müssten. Und ja, vielleicht auch, weil man sich, selbst wenn man kein Verschwörungstheoretiker ist, Gedanken darüber machen sollte, in welcher Sorte Gesellschaft man leben möchte.
Food Democracy Now! +++ PETITION +++ DR HUBER’S WARNINGS
CLICK LINK TO SIGN PETITION
http://action.fooddemocracynow.org/sign/dr_hubers_warning/#petition
On January 17, internationally recognized plant pathologist Dr. Don Huber, wrote a letter to USDA Secretary Tom Vilsack warning of the discovery of a new pathogen and a possible link between Roundup Ready® (GMO) corn and soybeans and severe reproductive problems in livestock as well as widespread crop failure.
Less than 3 weeks later, the Obama administration approved 2 new Roundup Ready® GMO crops, set to be planted this spring… Read on about Dr. Huber’s discovery.
1. Roundup Ready® seeds are genetically engineered to be resistant to Monsanto’s top selling weed killer Roundup, which is made up of Glyphosate and a trademarked formula of component chemicals. In 2007, more than 185 million pounds of Glyphosate were sprayed on America’s soils and crops and that amount has only continued to rise as more weeds develop resistance to Glyphosate.
2. A growing body of scientific evidence has shown that the overuse of Roundup and Glyphosate has created severe micronutrient deficiencies in the soil and plants causing an epidemic of diseases, such as Goss’s Wilt on Roundup Ready® corn and Sudden Death Syndrome in Roundup Ready® soybeans.
3. Recently a team of top U.S. scientists discovered an organism associated with this rise in plant diseases in Roundup Ready® corn and soybeans which form the foundation for animal livestock feed in the U.S. The organism is observable only by an electron microscope, and was previously unknown to science.
4. This new organism, along with nutritional deficiencies in the Roundup Ready GMO corn and soybean feed, has been associated with a sharp rise in animal infertility including a 20% failure to conceive rate among cattle and hogs and up to a 45% rate of spontaneous abortions within cattle and dairy operations.
5. In response to the published and emerging science, Dr. Huber wrote a letter to Secretary Vilsack asking him to delay his decision to approve Roundup Ready® alfalfa expressing his grave concerns about the long-term implications of more Roundup Ready® crops on the market.
GM food toxins found in the blood of 93% of unborn babies
GM firms claimed toxins were destroyed in the gut
Toxins implanted into GM food crops to kill pests are reaching the bloodstreams of women and unborn babies, alarming research has revealed.
A landmark study found 93 per cent of blood samples taken from pregnant women and 80 per cent from umbilical cords tested positive for traces of the chemicals.
Millions of acres in North and South America are planted with GM corn containing the toxins, which is fed in vast quantities to farm livestock around the world – including Britain.
However, it is now clear the toxins designed to kill crop pests are reaching humans and babies in the womb – apparently through food.
It is not known what, if any, harm this causes but there is speculation it could lead to allergies, miscarriage, abnormalities or even cancer.
To date the industry has always argued that if these toxins were eaten by animals or humans they would be destroyed in the gut and pass out of the body, thus causing no harm.
Food safety authorities in Britain and Europe have accepted these assurances on the basis that GM crops are effectively no different to those produced using conventional methods.
But the latest study appears to blow a hole in these claims and has triggered calls for a ban on imports and a total overhaul of the safety regime for GM crops and food.
Most of the global research which has been used to demonstrate the safety of GM crops has been funded by the industry itself.
GM: Ninety-three per cent of samples from pregnant women and 80 per cent from umbilical cords tested positive for traces of toxins. Picture posed by model
The new study was carried out by independent doctors at the Department of Obstetrics and Gynaecology, at the University of Sherbrooke Hospital Centre in Quebec, Canada.
They took blood samples from 30 pregnant women and 39 other women who were not having a baby.
They were looking for residues of the pesticides associated with the cultivation of GM food.
These include so-called Bt toxins, which are implanted using GM techniques into corn and some other crops.
Traces of Bt toxin were found in the blood of 93 per cent of the pregnant mothers – 28 out of 30. It was also found in 80 per cent of the umbilical cords – 24 out of 30.
In the non-pregnant group, traces were found in the blood of 69 per cent – 27 out of 39. It is thought the toxin is getting into the human body as a result of eating meat, milk and eggs from farm livestock fed GM corn.
The Canadian team told the scientific journal Reproductive Toxicology: ‘This is the first study to highlight the presence of pesticides associated with genetically modified foods in maternal, foetal and non-pregnant women’s blood.’
They said the Bt toxin was ‘clearly detectable and appears to cross the placenta to the foetus’.
Calling for action, the team said: ‘Given the potential toxicity of these environmental pollutants and the fragility of the foetus, more studies are needed.’
The director of GM Freeze, an umbrella group for community, consumer and environmental organisations opposed to GM farming, described the research as ‘very significant’.
Pete Riley said: ‘This research is a major surprise as it shows that the Bt proteins have survived the human digestive system and passed into the blood supply – something that regulators said could not happen.
‘Regulators need to urgently reassess their opinions, and the EU should use the safeguard clauses in the regulations to prevent any further GM Bt crops being cultivated or imported for animal feed or food until the potential health implications have been fully evaluated.’
Biohazard: Millions of acres in North and South America are planted with GM corn containing the toxins, which is fed in vast quantities to farm livestock worldwide
The Agriculture Biotechnology Council, which speaks for the GM industry, questioned the reliability and value of the research.
Its chairman, Dr Julian Little, said: ‘The study is based on analysis that has been used in previous feeding studies and has been found to be unreliable.’
He said the toxins found are also used in other farming systems and gardening ‘with no harm to human health’.
Dr Little said: ‘Biotech crops are rigorously tested for safety prior to their use and over two trillion meals made with GM ingredients have been safely consumed around the world over the past 15 years without a single substantiated health issue.’
Grocery store CEOs: Refuse Monsanto’s GMO sweet corn!

Right now, Monsanto, the corporation responsible for producing roughly 90% of genetically modified seeds around the globe, is working to bring their new, GMO sweet corn to a grocery store aisle or farmer’s market near you.1
Unlike Monsanto’s other GMO crops — which are primarily fed to animals — this sweet corn is intended for direct human consumption.
This is the first time Monsanto has engineered a vegetable that could be served straight to your dinner table. It’s health impacts on humans are largely unknown – but if this unlabeled, and potentially dangerous products succeeds, Monsanto is sure to bring us even more.
As an activist and consumer, you are in a powerful position to pressure leading U.S. grocery stores to reject Monsanto’s new GMO corn.
Tell U.S. food companies: Americans don’t want Monsanto’s GMO sweet corn in our grocery stores!
Monsanto’s GMO sweet corn is engineered to tolerate the herbicide Roundup, and to produce the insect-killing toxin Bt.
These modifications have been shown to lead to some serious health problems in animals who eat them.
A study released by the International Journal of Biological Sciences found that Monsanto’s GMO corn led to organ failure in mammals.2 This GMO corn has also recently been linked to a new pathogen causing crop failure and a sharp spike in livestock infertility – as high as 20%. But despite the warnings of one of the nation’s leading plant pathologists that more study was needed to determine potential health impacts on humans, the USDA rapidly approved this corn for us to eat.3
Even worse, lobbyists for Monsanto and others in the chemical and agribusiness industry have successfully fought tooth and nail to keep GMO products totally unlabeled. So shockingly, consumers are being denied the right to know if they’re purchasing Monsanto’s new genetically modified sweet corn.
Tell U.S. grocery stores:
Americans don’t want Monsanto’s GMO sweet corn!
(Neither do Europeans 🙂 )
Some of Monsanto’s GMO corn is already in human food – used to make additives in processed food products – and even in small quantities it’s having scary effects.
This past spring a Canadian study found that the GMO toxin inserted in Bt corn was found in the bloodstreams of 93 percent of pregnant women4 – just from its presence in processed grains and highly processed food products.
This finding challenges the industry’s long-held claim that Bt poses no threat to humans because it breaks down quickly in the gut. Rather, Bt appears to persist in the body, and potential lasting impacts merit a great deal more study.
But instead of more study, grocery stores could be on the verge of delivering up GMO corn in much higher doses and without processing – and we wouldn’t even know what we were eating.
We must raise our voice as consumers and urge grocery stores to reject Monsanto’s potentially dangerous new product, and stop this dangerous trend of Monsanto-made, straight to table products.
*** CLICK LINK TO SIGN PETITION ***
http://act.credoaction.com/campaign/monsanto_sweet_corn/?rc=tw2
1 Monsanto Plans To Sell Sweet Corn In Your Local Supermarket August 8, 2011.
2 Monsanto’s GMO Corn Linked To Organ Failure, Study Reveals March 18, 2011.
3 Dr. Huber’s Warning: How GMOs Are Linked to Disease and Infertility May 4, 2011.
4 GM Food Toxins Found In The Blood of 93% of Unborn Babies May 20, 2011.
Grüne wollen keinen Untersuchungsausschuss zu Wulff
Berlin/Hannover — In der Affäre um den Privatkredit für Bundespräsident Christian Wulff will die Grünen-Landtagsfraktion in Niedersachsen vorerst keinen Untersuchungsausschuss fordern. “Im Januar-Plenum werden die vielen offenen Fragen als Anfrage an die Landesregierung gestellt”, sagte der Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel der “Bild”-Zeitung. Dann werde man weiter planen. Es würden aber weiterhin alle Möglichkeiten zur Aufklärung der Affäre geprüft.
Nach Informationen der “Berliner Zeitung” läuft Wulffs umstrittener Geldmarktkredit noch bis zum 15. Januar 2012. Wulffs Anwalt Gernot Lehr habe dies auf Anfrage bestätigt. Demnach machte die BW-Bank von sich aus Wulff das günstige Kreditangebot zur Finanzierung seines Privathauses. Wulff zahlte zuletzt 2,1 Prozent Zinsen. Nach Angaben des Anwalts gilt erst vom 16. Januar 2012 an ein höherer, fest vereinbarter Sollzinssatz für 15 Jahre. Der effektive Jahreszins betrage dann 3,62 Prozent.
Wulff hatte während seiner Zeit als Ministerpräsident Niedersachsens zur Ablösung des umstrittenen Privatkredits für sein Wohnhaus, den ihm die Unternehmergattin Edith Geerkens gewährt hatte, von der BW-Bank zunächst ein besonders zinsgünstiges, kurzfristiges Darlehen erhalten. In seiner Erklärung vom 15. Dezember teilte Wulff mit, dieses sei inzwischen in einen langfristigen Kredit zu normalen Konditionen umgewandelt worden. Gegen Verantwortliche der BW-Bank wurde inzwischen Anzeige wegen des Verdachts der Untreue erstattet.
Timoschenko wird verlegt
http://www.n-tv.de/politik/Timoschenko-wird-verlegt-article5102491.html
Trotz internationaler Bedenken über die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine wird die zu sieben Jahren Haft verurteilte ehemalige Regierungschefin Timoschenko in eine andere Haftanstalt verlegt. Im Rollstuhl sitzend wird die kranke 51-Jährige an einen Ort gebracht, der offiziell nicht genannt wird. Die Medien des Landes wissen dennoch Bescheid.
Die gegen internationale Proteste zu sieben Jahren Gefängnis verurteilte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ist in ihre endgültige Haftanstalt verlegt worden. Die erkrankte Oppositionsführerin sei in einen Rollstuhl gesetzt und aus dem Untersuchungsgefängnis abgeholt worden, meldete die Medien des Landes. Offizielle Angaben zum Verbleib Timoschenkos gab es zunächst nicht.
Medien berichteten, dass die Politikerin im Gebiet Charkow in der Frauenhaftanstalt Katschanowka ihre Strafe absitzen solle. Ein ukrainisches Berufungsgericht hatte in dem umstrittenen Verfahren vor einer Woche das Urteil wegen Amtsmissbrauchs bestätigt. Timoschenko soll beim Abschluss von Gasverträgen mit Russland ihrem Land finanziellen Schaden zugefügt haben.
Wegen der Prozesse gegen Timoschenko und andere ehemalige Regierungsmitglieder hat die EU die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Ex-Sowjetrepublik auf Eis gelegt. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hatte Vorwürfe zurückgewiesen, das Verfahren sei politisch gesteuert. Timoschenko wirft ihrem politischen Erzfeind vor, das Gerichtssystem zu manipulieren.
Timoschenko hofft nach Angaben ihrer Anwälte nun auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Straßburg.
Der hohe Preis von Billigbananen
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,806323,00.html
Eine neue Studie zeigt, wie brutal die Erntehelfer ausgebeutet werden – und erhebt schwere Vorwürfe gegen deutsche Supermarktketten.
Hamburg – Die Flugzeuge kommen ohne Vorwarnung. Sie versprühen eine Flüssigkeit, die “wie verrückt stinkt”, wie eine Plantagenarbeiterin erzählt. Man rieche sie aus 500 Metern Entfernung. Die Arbeiter auf den Bananenplantagen ziehen sich dann ihre Hemden über den Kopf und bedecken Nase und Mund. Schutzkleidung gegen die Chemikalien aus der Luft hat kaum jemand.
Die Schilderungen stammen von Plantagenarbeitern in Ecuador. Die Hilfsorganisation Oxfam hat die Arbeitsbedingungen der wichtigsten Produzenten des Landes untersuchen lassen.Der Bericht knöpft an die Oxfam-Studie “Endstation Ladentheke” von 2008 an. Die Entwicklungshelfer haben geprüft, ob sich die Arbeitsbedingungen in Ecuador verbessert haben und welche Rolle deutsche Supermarktketten übernehmen.
Das wichtigste Ergebnis: Immer noch gefährden Plantagenbesitzer die Gesundheit ihrer Arbeiter. “Obwohl das ecuadorianische Gesetz dies verbietet, werden gefährliche Pestizide von Flugzeugen aus auf die Felder gesprüht”, kritisiert die Autorin der Studie, Franziska Humbert. Meistens geschehe dies, während die Arbeiter auf den Plantagen seien. Eingesetzt werden laut Oxfam die Chemikalien Calixin, Bravo, Mancozeb und Tilt – alle vier sind in Deutschland als gesundheitsgefährdend eingestuft und stehen unter Verdacht, krebserzeugend zu sein. Calixin ist in der Europäischen Union sogar verboten.
Die Bezahlung der Erntehelfer nennt Humbert “untragbar und ausbeuterisch”. Der monatliche Nettolohn liege bei den befragten Arbeitern im Schnitt bei rund 237 Dollar, weniger als zehn Dollar pro Tag. Zu wenig, um eine Familie zu versorgen, sagt Humbert, und auf jeden Fall weniger als das staatlich definierte Existenzminimum für eine Familie. Diese sogenannte Überlebensgrenze beträgt in Ecuador 390 Dollar. 83 Prozent der befragten Plantagenarbeiter gaben an, dass ihr Familieneinkommen unter dieser Grenze liegt.
Oxfam hat für den Bericht das ecuadorianische Institut SIPAE beauftragt, eine unabhängige Einrichtung, die regelmäßig Gesetzesverstöße in der Agrarwirtschaft des Landes aufdeckt. Die Forscher sprachen mit mehr als hundert Arbeitern auf Plantagen der wichtigsten drei Produzenten sowie deren Zulieferbetrieben.
Auch die Exporteure selbst kommen in der Studie zu Wort. Und diese schieben die Schuld an den Bedingungen für die Arbeiter den Handelspartnern zu – unter anderem den deutschen Supermarktketten Aldi, Edeka, Rewe, Lidl und Real.
“Verkauf mir Bananen zum Aldi-Preis”
“Das Einkaufsvolumen der Ketten ist inzwischen so groß geworden, dass sie den Preis bestimmen können”, sagt ein Exporteur. Die Mehrheit der deutschen Importeure sage ihm: “Verkauf mir Bananen zum Aldi-Preis minus oder plus ein Prozent.” Aldi mache den Preis, “er unterliegt nicht den Gesetzen des Marktes”.
Ein Vertreter des Verbandes kleiner Bananenproduzenten sagt in dem Oxfam-Bericht: “Die Macht in Deutschland haben die Supermärkte, die immer das Billigste kaufen wollen, wie Aldi und Lidl, zu Preisen, die so niedrig sind, dass kleine Produzenten nicht mithalten können.” Die Ketten würden morgens per Fax sehen, welches Angebot das niedrigste sei, und das nähmen sie dann. “Sie kümmern sich um nichts anderes.”
SPIEGEL ONLINE hat alle Unternehmen mit den Vorwürfen konfrontiert. Die Antworten sind ausweichend, der Discounter Aldi Nord zum Beispiel teilt mit, ihm liege die Studie noch nicht vor. “Grundsätzlich setzen wir beim Bananeneinkauf auf faire Einkaufspraktiken, in denen der finale Einkaufspreis ausschließlich durch unsere Verhandlungen festgelegt wird.” “Boni oder sonstige Vergünstigungen” erhalte man dabei nicht. Grundlage für die Verhandlungen sei der von der ecuadorianischen Regierung definierte “Mindestpreis in Höhe von 5,50 Dollar pro 18,14 Kilo Frucht”. Das heißt: Die Verhandlungen beginnen bei einem Preis von rund 0,20 Euro pro Kilo.
Insgesamt fordere Aldi seine Geschäftspartner auf, “sich an unserem Leitbild einer sozial und ökologisch verantwortungsvollen Unternehmensführung zu orientieren”. Oxfam kritisiert allerdings, zwischen solchen Allgemeinplätzen und der Wirklichkeit klaffe eine große Lücke. Wenn sich wirklich etwas an den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ändern solle, müssten die Supermarktketten “ihre Einkaufspraktiken gegenüber Lieferanten und Importeuren ändern und diesen angemessene Preise zahlen”.
Außerdem müssten sie echte soziale Verpflichtungen eingehen und Gewerkschaften sowie Nichtregierungsorganisationen einbinden. Bislang seien Unternehmen in diesen Initiativen meist unter sich – was zur Folge habe, dass sich an den katastrophalen Zuständen kaum etwas ändere.
Gewalt gegen Journalisten nimmt zu – News – gulli.com
http://www.gulli.com/news/17765-gewalt-gegen-journalisten-nimmt-zu-2011-12-23
Reporter ohne Grenzen (Logo)
Die Organisation “Reporter ohne Grenzen” zieht Bilanz: Im Jahr 2011 wurden 66 Journalisten getötet. Das sind neun mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl von gewaltsamen Übergriffen auf Pressemitarbeiter stieg an. Ein Faktor für diesen Anstieg ist der Arabische Frühling.
“2011 war in vielen Ländern ein Jahr der Demonstrationen und Kämpfe für Freiheit und Demokratie”, erklärte der Sprecher von Reporter ohne Grenzen den Anstieg der Gewalt gegen Medienmitarbeiter. “Die meisten Machthaber antworteten mit systematischer Gewalt. Nicht nur die Proteste sollten im Keim erstickt, sondern auch Berichte darüber unterdrückt werden”. Es gibt aber einen Unterschied zwischen den Opfern dieser Gewalt, stellt die Organisation in ihrem Bericht fest. Größtenteils von der Gewalt betroffen sind einheimische Journalisten.
Auch zwischen den einzelnen Ländern gibt es starke Gefälle, sowohl was Tötungen, als auch was Inhaftierungen betrifft. Als das gefährlichste Land für Journalisten und andere Medienmitarbeiter gilt Pakistan, gefolgt vom Irak. Zehn Todesfälle gab es 2011 in Pakistan, immerhin sieben im Irak.
Der größte Anstieg von Repressionen gegenüber Journalisten betrifft allerdings die Festnahmen: 1.044 Journalisten wurden seit dem vergangenen Januar weltweit festgenommen. Im voherigen Jahr gab es 535 Verhaftungen, die Zahl hat sich also beinahe verdoppelt.
Während des Arabischen Frühlings war die Gewalt gegenüber Journalisten ebenfalls allgegenwärtig: Die Newsweek veröffentlichte in ihrer Sonderausgabe “Pictures of the Year” einen Nachruf auf diverse Fotojournalisten, die während ihrer Arbeit unter anderem in Libyen getötet wurde. Dazu gehören unter anderem Tim Hetherington und Chris Hondros, zwei Fotojournalisten, die in Misrata von Mörserfeuer getroffen wurden.
Doch nicht nur Berufsjournalisten sind von den Repressionen betroffen; auch Blogger und Internetaktivisten wurden in diesem Jahr häufiger verhaftet, mindestens fünf von ihnen wurden dieses Jahr getötet.
Was meinen unsere Leser? Ist es eine noch so gute Geschichte wert, sein Leben aufs Spiel zu setzen? Wie schätzt Ihr die Gefahr ein? Wärt Ihr dazu bereit, dieses Risiko auf Euch zu nehmen?
«Nackt-Bloggerin» startet Anti-Kopftuch-Aktion | STERN.DE
http://www.stern.de/panorama/nackt-bloggerin-startet-anti-kopftuch-aktion-1766948.html
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airo (dpa) – Die in Ägypten als «Nackt-Bloggerin» bekannt gewordene Alia al-Mahdi sorgt mit einer neuen Aktion gegen Kopftücher für Aufsehen. In ihrem Blog «Tagebuch einer Rebellin» rief sie Frauen auf, ihr Fotos mit und ohne Kopftuch zu schicken. Dann sollten sie dazu erklären, warum sie sich für die Verschleierung entschieden haben und warum sie das Tuch nun wieder ablegen wollen. Sie werde dann alles zusammen in ihrem Blog veröffentlichen. Al-Mahdi hatte im November mit Nacktfotos im Internet eine heftige Kontroverse in Ägypten ausgelöst.
AnonOps Communications: #Anonymous target US security think tank “Thank you! Defense Intelligence Agency”
http://anonops.blogspot.com/2011/12/anonymous-target-us-security-think-tank.html
The loose-knit hacking movement “Anonymous” claimed Sunday to have stolen thousands of credit card numbers and other personal information belonging to clients of U.S.-based security think tank Stratfor. One hacker said the goal was to pilfer funds from individuals’ accounts to give away as Christmas donations, and some victims confirmed unauthorized transactions linked to their credit cards.
Anonymous boasted of stealing Stratfor’s confidential client list, which includes entities ranging from Apple Inc. to the U.S. Air Force to the Miami Police Department, and mining it for more than 4,000 credit card numbers, passwords and home addresses.
“Not so private and secret anymore?” Anonymous taunted in a message on Twitter, promising that the attack on Stratfor was just the beginning of a Christmas-inspired assault on a long list of targets.
Anonymous said the client list it had already posted was a small slice of the 200 gigabytes worth of plunder it stole from Stratfor and promised more leaks. It said it was able to get the credit card details in part because Stratfor didn’t bother encrypting them — an easy-to-avoid blunder which, if true, would be a major embarrassment for any security-related company.
Fred Burton, Stratfor’s vice president of intelligence, said the company had reported the intrusion to law enforcement and was working with them on the investigation.
Stratfor has protections in place meant to prevent such attacks, he said.
“But I think the hackers live in this kind of world where once they fixate on you or try to attack you it’s extraordinarily difficult to defend against,” Burton said.
Hours after publishing what it claimed was Stratfor’s client list, Anonymous tweeted a link to encrypted files online with names, phone numbers, emails, addresses and credit card account details.
“Not as many as you expected? Worry not, fellow pirates and robin hoods. These are just the ‘A’s,” read a message posted online that encouraged readers to download a file of the hacked information.
The attack is “just another in a massive string of breaches we’ve seen this year and in years past,” said Josh Shaul, chief technology officer of Application Security Inc., a New York-based provider of database security software.
Still, companies that shared secret information with Stratfor in order to obtain threat assessments might worry that the information is among the 200 gigabytes of data that Anonymous claims to have stolen, he said.
“If an attacker is walking away with that much email, there might be some very juicy bits of information that they have,” Shaul said.
Lt. Col. John Dorrian, public affairs officer for the Air Force, said that “for obvious reasons” the Air Force doesn’t discuss specific vulnerabilities, threats or responses to them.
“The Air Force will continue to monitor the situation and, as always, take appropriate action as necessary to protect Air Force networks and information,” he said in an email.
Miami Police Department spokesman Sgt. Freddie Cruz Jr. said that he could not confirm that the agency was a client of Stratfor, and he said he had not received any information about a security breach involving the police department.
Anonymous also linked to images online that it suggested were receipts for charitable donations made by the group manipulating the credit card data it stole.
“Thank you! Defense Intelligence Agency,” read the text above one image that appeared to show a transaction summary indicating that an agency employee’s information was used to donate $250 to a nonprofit.
One receipt — to the American Red Cross — had Allen Barr’s name on it.
Barr, of Austin, Texas, recently retired from the Texas Department of Banking and said he discovered last Friday that a total of $700 had been spent from his account. Barr, who has spent more than a decade dealing with cybercrime at banks, said five transactions were made in total.
“It was all charities, the Red Cross, CARE, Save the Children. So when the credit card company called my wife she wasn’t sure whether I was just donating,” said Barr, who wasn’t aware until a reporter with the AP called that his information had been compromised when Stratfor’s computers were hacked.
“It made me feel terrible. It made my wife feel terrible. We had to close the account.”
Wishing everyone a “Merry LulzXMas” — a nod to its spinoff hacking group Lulz Security — Anonymous also posted a link on Twitter to a site containing the email, phone number and credit number of a U.S. Homeland Security employee.
The employee, Cody Sultenfuss, said he had no warning before his details were posted.
“They took money I did not have,” he told The Associated Press in a series of emails, which did not specify the amount taken. “I think ‘Why me?’ I am not rich.”
But the breach doesn’t necessarily pose a risk to owners of the credit cards. A card user who suspects fraudulent activity on his or her card can contact the credit card company to dispute the charge.
Stratfor said in an email to members, signed by Stratfor Chief Executive George Friedman and passed on to AP by subscribers, that it had hired a “leading identity theft protection and monitoring service” on behalf of the Stratfor members affected by the attack. The company said it will send another email on services for affected members by Wednesday.
Stratfor acknowledged that an “unauthorized party” had revealed personal information and credit card data of some of its members.
The company had sent another email to subscribers earlier in the day saying it had suspended its servers and email after learning that its website had been hacked.
One member of the hacking group, who uses the handle AnonymousAbu on Twitter, claimed that more than 90,000 credit cards from law enforcement, the intelligence community and journalists — “corporate/exec accounts of people like Fox” News — had been hacked and used to “steal a million dollars” and make donations.
Cities that broke up Occupy camps now face lawsuits over free speech, use of force – The Washington Post
Most major Occupy encampments have been dispersed, but they live on in a flurry of lawsuits in which protesters are asserting their constitutional rights to free speech and assembly and challenging authorities’ mass arrests and use of force to break up tent cities.
Lawyers representing protesters have filed lawsuits — or are planning them — in state and federal courts from coast to coast, challenging eviction orders and what they call heavy-handed police tactics and the banning of demonstrators from public properties.
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Comments
Weigh In
Corrections?
Some say the fundamental right of protest has been criminalized in places, with protesters facing arrest and charges while doing nothing more than exercising protected rights to demonstrate.
“When I think about the tents as an expression of the First Amendment here, I compare it to Tahrir Square in Egypt,” said Carol Sobel, co-chairwoman of the National Lawyers Guild’s Mass Defense Committee.
“Our government is outraged when military forces and those governments come down on the demonstrators. But they won’t extend the same rights in this country,” she said. “They praise that as a fight for democracy, the values we treasure. It comes here and these people are riffraff.”
A handful of protesters began camping out in September in a lower Manhattan plaza, demanding an end to corporate excess and income inequality, and were soon joined by scores of others who set up tents and remained around the clock. Similar camps sprang up in dozens of cities nationwide and around the world, but patience wore thin, and many camps — including the flagship at Zuccotti Park and in Atlanta, Boston, Chicago, Denver, Los Angeles, Oakland, Philadelphia and Portland, Ore. — were forcibly cleared.
Public officials and police unions have generally defended moves to break up the camps, citing health and safety concerns. They also said that responding to problems at Occupy encampments was draining crime-fighting resources.
Protester lawsuits are now beginning to wend their way through the legal system, and attorneys say more are likely on the way.
The National Lawyers Guild and the American Civil Liberties Union of Northern California sued the Oakland Police Department in federal court in November, saying police and other agencies violated demonstrators’ Fourth Amendment rights by using excessive force — including “flash-bang” grenades — against demonstrators who posed no safety threat. The suit says officials also violated their First Amendment rights to assemble and demonstrate.
Oakland Mayor Jean Quan on Wednesday announced an independent investigation into the police response.
In Austin, Texas, this week, a federal judge has been hearing the case of two Occupy protesters who were arrested and later barred from City Hall under a policy their attorneys call overly broad and say amounts to a ban on speech. The Texas Civil Rights Project says around 106 people have been banned since the protests began, in some cases for up to a year. The policy says a criminal trespass notice may be issued for “unreasonably disruptive” conduct.
Generalstreik in Belgien | Telepolis
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36135/1.html
Ralf Streck 23.12.2011
Mit der neuen Regierung zogen auch im Land der Flamen und Wallonen die Sparprogramme ein
Das waren noch Zeiten, als das Land mit dem merkwürdigsten Weltrekord fast eineinhalb Jahre keine Regierung hatte. Denn in der Zeit konnte die Übergangsregierung keine Sparpläne beschließen. Die Konjunktur lief derweil recht gut und die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal sogar um fast ein Prozent. Damit ging die Arbeitslosigkeit im Unterschied zu anderen Ländern, die wie Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien in die Rezession gespart werden, ständig zurück. Seit einem Jahr sinkt die Quote und lag im Oktober nur noch bei 6,6% und damit deutlich unter dem Durchschnitt und der Quote in Deutschland (8,5%). Von Rekordquoten in Spanien von fast 23%, in Griechenland (18,3%), Irland (14,3%) oder Portugal (12.9%) soll erst gar nicht gesprochen werden.
540 Tagen nach den Wahlen (Open Source und Separatismus) hat Belgien also endlich eine richtige, reguläre Regierung bekommen und schon geht es mit Generalstreik los, weil Regierungen in dieser Zeit offenbar nichts Besseres einfällt, als Sparprogramme zu beschließen. So haben die Gewerkschaften das Land heute weitgehend lahmgelegt. Vor allem im Transportsektor ging nicht mehr viel im Land. Neben den Angestellten der Bahn fuhren auch nur wenige Busse sowie Straßen- und U-Bahnen. Doch auch die Gefängniswärter und die Feuerwehr streikten und die Post blieb liegen. Auch in Schulen, Krankenhäusern und sogar in den Justizbehörden haben viele Beschäftigten ihre Arbeit niedergelegt. Es haben viele Leute gestreikt, die sich bisher nie an einem Ausstand beteiligt haben. Vor allem die Eile und die Form, wie die Reformen durchgepeitscht werden sollen, treiben viele Menschen auf die Barrikaden.
Der Streik könnte sich sogar lange hinziehen. Luc Cortebeeck, Chef der christlichen Transportgewerkschaft CSC, hat gewarnt, dass keine Züge mehr vor Neujahr fahren, wenn die Regierung unter dem Wallonen Elio di Rupo die Lage nicht klärt. Di Rupo, Wallone italienischer Abstammung, ist der erste frankophone Regierungschef Belgiens seit 1974. Wie der spanische Sozialist Zapatero schon dazu getrieben wurde, die Rente mit 67 einzuführen, soll Ähnliches wohl auch in Belgien geschehen. Dort gehen derzeit die Beschäftigten im Durchschnitt mit 59 wie in Frankreich in den Ruhestand. Dem konservativen Sarkozy war es gegen einen harten Generalstreik nur gelungen, das freiwillige Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre anzuheben (Sozialer Aufruhr in Frankreich). Anzeige
Die Sparmaßnahmen im Haushaltsentwurf sehen in Belgien für das kommende Jahr vor, dass Renten gekürzt, Privilegien gestrichen und das Rentenalter von 60 auf 62 Jahre erhöht werden soll. Vor allem die Bahnangestellten im zerfallenden Staat fürchten um den vorzeitigen Ruhestand, den sie in besonderen Berufen teilweise schon mit 55 Jahren antreten konnten. Verhandlungen mit der Regierung brachten am Nachmittag keine Klärung.
Die Regierung sei zum Machtkampf entschlossen, sagte Erwin de Deyn, der Präsident der Angestelltengewerkschaft BBTK/SETCa. Doch auch die Angestellten seien dazu bereit. “Wir werden mit weiteren Aktionen sicher nicht bis zum nächsten Generalstreik vom 30. Januar warten”, kündigte er neue Kampfmaßnahmen an. Der Premier meint dagegen, die Gewerkschaften würden den Ernst der Lage nicht erkennen. Di Rupo verteidigte die Rentenreform im Parlament. Sie sei die adäquate Antwort auf die älter werdende Bevölkerung und unabdingbar für die Gesundung der öffentlichen Finanzen und die Zukunft des Sozialsystems.
Letztlich meint er damit aber, dass auch er nun die Ratingagenturen befriedigen will. Schon die Bildung seiner Regierung wurde mit der Herabstufung der Bonitätsnote Belgiens durch Standard & Poor’s und Moody’s befördert. Dass sich die Ratingagenturen aber nicht befriedigen lassen, hat sich nun in den letzten Jahren an den Beispielen, Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien deutlich gezeigt, welche die geforderten Sparmaßnahmen durchgezogen haben. Danach wurden sie teilweise schon auf Ramsch-Niveau abgestuft, weil sie ihre Länder damit tief in die Rezession gespart haben, womit nun neue Abstufungen gerechtfertigt. Den Generalstreik wollte Di Rupo nicht kommentieren. Er sagte aber: “Der Streik erleichtert den Dialog nicht.”
Der Wahlsieger, die flämische Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA), wird sich wohl insgeheim schon ins Fäustchen lachen, wie schnell die Regierung aus insgesamt sechs sehr ungleichen Parteien in schweres Fahrwasser kommt. Es ist eine äußerst fragile Regierung, denn vor allem Wallonen und die flämischen Christdemokraten (CD&V) des Wahlverlierer Yves Leterne nehmen daran teil. Die Spannweite der politischen Vorstellungen ist sehr groß, weshalb heftige Spannungen vorhersehbar sind.
Die N-VA von Bart de Wever ist schon in den letzten Jahren ihrem Ziel deutlich näher gekommen, denn sie will Belgien als Land ganz demokratisch “verdampfen lassen”. Viele Flamen nervt, dass sie die Wallonie subventionieren sollen. Wenn sie jetzt auch noch dafür heftig sparen sollen, wird ihnen das noch weniger gefallen. Sie fordern seit vielen Jahren, dass der französischsprachige Teil von dem Geld leben sollte, das er erwirtschaftet. Man müsste sich nicht wundern, wenn die gerade am 6. Dezember vereidigte Regierung schon sehr bald am Machtkampf mit der Bevölkerung zerbricht. Dass sie gebetsmühlenartig beschwört, einig zu sein, ist schon jetzt der beste Hinweis auf massive Widersprüche in der Koalition.





















