Archive for July 13, 2012
July 13, 2012 at 3:41 pm · Filed under Uncategorized and tagged: Axel-Springer-, Netzpolitik
Gestern berichtete Linus über eine Antwort-Mail des Axel-Springer-Verlages auf das Auskunftsersuchen zahlreicher Leser, wo uns u.a. der Aufruf zu “E-Mail-Bombing” und Computersabotage vorgeworfen wurde. Da in dem Schreiben suggeriert wurde, das sei mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten abgestimmt worden und außerdem die Einsendung einer Kopie des eigenen Personalausweises verlangt wurde, haben wir dem Berliner Datenschutzbeauftragten drei Fragen mit der Bitte zur Beantwortung geschickt. Eben kam die Antwort an, die viele Fragen beantwortet. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Behörde das “nunmehr vorliegende Schreiben der Axel-Springer AG deshalb zum Anlass nehmen” will, “den Vorgang aufsichtsrechtlich zu überprüfen”. Auf das Ergebnis sind wir gespannt.
1. Hat sich der Axel-Springer-Verlag mit Ihrer Behörde abgestimmt, wie die Antwort-Mail von ASV suggeriert?
Die Axel-Springer AG hat sich mit Schreiben vom 28. Juni 2012 an uns gewandt und gefragt, wie sie mit der großen Anzahl von Auskunftsersuchen, die unmittelbar nach der Jubiläumsaktion “Bild für alle” und der Veröffentlichung des Blogbeitrags auf der Internetseite netzpolitik.org bei ihr eingegangen sind, umgehen soll. Mit Schreiben vom 3. Juli 2012 haben wir folgendes geantwortet:
“Ein Mißbrauch des Auskunftsrecht gemäß $34 BDSG und des Widerspruchsrechts nach §28 Abs, 4 BDSG (das die Verpflichtung zur Datensperrung durch die verantwortliche Stelle nach sich zieht) durch den einzelnen Anfragenden ist nicht ersichtlich. Ein möglicherweise bestehender Missbrauchsvorsatz [Anmerkung: hiervon war die Axel Springer AG ausgegangen] des Mitarbeiters von netzpolitik.org lässt sich nicht auf die von dem Blogeintrag Angesprochenen übertragen.
Die Anfragen enthalten auch keine widersprüchlichen Löschungsanforderungen, die – wie von Ihnen beschrieben – an der Ernsthaftigkeit der Anliegen zweifeln lassen. Vielmehr wird lediglich eine Sperrung der betreffenden Datensätze sowie die Unterlassung einer zukünftigen Datenspeicherung ohne Einwilligung des Betroffenen verlangt. In dem Musterschreiben ist genau aufgeführt, in welchen Fällen der Betroffene einer Speicherung seiner Daten zustimmt.
Unabhängig hiervon liegen die gesetzlichen Voraussetzungen des §34 Abs. 7 BDSG nicht vor, der die verantwortlichen Stelle von der Pflicht zur Auskunftserteilung entbindet.
Die an Ihre Mandantin gerichteten Datenschutzanfragen müssen daher bearbeitet und beantwortet werden.”
Eine weitere Abstimmung mit der Axel Springer AG oder deren Vertreter hat nicht stattgefunden.
2. Wie sollen jetzt die Betroffenen weiter vorgehen, ist die Einsendung einer Kopie des Personalausweises der richtige Weg oder was empfehlen Sie?
Die verantwortliche Stelle hat im Rahmen des Auskunftsersuchens nach §34 BDSG die Identität des Auskunft Begehrenden zu überprüfen, um nicht Daten an einen Unbefugten gelangen zu lassen. Stimmen allerdings die vom Betroffenen angegebene Postadresse mit der gespeicherten Adresse bei der verantwortlichen Stelle überein, gibt es regelmäßig keinen Anlass zu weiteren Nachforschungen oder sogar zur Vorlage einer Kopie des Personalausweises. Wir werden das nunmehr vorliegende Schreiben der Axel-Springer AG deshalb zum Anlass nehmen, den Vorgang aufsichtsrechtlich zu überprüfen.
3. Uns erreichten jetzt schon mehrere Anfragen von Personen, die zuvor vom betrieblichen Datenschutzbeauftragten von ASV die Nachricht erhalten haben, dass ihre Daten gelöscht seien, und nun trotzdem eine Mail erhielten. Ist das ein Verstoß bzw. wie sollte man darauf reagieren?
Auch dies werden wir überprüfen. Es wäre hilfreich, wenn Sie uns das entsprechende Schreiben des Datenschutzbeauftragten zur Verfügung stellen könnten.
Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.
via Berliner Datenschutzbeauftragte antwortet auf Axel-Springer-Mail.
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July 13, 2012 at 3:31 pm · Filed under Uncategorized
gAtO’s thoughts: Anonymity serves different interests for different user groups. To a private citizen it’s privacy, to a business it’s a network security issue.
via What Are ToR Hidden Services?.
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July 13, 2012 at 3:28 pm · Filed under Uncategorized
Bei „Rechts“ hört meine Toleranz & Freundschaft auf, da gibt es auch keine Grauzone!
Neonazis lancieren Propaganda inzwischen sehr geschickt auch hier im Fb. auf den ersten Blick sind ihre Kampagnen oft schwer zu erkennen, da sie nichts mit rechter Ideologie zu tun haben. Mit emotionalen & in der Mitte der Gesellschaft diskutierte Themen, wie: Kindesmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Finanzkrise köder
n sie außerhalb ihrer Szene UnterstützerInnen. Dabei kommt den Braunen eine unkritische Haltung, lechts/rinks-HarmonieDenken oder einfache Verharmlosung sehr entgegen & macht es leichter Verbündete zu finden.Augen auf! Kopf an! Seid wachsam ! Aktuell ein Beispiel der Aktion: meinletzteshemd.eu, dessen Veranstalter Aktivist der – inzwischen verbotenen – gewalttätigen und rechtsextremen Terrororganisation Blood & Honour (Blut und Ehre) gewesen ist. Zwar wird heute von ihm eine gewisse Distanzierung nach “rechts” beteuert & als Jugendsünde verharmlost, jedoch jeder der sich mit “rechts” auseinandersetzt, weiss dass niemand einfach aus der Szene aussteigen kann. Nicht umsonst gibt es einige Aussteigerprogramme, die es den „Kameraden“ ermöglichen soll, abzutauchen, um als Normalbürger leben zu können. Jedoch braucht er diesen Schutz offenbar nicht, da er die Akzeptanz seiner Szene immer noch voll geniesst.
Wohl auch, da er als Inhaber eines Online-Shops, u.a. T-Shirts mit Sprüchen wie “Döner-Morde”, “Ausländerfrei”, “Ethnische Säuberung” und “Nationalbefreite Zone”vertreibt. Als echter „Aussteiger“ & als “Verräter des rechten Geistes” könnte & würde man dies sicher nicht tun.
Es gibt ausreichend Alternativen sich zu engagieren, ohne Rattenfängern auf den Leim zu gehen & sich zu deren Handlangern zu machen! Wo es mit Rechts keine Gemeinsamkeiten gibt, kann auch in der Sache nichts gespalten werden!
Rechts Kuscheln geht garnicht !!!
Nach erfolgtem Hinweis auf Beiträge von Faschos & Rechtspopulisten & ausbleibender Korrektur, werden ihre UnterstützerInnen aus meinem Freundeskreis gelöscht!
via (1) Pinnwand-Fotos.
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July 13, 2012 at 2:54 pm · Filed under Uncategorized and tagged: ACTA, CETA
Die Piratenpartei Deutschland fordert mit Nachdruck, die Verhandlungen über das geplante Handelsabkommen Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) abzubrechen. Das zwischen der EU und Kanada geplante Abkommen enthält zentrale Passagen, die wortgleich aus dem erst kürzlich abgelehnten Abkommen ACTA übernommen wurden.
via PIRATEN fordern Abbruch der CETA-Verhandlungen | Piratenpartei Deutschland.
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July 13, 2012 at 2:33 pm · Filed under Uncategorized and tagged: 278, 278a, antiterror, §278a, BVT, innenministerium, Johanna Mikl-Leitner, LVT, verfassungsschutz
Anfragebeantwortung durch die Bundesministerin für Inneres Mag. Johanna Mikl-Leitner zu der schriftlichen Anfrage (11543/J) der Abgeordneten Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Folgeanfrage zu 10138/J und 10899/J betreffend gespeicherten Personen bei BVT und LVT
Beantwortet durch: Mag. Johanna Mikl-Leitner Regierungsmitglied Bundesministerium für Inneres
beantwortet Folgeanfrage zu 10138/J und 10899/J betreffend gespeicherten Personen bei BVT und LVT (11543/J)
via 11420/AB (XXIV. GP) – Folgeanfrage zu 10138/J und 10899/J betreffend gespeicherten Personen bei BVT und LVT.
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July 13, 2012 at 11:33 am · Filed under Uncategorized
Wir sind #Mitläufer.
Wir lassen niemanden alleine.
Wir begleiten Menschen auf ihrem Weg durch die Institutionen der Agentur für Arbeit. Wir informieren, wir hören zu, wir passen auf. Und wir schreiten ein, wenn wir Ungerechtigkeiten sehen.
Wir sind viele.
Wir sind ganz unterschiedliche Menschen: Wir sind Juristen, Arbeiter, Arbeitssuchende, Lehrer, Studenten und Angestellte. Einige von uns waren selbst einmal auf Arbeitslosengeld angewiesen, andere nicht. Was uns eint ist der Wunsch nach einer menschenwürdigen Behandlung von Arbeitssuchenden und Arbeitslosen. Ein gesellschaftliches Model, das auf Solidarität baut, nicht auf Angst.
Jeder hat das Recht, eine Begleitperson zu einem Termin bei der Agentur für Arbeit mitzunehmen.
Diese Begleitperson sind wir.
Die #Mitläufer.
via Wir gehen mit und zeigen Solidarität « Wir gehen mit.
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July 13, 2012 at 11:32 am · Filed under Uncategorized
Darin hieß es über Menschen, die in Begleitung beim Amt erscheinen: „Wären es fünf bis zehn Prozent“, so ein Insider, „könnten wir einpacken“.
Wir sind die dazu fehlenden Menschen. Bringen wir das System der Ungerechtigkeit zum Wanken.
Wir wollen:
a) als Zeugen von mit den ARGE-Sachbearbeitern getroffenen Vereinbarungen dienen.
b) als Begleiter bei für den Empfängern nicht immer direkt klar ersichtlichen Rechtslage, Hilfe anbieten.
c) als moralische Unterstützung für den der Verwaltungsmaschine ausgelieferten Menschen den Betroffenen zur Seite stehen.
d) Als Unterstützer und “Drauf-Aufmerksam-Macher” auf die (un-)sozialen Realitäten aufmerksam machen.
Es ist ein Geben und Nehmen und beruht auf Gegenseitigkeit. Die Begleiter möchten selbst erfahren, wie unser Sozialsystem von innen aussieht.
via Was wir wollen « Wir gehen mit.
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July 13, 2012 at 11:31 am · Filed under Uncategorized and tagged: ACTA, CETA, copyright, internet, internet recht, Netzpolitik, Urheberrecht
CC0 Copy, remix, and inspire.
Last Wednesday, we defeated ACTA, when the good forces on the inside and outside of European Parliament cooperated to defeat the corporate-rule European Commission. It didn’t take many days before
another trade agreement surfaced, uncovered by Michael Geist, that looks like a back door for the ACTA provisions if ACTA as such was rejected by the European Parliament. It’s called CETA and is a trade agreement between Canada and Europe.
At the time, I said that this alone did not necessarily mean that the European Commission would try railroading an ACTA facsimile through Parliament – the leaked CETA drafts came from February of this year, when it seemed like ACTA was a done deal. Therefore, seeing identical texts was… well, logical, as they would have written in February of 2012. The draft texts could be seen as a time capsule of the expectations of their time.
My assessment would be that the European Commission is still in a state of shock over the forceful and complete rejection of its intended direction. Seeing that this was less than a week ago, we are realistically still months away from a new direction materializing. As typical office workers, the Commission bureaucrats can choose one of two directions here – they can either learn from this very costly mistake, backtrack and re-plan, which is very expensive both in terms of organization and money, or they can just steamroll ahead as if nothing happened. The latter is a politically very risky maneouver, given the decisive rejection of ACTA, even if the human cost short-term is lower – and the Commission is quite smart and suave, so I doubted they would bet any further prestige in getting intellectual property rights override civil liberties and fundamental rights no matter what the cost.
However, MEP Christian Engström attended a meeting with the Commission’s responsible person for CETA yesterday, a chap named John Clancy who was previously responsible for ACTA, a person that Michael Geist also mentions by name. MEP Engström blogged about that meeting later, concluding that CETA indeed looks like the “First Zombie ACTA”. Quoting MEP Engström:
Yesterday, I attended a post-mortem seminar on ACTA in the European Parliament. One of the panelists was the civil servant from the EU Commission who used to handle ACTA, and who is now in charge of the CETA negotiations.
I took the opportunity to ask him about CETA, and if it wasn’t true that CETA contains a chapter on intellectual property rights where certain provisions have been copied verbatim from ACTA.
The reaction of the Commission official was very interesting. He confirmed that CETA does indeed contain a chapter on intellectual property, but then immediately went on to try to belittle Professor Geist (without anybody else having mentioned Professor Geist’s name).
According to the Commission representative, Professor Geist should not be taken seriously, since he was commenting on a draft that was six months old, and the text had changed since then.
When I asked the obvious follow-up question, if the Commission had published a more current version of the text under negotiation, the answer was no.
MEP Engström, as well as his assistant Henrik “Hax” Alexandersson, recognize the attitude of belittling Parliament as identical to the attitude displayed from the Commission towards Parliament in the ACTA showdown, and draw the conclusion that bad faith is present all over CETA:
So it appears that it will be déjà vu all over again. The unelected EU Commission is negotiating an international agreement with legislative effect behind closed doors. They are keeping all documents secret, while arrogantly claiming that everybody who is questioning what they are doing is misinformed. Same procedure as last time.
Henrik “Hax” Alexandersson elaborates:
It would look as the Commission is really going to try steamrolling the CETA agreement no matter what. It suffers from the same substantial problems as ACTA. The opposing teams are the same as over ACTA. The secrecy is the same as over ACTA. And the entire political battle will have its first rerun. Kind of. [...]
The Commission representative, John Clancy, made it perfectly clear that the Commission intends to proceed with CETA as though nothing had happened. That is, the Commission doesn’t seem to care that it was sent back to the drawing board for the exact same political substance in the fall of ACTA.
Still, while this is a strong indication, I would not say with certainty yet that the Commission is going to try this catastrophically dumb stunt. I try to apply the lowest-friction explanation to most things I see in order to understand what’s going on.
So rather than going all analytical on political aspects, I find that a lot of the things happening in politics are easier to explain if you try to picture the individual people behind the scenes, imagine their situation, and look at what their options and feelings would be. In this case, you have bureaucrats who have been negotiating a huge trade agreement between Europe and Canada, probably for well over a year, only to have your year-long work fatally torpedoed on July 4. This date is seven workdays before your six-week summer vacation starts, which is the only regular break from papers, more papers, and yet more papers you’re ever getting in your career. Are you going to immediately call crisis meetings and rewrite the whole thing, or are you going to shrug your shoulders and count down the minutes before you leave for vacations?
It would still be logical that these people would say “no, you can’t see the agreement”, regardless of whether they were going to rewrite it after summer, not rewrite it at all, or most likely, haven’t cared to think about that decision point yet because summer vacations are just around the corner. But this belittling attitude is still a significant warning sign, and it should intensify the CETA blip on all our radars.
Now, however, the Commission bureaucrats are leaving their jobs to get wasted, high, tanned, and laid for the next six weeks. European Parliament is going to be just as empty. So even if we wanted to protest and mail and pester the officials, there’s nobody there for the next six weeks.
So rather than risking acute activism fatigue (hey, we just defeated ACTA!), I think we should follow the bureaucrats’ example and enjoy some R&R for the next couple of weeks. The showdown over this thing called CETA continues in late August or early September at the earliest.
via Bad Faith From European Commission Indicates CETA May Be “ACTA, Episode II” After All – Falkvinge on Infopolicy.
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July 13, 2012 at 11:11 am · Filed under Uncategorized and tagged: 1984, antiterror, österreich, überwachung, überwachungsstaat, Big Brother, cordis, deutschland, EU, europa, forschung, FP7, FP7 Security, frankreich, freizeit, geheimpolizei, gesellschaft, INDECT, Industrie, InPoSec, kamera, kontrolle, krieg, kriminalität, leben, piraten, polen, Politik, politiker, polizei, polizeistaat, recht, sicherheit, technik, technologie, verfassung, video, wirtschaft
Während sich das EU-Forschungsprojekt INDECT in seinem vierten Jahr kurz vor dem Abschluss befindet, läuft in Frankreich und Deutschland jetzt ein neues Projekt an, das viele Fragen aufwirft.
Mit dem sogenannten “Integrated Postal Supply Chain Security”-Projekt, kurz InPoSec, soll die Integrität der Postlogistikkette geschützt und die Sicherheit der beteiligten Menschen garantiert werden. Zunächst werden Briefbomben und terroristische Anschläge als Bedrohung für die wirtschaftliche Stabilität Europas ins Feld geführt, nur um dann in einem Nebensatz auch “illegale Produkte” als Ziel des Projekts zu benennen.
Schaut man sich in Europa um, liegt der Schluss nahe, dass uns mit den im Rahmen des InPoSec-Forschungsprojekts betrachteten Technologien auch eine Totalüberwachung der Brief- und Paketkommunikation ins Haus stehen könnte.
Gepaart mit einer restriktiven Kommunikationspolitik lässt das Projekt nichts gutes ahnen.
Im Rahmen des Forschungsprogramms ”Concepts, Systems and Tools for Global Security 2012” der öffentlich-rechtlichen nationalen Forschungsanstalt Agence nationale de la recherche (ANR) wurde im April das Forschungsprojekt Integrated Postal Supply Chain Security (InPoSec) eingereicht. Es ist auf 36 Monate angesetzt und mit einem finanziellen Rahmen von 1,8 Millionen Euro ausgestattet.
Für das Forschungsprogramm “Konzepte, Systeme und Werkzeuge für globale Sicherheit” kooperiert die ANR dabei mit der “Zentraldirektion für Bewaffnung” des französischen Verteidigungsministeriums.
Laut der Beschreibung (englisch; französische Version) ist das Ziel von InPoSec, Sicherungssysteme zu entwickeln und evaluieren, die die Postlogistikkette schützen und so neben der Sicherheit der beteiligten Menschen auch die ökonomische Stabilität Europas garantieren.
Da jedes Objekt eine Bedrohung in Form einer Bombe, chemischen Waffe oder illegaler Produkte enthalten könne, will man im Rahmen von InPoSec also beispielsweise mit Hilfe von Terahertz-Technologie künftig für mehr Sicherheit sorgen. Terahertzstrahlung ist es auch, die bei den vieldiskutierten Nacktscannern an internationalen Flughäfen zum Einsatz kommt:
chaque objet transporté pourrait contenir une menace telle que bombe, arme chimique ou produits illicites. D’un autre coté, cette chaine postale est vitale pour le développement économique de l’Union Européenne et demande à être sécurisée. […] L’objectif du projet InPoSec proposé par ce consortium franco-allemand est de renforcer la sécurité de protections des humains ainsi que de l’infrastructure pour assurer une sureté économique en Europe par l’ajout de contrôle par rayons T.
Mit der Öffentlich-rechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Uni Münster hatte am 29. Juni eine erste deutsche Einrichtung ihre Beteiligung an dem Projekt angekündigt. Der Text ist jedoch mittlerweile nicht mehr zu erreichen:
Ziel des Projektes ist es, Personen in der postalischen Lieferkette vor Bedrohungen besser zu schützen, noch bevor die Postsendung ihren eigentlichen Empfänger erreicht hat. Hierzu sollen nicht nur technische und organisatorische, sondern auch rechtliche Lösungen entwickelt werden. Da eine abgangsseitige Kontrolle der Postsendungen nicht möglich ist, ist die Eingangskontrolle der Ausgangspunkt des Vorhabens. Im Rahmen dieser Kontrolle kommt es nicht nur auf die hierbei verwendete Technik an. Maßgeblich sind insoweit auch die zollrechtlichen, postrechtlichen und datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Der Beitrag des ITM wird im Bereich des Datenschutzrechts liegen.
Was gab den Ausschlag für InPoSec?
Während die englische Version der Ankündigung von InPoSec sich über die Beweggründe ausschweigt, benennt die französische Fassung die Anschläge in Madrid 2004 und London 2005 sowie “Vorkommnisse” in Griechenland und im Jemen als Motivation für das Projekt:
Les événements de Madrid en 2004, à Londres en 2005 et maintenant en Grèce et au Yémen ont plus que démontré que l’Europe est un territoire accessible face aux attaques terroristes.
Gemeint sind wohl Paketbomben, die im Jahr 2010 aus Griechenland und dem Jemen versendet wurden. Damals waren in Frachtflugzeugen des Logistikers UPS Paketbomben sichergestellt worden. Laut eines Berichts der britischen Polizei waren sie mit dem Ziel versendet worden, die Flugzeuge über den USA explodieren zu lassen.
In den USA ist die Transportation Security Administration (TSA) für die Durchleuchtung von Luftfracht zuständig. Die dem Department of Homeland Security untergeordnete Behörde war 2001 in Reaktion auf die Anschläge geschaffen worden. Bis Dezember will die Behörde nun ihre Kontrollen auf 100% der Luftfracht ausweiten, die mit internationalen Flügen in die USA kommt.
Verstecktes Ziel Produktpiraterie?
Schaut man sich nach Programmen im Bereich Logistiksicherheit um, wird man schnell fündig. Das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) hat mit zwei Firmen bereits im Dezember 2011 einen Terahertz-Briefscanner vorgestellt.
Die Kontrolle des Posteingangs bei gefährdeten Personen und Einrichtungen ist natürlich verständlich und gerechtfertigt. Doch die Projektbeschreibung spricht vom Schutz der gesamten Postlogistikkette und aller beteiligten Personen. Der in der Mitteilung des ITM benannte “Ausgangspunkt” bei der “Eingangskontrolle” ist dann spätestens das Logistikzentrum oder die größere Postfiliale, die als erstes das Paket entgegennimmt. Nur so erklärt sich, dass dann neben den datenschutzrechtlichen auch post- und zollrechtliche Bestimmungen von InPoSec betroffen sind.
Insbesondere dass der französische Text auch “illegale Produkte” in den Kreis der transportierten Inhalte aufnimmt, die den europäischen Wirtschaftsraum gefährden, lässt einen aufhorchen.
In Großbritannien liegt mit der Communications Data Bill ein Entwurf einer Kommunikationsdaten-Richtlinie vor, die auch die von außen erfassbaren Daten der Briefkommunikation auf Vorrat speichern soll (Netzpolitik.org berichtete).
Und auch in der englischen Version der Ankündigung von InPoSec ist die Rede davon, Bilderkennungs- und “Tracking-Technologie” zu entwickeln oder zu nutzen.
The goal of the program is to demonstrate
…
2. Adapt or develop revolutionary image recognition and tracking technology using networks of asynchronous spiking neurones. To design and develop a system capable of categorizing objects within a scanning result coming from an X-ray input ( evaluation with Terahertz Rays) and of estimating its danger.
Eine automatisierte und anlasslose Kontrolle aller Brief- und Paketsendungen in Europa ist die Konsequenz. Das Ziel sind dabei nicht etwa die vermutlich überschaubare Anzahl an Briefbomben-Fällen und der vielbeschworene internationale Terrorismus sondern erneut Produktfälschungen und Kleinkriminalität.
Kein Kommentar
Abgesehen von den schon erwähnten Texten bei der ANR liegen zur Zeit keine genaueren Informationen vor. Auf Nachfrage wollte der Projektleiter bei der ANR erst ein Mal von mir wissen, für wen ich schreibe und ob ich überhaupt wisse, dass es sich um ein geheimes Projekt handle. Fragen nach weiteren Projektpartnern und einer detaillierten Ausschreibung blieben bislang unbeantwortet.
Am ITM in Münster teilte man mir mit, nicht das ITM selbst sondern der Zollrechtler Prof. Dr. Wolffgang übernehme die Leitung des Projekts. Wolffgang ließ mir mitteilen, dass in Kürze eine offizielle Pressemitteilung erscheinen solle. Auf meine Fragen antwortete er nicht. Unter anderem hätte mich interessiert, wieso bei der reinen Betrachtung der “Eingangskontrolle” zollrechtliche Aspekte zu beachten seien. Am Donnerstagnachmittag war die Ankündigung auf der Website des ITM nicht mehr abrufbar.
Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Sebastian Raible, Netzpolitik.org.
via InPoSec – neues Forschungsprojekt will mit Nacktscanner-Technologie Pakete nach “illegalen Produkten” durchleuchten.
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