Feministin schlägt Neger – der politisch semikorrekte Spielspaß fürs Fest »Spiegelfechter

geschrieben am 16. Dezember 2010 von Spiegelfechter

Alle Jahre wieder steht das Weihnachtsfest vor der Tür und mit ihm naht der Geschenketerror der Vorweihnachtszeit. Beschenkt werden ist ja meistens schön, aber die Frage, was man denn nun den besten Freunden oder der buckligen Verwandtschaft schenken soll, kann selbst dem phlegmatischsten Mitmenschen den Schlaf rauben. Immer nur Parfum, schlaue Bücher (die eh nicht gelesen werden) oder gar textile Grausamkeiten (immer mit Kassenbon!) sind auf die Dauer auch keine echte Lösung. Wer Freunde und Verwandte hat, die genauso seltsam ticken wie man selbst oder aber ganz bestimmte Kandidaten einmal mächtig ärgern will, sollte jetzt weiterlesen – alle anderen können getrost weitersurfen.

Wer kennt sie nicht, die Quartette unserer Kindertage? Was war das für ein Spaß, wenn man mit seinen Freunden automobile Schönheiten in den Kategorien Zylinder, PS, Höchstgeschwindigkeit, maximale Drehzahl oder Beschleunigung gegeneinander ausspielen konnte. Doch die unbedarften Zeiten der Kindheit gingen schnell vorbei. Irgendwann zogen die Grünen in den Bundestag ein und die Auto-Quartette waren irgendwie politisch unkorrekt. Daran konnte die Aufnahme der Kategorie Verbrauch auch nichts ändern – warum ein VW Polo nur aufgrund des Verbrauchs einen Porsche schlagen sollte, wollte nicht so recht in den Kindskopf. Da hätte man auch das gute alte, politisch unkorrekte, Cowboy- und Indianer-Spiel durch pädagogisch erbaulichere Tätigkeiten ersetzen können. Spielen Kinder eigentlich heute noch Cowboy und Indianer? Oder üben Klein-Kevin und Klein-Mandy lieber Mediationsverfahren zur gewaltfreien Konfliktprävention? Ich weiß es nicht, will es aber eigentlich auch gar nicht wissen.

Wem das gute alte Quartett noch bekannt ist, und wer sich gleichzeitig mit der ideologisch verhärmten politischen Korrektheit unserer Tage nicht wirklich anfreunden kann, dem sei das “Minderheiten Quartett” anempfohlen. Hier kämpfen nicht Polo gegen Porsche, sondern Muslim gegen Nazi, Schwuler gegen Pädophiler, oder Leistungsträger gegen Hartz-IV-Empfänger. Die Kategorien sind Bevölkerungsanteil, Bildungsniveau, Wohlstand, Homogenität, gesellschaftliche Akzeptanz und Schamgefühl. Zusätzlich haben die meisten Minderheiten einen Trumpf, den sie gegen spezielle andere Minderheiten ausspielen können: So fallen Rentner beispielsweise Studenten und Kindern zur Last, Rollstuhlfahrer behindern Leistungsträger im Verkehr, und Feministen wissen alles besser als Muslime. Fast wie im wahren Leben.

Um dem launigen “politisch semikorrekten Spielspaß für die ganze Familie” (Eigenbeschreibung) einen zusätzlichen Pfiff zu geben, haben sich die Macher AGB-Karten ausgedacht, die im Kampf der Minderheiten um die Wertegemeinschaft (der Gewinnstapel) ausgespielt werden können. So kann ein Spieler beispielsweise die Aktionskarte “Wahlversprechen” ausspielen, um dem Gegner eine Minderheit abspenstig zu machen und sie in die eigene Wertegemeinschaft einzugliedern. Da die größte Wertegemeinschaft immer Recht hat, hat am Ende der Spieler gewonnen, der die meisten Minderheiten in seiner Wertegemeinschaft hat – wer alle Minderheiten einer bestimmten Gruppe (Religionen, Ethnien, Radikale, Sexualität, Behinderte und Demographie) hinter sich vereinen kann, bekommt Bonuspunkte.

Wer die anfangs recht sperrigen Spielregeln nicht auf Anhieb versteht, dem wird mit einer humorvollen Spielanleitung geholfen, in der Thilo Sarrazin, Renate Künast, Ranga Yogeshwar und “Beckmann” gegeneinander spielen:

Runde 2, Thilo ist an der Reihe: „Eigentlich möchte ich hier niemanden provozieren. Also verstehen Sie äh.. es bitte als Satire, wenn ich jetzt Sie herausfordere, Frau Künast!“ „Ich werde es versuchen. Hahahahö-grunz“, sagt sie und lacht dabei etwas zu laut.
Thilo Sarrazin spielt die Juden-Karte in der Kategorie Wohlstand aus. Renate Künast spielt die Nazis in der Kategorie Homogenität. Rangar Yogeshwar meldet sich, „Beckmann“ nimmt ihn dran: „Lasst mich die Sterne zusammen zählen, schließlich kenne ich mich voll mit Wissenschaft aus und so. Mal sehen: Die Juden 5 + 4, grübel… und die Nazis zähl … 9 : 5,5. Thilo gewinnt.“
„Prima.“, gerade will Thilo nach den Karten greifen, da fährt es aus der Künast nur so heraus, dass die Funken sprühen: „MOMENT MAL! Nicht so schnell, Freundchen. Juden sind vielleicht besser als Nazis, aber meine Karte ist Trumpf. Da steht nämlich drauf: Nazis schlagen Juden und Neger, also gewinne ich! In your face Sarrazin, in your face!!“
Künast freut sich diebisch ob ihrer Schläue und grapscht nun ihrerseits gierig nach den Karten. Doch Thilo wäre nicht der Sarrazin, hätte er nicht noch ein Ass im Ärmel, in diesem Fall eine Aktionskarte. „Ich spiele die Karte: Die Bundesregierung greift ein.“, sagt er und lässt sie lässig auf den Tisch gleiten.
Renate explodiert: „Das kann ja wohl jetzt nicht Ihr `ERNST sein!?! Wie wollen Sie sich denn da schon wieder raus reden?! Passen Sie bloß auf, was Sie sagen!“
„Nun ja, es ist doch so: Die Juden zu kritisieren, meinetwegen für – sagen wir mal den Siedlungsbau, ähm… Dann kann man das hier in Deutschland ja nicht tun, ohne Gefahr zu laufen, als Nazi verdächtigt zu werden. Denn dann kommen immer sofort solche, auf dem linken Auge blinden Reflexe, die einem aus sozial-romantischen Gründen den Mund verbieten, damit man nicht den imaginären Multi-Kulti-Frieden stört. Und ein ‚Gedankenverbrecher‘ geschimpft zu werden, wäre schließlich nicht so ‚doppel plus gut‘ für die Karriere, nicht wahr Frau Künast?“ Renate Künast ihr Gesicht schlägt fehl. Der hat gesessen und sie endlich ruhig gestellt. Zwei Punkte für Thilo: Er darf die Minderheiten in seine Wertegemeinschaft assimilieren…
Quelle: Spielanleitung

Das “Minderheiten Quartett” ist nur etwas für Menschen mit Humor, die es auch verstehen, die Welt nicht nur verkniffen und bierernst zu sehen. Dass Humor auch eine Minderheiteneigenschaft ist, darf als gesichert gelten. Umso amüsanter erscheint da die Rezeption des “Minderheiten Quartett” durch die Minderheiten selbst. Das Schwulenmagazin “Queer.de” fand das Spiel überhaupt nicht lustig. Dem Autor gefällt es zwischen den Zeilen überhaupt nicht, dass Schwule als Minderheit gesehen werden und dann auch noch mit anderen Minderheiten wie den Nazis oder den Muslimen in einen Topf geworfen werden. Dabei sind Schwule doch eigentlich gar nicht für ihre Humorlosigkeit bekannt – so kann man sich täuschen. Eine weitere Minderheit, die das Spiel nicht verstanden hat, sind die Nazis. Auf dem Nazi-Portal Altermedia wurde das Spiel (ohne einen einzigen Buchstaben Text) als “Spieltip für lange Winterabende” empfohlen. Das fanden die kommentierenden Nazis natürlich gar nicht lustig. Ein Kommentar – stellvertretend für viele – fasst die Empörung zusammen:

Ganz klar ein absolut jüdisches Spiel! Von Juden für Juden gemacht. Schaut euch doch mal die Eigenschaften der Karten an – wer die Spielregeln kennt weiss, dass die Judenkarte fast immer gewinnt!
Mal abgesehen davon: Welcher halbwegs gebildete Mensch denkt, dass Neger und Muslime intelligenter als “Nazis” sind?

Was “halbwegs gebildete” Menschen denken, weiß ich auch nicht. Gebildete Menschen wissen jedoch, dass Nazis dumm wie Bohnenstroh sind – was durch die Kommentare bei Altermedia wieder einmal eindrücklich bewiesen wurde.

Was darf Satire? Alles! Das “Minderheiten Quartett” ist Satire vom Feinsten und bekommt daher auch eine uneingeschränkte Empfehlung vom SPIEGELFECHTER. Wer das Spiel für sich selbst oder als Geschenk bestellen will, kann dies auf den Internetseiten von “Zeitschrift – das Magazin” tun. Das Minderheiten-Quartett kostet zehn Euro.

Jens Berger

P.s.: Nein, ich habe kein Geld für diesen Artikel bekommen, das Spiel gefällt mir wirklich.

P.p.s.: Da in der Weihnachtszeit das Portemonnaie ja bekanntlich besonders locker sitzt, möchte ich natürlich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass der Spiegelfechter sich größtenteils über Spenden finanziert. Wer den Spiegelfechter in diesen vorweihnachtlichen Zeiten des Schneechaos unterstützten will, der kann das über eine Spende via Paypal, Flattr oder eine klassische Spende (Mail mit dem Betreff „Kontonummer her!“) gerne tun.

via Feministin schlägt Neger – der politisch semikorrekte Spielspaß fürs Fest » Spiegelfechter.

No comments yet»

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: