sunnyromy:

Zum INHALT des Films:

2007 lässt Greenpeace vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit einer Strassenwalze 10.000  Glühlampen zerstören. Mit Sparlampen wäre diese Aktion nicht möglich gewesen: Das Quecksilber, das in 10.000 Kompaktleuchtstofflampen enthalten ist, reicht aus, um 50 Millionen Liter Trinkwasser zu verseuchen – abgesehen von der akuten Gesundheitsgefährdung für Aktivisten und Zuschauer.

Warum Greenpeace gemeinsam mit der Lampenindustrie in Brüssel erheblichen Druck gemacht hat um die Glühlampe verbieten zu lassen, ist eine der Fragen, denen in BULB FICTION, dem investigativen Dokumentarfilm von Christoph Mayr, nachgegangen wird.

Ab September 2009 sind Glühlampen mit 100W und mehr, dazu alle matten Glühlampen verboten, ab September 2011 verschwinden die 60W Lampen, und ab 1.9.2012 gibt es EU-weit keine einzige Glühlampe mehr zu kaufen. Hochvolthalogenlampen haben noch eine Schonfrist und sind dann ab Herbst 2016 verboten.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Industrie braucht Umssätze, NGOs müssen ihren Spendern beweisen, dass sie ihre Anliegen durchsetzen können, die meisten Politiker schauen, woher der Wind weht, für sie gibt es sonst selten die Gelegenheit, sich als Klimaschützer feiern zu lassen, ohne sich mit der Industrie oder sonst einer mächtigen Lobby anzulegen.

Beinahe alle, die sich intensiver mit dem Thema Licht und seiner Wirkung auf den Menschen auseinandersetzen, Mediziner, Lichtplaner, Baubiologen, sind gegen das Verbot der Glühlampe. Da sie keiner der großen Lobbies angehören, verhallen ihre Proteste.

In BULB FICTION kommen sie zu Wort.

Bereits 2007 erfuhr der Kameramann und Lichtplaner Moritz Gieselmann zufällig von einem Mitarbeiter Lampenherstellers Osram, dass Glühlampen verboten werden würden, hält das aber für ein bizarres Gerücht – wer könnte schon auf die Idee kommen, ein so alt eingeführtes und beliebtes Produkt zu verbieten? Die Einfachheit und Eleganz der Glühlampe ist bis heute unübertroffen: Eine Fassung aus Blech, ein glühender Wolframdraht, ein vakuumierter oder mit Schutzgas gefüllter Glaskolben – fertig. Als 2008 das bevorstehende Glühlampenverbot Thema in allen Medien ist, beginnt Gieselmann zu recherchieren, und was er da findet, lässt die Skepsis gegenüber der Kompaktleuchtstofflampe wachsen. Die Information in den Medien ist lückenhaft, und so entsteht die Idee, einen Kinodokumentarfilm zum Thema zu machen. Der Autor und Regisseur Christoph Mayr, anfangs skeptisch ob des vermeintlich zu trockenen Themas, ist bald Feuer und Flamme, mit Thomas Bogner findet sich ein engagierter Produzent, und im Herbst 2011, parallel zum Verschwinden der 60W Glühlampe, kommt BULB FICTION in die Kinos.

Mit der Verordnung (EG) 244/2009 der EU wurde das Verbot der Glühlampen und damit der Zwang zur Sparlampe amtlich. Christoph Mayr will mit dem seinerzeit zuständigen Energiekommissar der EU, Andris Piebalgs, sprechen. Mit dem Hinweis, nicht mehr für das Energieressort zuständig zu sein, lehnt er ab. Günter Oettinger, sein Nachfolger, lehnt auch ab: Er sei erst nach Inkrafttreten der Verordnung ins Amt gekommen. Dem zuständigen Spitzenbeamten der EU, Andras Toth, wird es von seiner Behörde untersagt, vor die Kamera zu treten.

Einzig Marlene Holzner, Sprecherin der EU-Energiekommission, darf die Fragen von Christoph Mayr beantworten. Weil sie im Thema aber nicht so firm ist, bringt sie Andras Toth als Einflüsterer mit – gefilmt werden darf er nicht.

Dass Kompaktleuchtstofflampen Quecksilber enthalten, weiß die EU. Dass Quecksilber giftig ist, ebenfalls, nicht umsonst wurden Quecksilberthermometer verboten, und im Herbst 2008 werden in Österreich und Deutschland Quecksilberthermometer gratis umgetauscht.

Dass Quecksilber in Sparlampen extrem giftig sein kann, zeigt BULB FICTION am Fall des vierjährigen Max aus Linden, einem idyllischen Dorf in Oberbayern. Nachdem Max das gasförmige Quecksilber einer im Betrieb zerbrochenen Sparlampe eine Nacht lang eingeatmet hat, verliert er nach und nach alle Haare, selbst Wimpern und Augenbrauen, es folgen Zitterschübe und Depressionen. Dr. Mutter aus Konstanz, der sich als Spezialist für Quecksilberausleitungen einen Namen gemacht hat, diagnostiziert eine Quecksilberbelastung, die in Kombination mit anderen Belastungen für diese Symptome verantwortlich ist.

Gary Zörner vom LAFU-Institut, das sich seit langem mit Umweltgiften beschäftigt, bringt es auf den Punkt: “Jedes kleinste bisschen Quecksilber macht ein kleines bisschen dümmer“ – weil es sich im Gehirn anlagert und Nervenzellen zerstört, auch wenn kein Grenzwert überschritten wird.“

Der Grenzwert von Quecksilber in den Kompaktleuchtstofflampen ist ein Kapitel für sich: Es gibt ihn zwar, 5mg pro Lampe überwacht wird er aber nicht. Christoph Seidel, Pressesprecher von Megaman, nach eigenen Angaben dem europaweit grössten Hersteller von Sparlampen, meint, dass man den Herstellern vertrauen müsse, und überhaupt würden sie sich gegenseitig  kontrollieren…

VITO, das belgische Institut, das im Auftrag der EU die Kompaktleuchtstofflampen evaluiert hat, hat den Quecksilbergehalt an einem Sample von 5 (fünf) Stück überprüft. Auch hier will niemand mit Christoph Mayr sprechen.

Für Dr. Georg Steinhauser, Strahlenphysiker an der TU Wien, ist eine solche Sample-Grösse lachhaft und schlichtweg unseriös. Er ermittelt für BULB FICTION den Quecksilbergehalt einer Kompaktleuchtstofflampe und kritisiert gleichzeitig die offizielle Messmethode der EU, die nur das am Glaskolben anhaftende Quecksilber misst, aber nicht das gasförmige, das beim Zerlegen der Lampe entweicht: “Das ist so, wie wenn ich bei einem geplatzten Ballon den Heliumgehalt anhand der Anhaftungen an der Hülle bestimmen wollte.“

VITO, das ansonsten sehr optimistische Zahlen für die Befürworter des Glühlampenverbots produziert, geht davon aus, dass 80% des Quecksilbers aus verbrauchten Sparlampen in die Umwelt gelangt. Wenn Europa erst einmal flächendeckend mit Kompaktleuchtstofflampen beleuchtet ist, werden täglich mindestens eine Million dieser kleinen Giftcontainer entsorgt werden müssen. Mit je 5mg multipliziert sind das jährlich 146 Tonnen Quecksilber, die sich flächendeckend in Europa verteilen.

Aber auch das Fünftel der ausgebrannten Sparlampen, das es unversehrt in eine Recyclinganlage schafft, kann noch Schaden anrichten: Christoph Mayr dreht bei der “Electrical Waste Recycling Group“ in Huddersfield in England. Die Firma ist im Juni 2010 zu einer Geldstrafe von 145.000 Pfund verurteilt worden, weil in ihrer Anlage 20 Mitarbeiter, unter anderem eine Schwangere, über einen längeren Zeitraum durch die Ventilation mit Quecksilber verseucht wurden. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma erzählt im Film, ein Jahr nach den Vorfällen, dass er noch immer an Konzentrationsstörungen, Gedächtnisproblemen und Depressionen leidet.

Christoph Mayr lässt nicht locker, BULB FICTION lässt keine Frage zum Thema Glühbirne und Sparlampe unbeantwortet. In Berlin spricht er mit Helmut Höge von der TAZ, der sich lange und ausführlich mit Phoebus, dem Glühlampenkartell, gegründet in den 1920er Jahren, beschäftigt hat. Phoebus war das erste weltweit agierende Kartell. Es sicherte nicht nur den beteiligten Firmen, unter ihnen Osram, Philips und General Electric, Gewinnmargen und Marktanteile, es sorgte auch dafür, das die Lebensdauer von Glühlampen, die Ende des 19. Jahrhunderts bei Thomas Edison noch 1500 Stunden betrug, bis 1935 auf 1000 Stunden gesenkt wurde. Für Mitgliedsfirmen, deren Glühlampen zu lange brannten, gab es ein ausgeklügeltes System von Bußgeldern.

Anfang der 1990er entwickelt Dieter Binninger, Erfinder und Industrieller aus Berlin, eine Glühlampe, die bei gleicher Leistung wie die herkömmliche 1000-Stunden-Lampe, 150.000 Stunden hält. Nur Tage nachdem er bei der Treuhand ein Gebot für ein ehemaliges DDR-Lampenwerk abgegeben hat, kommt er 1991 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Der Kartellforscher Rudolf Mirow schreibt 1992 an Birgit Breuel, die Chefin der Treuhand: “Es besteht der Verdacht, dass dieses Kartell sich jetzt den Markt der neuen deutschen Bundesländer untereinander aufgeteilt hat… “  1993 stirbt Mirow bei einem Autounfall in Indonesien.

BULB FICTION behandelt auch die biologisch-medizinischen Aspekte von Licht, zwischen dem Licht von Glühlampen und dem von Leuchtstofflampen gibt es erhebliche Unterschiede: Glühlampen sind sogenannte Temperaturstrahler: Ein Wolframfaden wird so lange erhitzt, bis er Licht abgibt, analog zu Sonne und Feuer. Und so wie bei den natürlichen Lichtquellen Licht und Wärme untrennbar miteinander verbunden sind, so ist es auch bei der Glühlampe. Doch als die Lichtindustrie in den 1930er Jahren eine technisch-physikalische Definition von Licht suchte, reduzierte sie den Begriff  “Licht“ auf den visuell wahrnehmbaren Anteil der Strahlung der Sonne. Dass Infrarot, der unsichtbare Teil dieser Strahlung, aber eine Wirkung auf unseren Organismus hat, ist unbestritten. Welche Nebenwirkungen das fehlende Infrarot im Licht haben kann, ist noch weitgehend unerforscht. Professor Richard Funk ist Vorstand des anatomischen Instituts der Uni Dresden. 2009 veröffentlicht er eine Untersuchung, in der er die Hypothese aufstellt, dass die blauen Anteile im Licht zur Entstehung der Makuladegeneration beitragen können, wenn nicht gemeinsam mit dem blauen Licht auch Infrarot ins Auge gelangt. In Experimenten weist er nach, dass blaues Licht Sehzellen zerstören kann, Infrarot hingegen Zellen zur Selbstheilung anregt.

Dem Licht der Leuchtstofflampen fehlt nicht nur das Infrarot, sie haben 3 oder 5 energetische Spitzen im sichtbaren Bereich, dazwischen ist es finster, wie der Arzt Dr. Alexander Wunsch, der sich intensiv mit den gesundheitlichen Aspekten von Licht beschäftigt, demonstriert. Die Folge ist eine mangelhafte Farbwiedergabe – denn Gegenstände können nur einem jenes Licht reflektieren, mit dem sie beleuchtet werden. Fehlen bestimmte Farbanteile im Licht, erscheinen Oberflächen in diesen Farben fahl und ausgewaschen.

Wolfgang Maes, Baubiologe aus Neuss, testet die Kompaktleuchtstofflampen im Auftrag von Ökotest, mit erschreckenden Resultaten: Die Werte beim Elektrosmog sind bis zu 15 mal so hoch als es die TCO-Norm für Bildschirme erlaubt.

In Brüssel spricht Christoph Mayr mit Holger Krahmer, einem deutschem EU-Abgeordneten aus Leipzig, der sich als erster EU-Politiker gegen das Glühlampenverbot aussprach. Für ihn ist es demokratiepolitisch unverständlich, wie es möglich sein kann, dass die Politik entscheidet, welche Produkte der Bürger verwenden darf und welche nicht. Ihn erinnert dieses Verbot an die diktatorische Planwirtschaft der DDR.

Max Otte, Finanzpublizist und Professor für Wirtschaftswissenschaft: “Dieses Europa ist ein Europa der Konzerne, die haben schon längst die Herrschaft übernommen!“

Währenddessen verteilt Sigmar Gabriel, als deutscher Umweltminister, angeblich eine treibende Kraft hinter dem Glühlampenverbot, im letzten Bundestagswahlkampf tausende Kompaktleuchtstofflampen von Osram.

Unbeirrbar verfolgt Christoph Mayr alle Hinweise, akribisch werden alle Details rund ums Thema aufbereitet. Wie findet man die nächste Sammelstelle für Elektroschrott? Nicht immer so einfach, wie man sich das vorstellt. Wird hier dann alles getan, um das giftige Quecksilber nicht in die Umwelt entkommen zu lassen? Stimmen die Zahlen von der hohen Lebensdauer der Kompaktleuchtstofflampen? Stimmt die Geschichte vom sogenannten Quecksilberparadox, die beweisen soll, dass quecksilberfreie Glühlampen eigentlich für  mehr Quecksilber in der Umwelt verantwortlich sein sollen als die quecksilberhaltigen Kompaktleuchtstofflampen? Was ist der Heat Replacement Effect? Was bedeuten die Quecksilberlampen für die Menschen in den Schwellenländern?

Während Michael Moore in seinen Filmen von der eigenen Emotion zur polemischen Zuspitzung hingerissen wird, bleibt Christoph Mayr in BULB FICTION sachlich, lässt aber als hartnäckiger Tiroler nicht locker, bis alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Am Ende von BULB FICTION präsentieren die Macher von Heatball ihre Aktion: Sie drehen die Argumentation, dass Glühlampen 95% der eingesetzten Energie als hochwertige Wärmestrahlung, abgeben, um, und verkaufen glühlampenförmige Kleinheizgeräte, die nebenbei etwas Licht abgeben: “Heatball ist auch ein Widerstand gegen die Unverhältnismäßigkeit von Maßnahmen zum Schutze unserer Umwelt. Wie kann man nur ernsthaft glauben, dass wir durch den Einsatz von Energiesparlampen das Weltklima retten und gleichzeitig zulassen, dass die Regenwälder über Jahrzehnte vergeblich auf ihren Schutz warten.“

Die europäisch-deutsche Bürokratie ist von dieser Aktionskunst engagierter Bürger entsprechend überfordert, reagiert mit Ordnungsverfügung, Androhung von Zwangsgeld und mit der Beschlagnahme der Heatballs.

BULB FICTION ist ein Film für engagierte BürgerInnen, die sich nicht mit der dumpfen Wut auf die herrschenden Verhältnisse begnügen, sondern genau informiert werden wollen, um sich selbst eine fundierte Meinung zu bilden.

Originally posted on sVlog:

Hochgeladen von BulbFictionMovie am 30.08.2011

Der Dokumentarfilm Bulb Fiction nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um Macht und Machenschaften der Industrie, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten” zu portraitieren. Der Film will den Konsumenten informieren, mit Wissen zum Thema ausstatten, seine Wachsamkeit schärfen, ihn zu mündigem Verhalten ermuntern, und um ihn zum Widerstand gegen Fremdbestimmung aufzurufen.Weitere Infos auf http://www.bulbfiction-derfilm.com und auf Facebook unter http://facebook.com/bulbfiction

viaBULB FICTION – Kino Trailer HD | ab 16.9.2011 im Kino – YouTube.

Zum INHALT des Films:

2007 lässt Greenpeace vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit einer Strassenwalze 10.000  Glühlampen zerstören. Mit Sparlampen wäre diese Aktion nicht möglich gewesen: Das Quecksilber, das in 10.000 Kompaktleuchtstofflampen enthalten ist, reicht aus, um 50 Millionen Liter Trinkwasser zu verseuchen – abgesehen von der akuten Gesundheitsgefährdung für Aktivisten und Zuschauer.

Warum Greenpeace gemeinsam mit der Lampenindustrie in Brüssel erheblichen…

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