Archive for January 1, 2012

Fischer fordert “Jahr der Entscheidungen” – news.ORF.at

http://news.orf.at/stories/2097449/2097448/

Die traditionelle Neujahrsansprache von Bundespräsident Heinz Fischer stand heuer ganz im Zeichen der Euro-Krise und des kommenden Sparpakets. Fischer sieht 2012 als „Jahr der Entscheidungen“.

Regierung und Opposition forderte er neuerlich auf, bei der Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung „Verantwortungsbewusstsein“ zu zeigen. Beim Sparpaket pochte Fischer auf sozialen Ausgleich und wachstumsfördernde Maßnahmen. An die Österreicherinnen und Österreicher appellierte das Staatsoberhaupt, das Vertrauen in die EU nicht zu verlieren.
Für Schuldenbremse in Verfassung

Dank gemeinsamer Anstrengungen habe Österreich die Wirtschaftskrise bisher gut gemeistert. Nun gelte es, das Budgetdefizit „gezielt und schrittweise“ zu senken. Dafür wäre eine – am besten verfassungsrechtlich abgesicherte – Schuldenbremse ein wichtiges Instrument, sagte Fischer. „Daher unterstütze ich diesen Gedanken und appelliere mit Nachdruck an Regierung und Opposition, bei dieser ganz wichtigen Frage aufeinander zuzugehen und Verantwortungsbewusstsein zu beweisen“, so Fischer weiter.

Gleichzeitig erinnerte der Bundespräsident daran, dass es wichtig sei, bei der Bekämpfung der Krise „auf Impulse für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung nicht zu vergessen“. Man habe es daher mit einem „magischen Dreieck“ aus Sparsamkeit, dem sozialen Ausgleich dienenden zusätzlichen Einnahmen sowie wachstumsfördernden Maßnahmen zu tun.

Insgesamt zeigte sich Fischer mit dem politischen Stil unzufrieden: Die Qualität der politischen Debatten „muss dringend verbessert werden“, so die eindeutige Aufforderung des Bundespräsidenten an die Politik.
Warnung vor Kleinmut

An die Österreicherinnen und Österreicher appellierte Fischer, trotz der Verunsicherung durch die Finanzkrise das Vertrauen in die EU nicht zu verlieren. „Glaubt an Österreich, aber glaubt auch an Europa“, so der Bundespräsident in Anlehnung an ein Zitat Leopold Figls. „Wir brauchen ein entschluss- und handlungsfähiges Europa“, so Fischer.

„Das von den größten europäischen Staatsmännern der Nachkriegszeit auf den Weg gebrachte Projekt der Europäischen Integration dürfen wir daher unter keinen Umständen kleinmütig fallen lassen.“

Kritik übte Fischer daran, dass zur internationalen Regulierung der Finanzmärkte im abgelaufenen Jahr „sicher nicht genug geschehen“ sei. Für 2012 wünscht er sich eine Verbesserung des Stils und der Qualität politischer Debatten, um dem Ansehensverlust der Politik gegenzusteuern. „Alles in allem muss 2012 ein Jahr gemeinsamer Anstrengungen und ein Jahr der Entscheidungen sein“, forderte der Bundespräsident.

Security Nightmares 2012: Datenhygiene wird immer schwieriger – Golem.de

http://www.golem.de/1112/88727.html

28C3

Frank Rieger und Ron vom Chaos Computer Club schauen zum Jahresende wieder in eine düstere Zukunft. Es wird immer schwerer, Daten bei sich zu behalten, und im Internet gehen ebenfalls ständig Daten verloren.

Wie jedes Jahr haben Frank Rieger und Ron vom Chaos Computer Club die Sicherheitsprobleme des vergangenen Jahres und die Probleme der Zukunft beleuchtet, erstmals haben sie dabei auch geprüft, welche ihrer Prognosen aus dem Jahr 2001 eingetroffen sind. Unter anderem sagten sie damals Drucker mit Netzwerkschnittstellen voraus und den Internetkühlschrank. Ersteres wurde Wirklichkeit und in diesem Jahr zu einem praktischen Sicherheitsproblem. Für letzteres gab es offenbar noch kein sinnvolles Einsatzgebiet. Die beiden Hacker waren entsprechend enttäuscht.

Lustig machten sie sich über die vor zehn Jahren gängige Annahme zu Bluetooth, dass die Funkwellen nach der spezifizierten Distanz einfach aufhören, nicht weiter kommen und deshalb sicher seien. Das dies nicht zutrifft, wussten Rieger und Ron schon vor zehn Jahren und wurden darin schnell bestätigt.

Trojaner für Mobiltelefone von Nokia und Microsoft prophezeiten die beiden ebenfalls, sie rechneten aber vor zehn Jahren noch nicht damit, dass die beiden Konzerne so stark an Bedeutung verlieren würden. Trojaner in Smartphones sind allerdings bisher kein großes Problem. Eine Umfrage im Publikum zeigte einerseits, dass keiner der Smartphonebesitzer je einen Trojaner hatte und andererseits, dass ein Viertel der Hacker noch immer auf die Nutzung von Smartphones verzichtet.

Location Based Spam hat sich wider Erwarten auch nicht durchgesetzt. Ursprünglich dachten die Hacker, Bluetooth würde als Träger genutzt werden. Dem geben sie jetzt allerdings keine Chance mehr. Auch mit NFC-Spam rechnen sie nicht mehr.
Hacks im Internet sind jetzt Normalität

In ihrem sogenannten Internet-Normalitäts-Update betonen Ron und Rieger, wie billig es mittlerweile ist, jemandem zu schaden. Hacks von Webseiten kosten gerade einmal 9,99 US-Dollar. Auch in diesem Marktumfeld sind Schwellenpreise offenbar notwendig. Das Konto einer Person gibt es für 80 bis 700 Dollar und den Root-Zugang zu einem Regierungsserver für schlappe 499 US-Dollar.

Überrascht waren die beiden Hacker von einem neuen Berufsfeld, das sie in den vergangenen Security Nightmares nicht vorausgesagt hatten: Strohmänner im Internet. Ein Krimineller kauft nicht direkt in den Webshops mit seiner geklauten Kreditkartennummer ein, die er übrigens für 2 bis 99 US-Dollar bekommt, sondern lagert zum Verwischen der Spuren das Ganze zu einem Strohmann aus. Der Dienst ist auch recht günstig zu haben. Einen Internetstrohmann gibt es schon für 100 US-Dollar.

Zur “Internet-Normalität” gehört auch die Verbreitung von Schadsoftware. In Deutschland soll es zwischen 350.000 und 500.000 sogenannter Zombie-PCs geben und fast jeder dritte EU-Bürger hatte im Jahr 2010 mit Schadsoftware zu kämpfen. Zudem wiesen Ron und Rieger darauf hin, dass es pro Woche eine erfolgreiche Behördenattacke gibt.

KUMBIA QUEERS CONTROL REMOTO

http://m.youtube.com/watch?gl=US&hl=de&client=mv-google&v=ZQNE8h0j5rA

Dota und die Stadtpiraten – “Immer die Andern” – Live @ Lido Berlin Januar 2009

http://m.youtube.com/watch?gl=US&hl=de&client=mv-google&v=RrVrluQY_04

MY VERY FAVE VERSION ;-)

Dota die Kleingeldprinzessin – Menschenklone

http://m.youtube.com/watch?gl=US&hl=de&client=mv-google&v=C_tC35TIMFU

Court OKs Barring High IQs for Cops – ABC News

http://abcnews.go.com/US/story?id=95836#.TwBk24FjTRT

A man whose bid to become a police officer was rejected after he scored too high on an intelligence test has lost an appeal in his federal lawsuit against the city.

The 2nd U.S. Circuit Court of Appeals in New York upheld a lower court’s decision that the city did not discriminate against Robert Jordan because the same standards were applied to everyone who took the test.

“This kind of puts an official face on discrimination in America against people of a certain class,” Jordan said today from his Waterford home. “I maintain you have no more control over your basic intelligence than your eye color or your gender or anything else.”

He said he does not plan to take any further legal action.

Jordan, a 49-year-old college graduate, took the exam in 1996 and scored 33 points, the equivalent of an IQ of 125. But New London police interviewed only candidates who scored 20 to 27, on the theory that those who scored too high could get bored with police work and leave soon after undergoing costly training.

Most Cops Just Above Normal The average score nationally for police officers is 21 to 22, the equivalent of an IQ of 104, or just a little above average.

Jordan alleged his rejection from the police force was discrimination. He sued the city, saying his civil rights were violated because he was denied equal protection under the law.

But the U.S. District Court found that New London had “shown a rational basis for the policy.” In a ruling dated Aug. 23, the 2nd Circuit agreed. The court said the policy might be unwise but was a rational way to reduce job turnover.

Jordan has worked as a prison guard since he took the test.

Hacker drohen mit US-weitem Angriff – news.ORF.at

http://news.orf.at/stories/2097338/2097340/

Nach ihrem Cyberangriff auf die renommierte US-Sicherheitsfirma Stratfor hat die Hackergruppe Anonymous gewaltige Mengen Kundendaten ins Netz gestellt. Das sollte laut der Gruppe jedoch nur der Auftakt zu einem Cybergroßangriff sein, mit dem die Hacker die gesamten USA „von Küste zu Küste“ zum Jahreswechsel überziehen wollten.

Die lose organisierte Gruppe veröffentlichte in der Nacht zum Samstag Links, die zu 75.000 persönlichen Daten von Kunden des Unternehmens Stratfor führen sollen. Verbunden war die Veröffentlichung mit einem Aufruf zum Missbrauch der Daten, um „unheiliges Chaos über die Systeme und persönlichen E-Mail-Konten dieser reichen und mächtigen Unterdrücker zu bringen“.
„Es sind genug Worte gefallen“

Zudem sollten 860.000 Benutzernamen und E-Mail-Adressen von allen Personen verbreitet werden, die sich je auf der Firmenseite registrieren ließen. 50.000 dieser Adressen endeten auf mil oder gov – Endungen, die in den USA von Militärpersonal und Regierungsbeamten verwendet werden. Mehrere Stunden nach der Erklärung waren die Inhalte, die sich unter den Links von Anonymous finden sollten, bereits gelöscht.

„Wir rufen alle verbündeten Schlachtschiffe, alle Armeen der Dunkelheit auf, diese Passwortlisten und Kreditkarteninformationen zu nutzen und zu missbrauchen“, hieß es in der Mitteilung. Die Aktion wurde explizit dem mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning gewidmet, dem die Militärjustiz den Prozess machen will. „Wollt ihr ihn noch immer lebenslang einsperren? Denkt ihr noch immer, wir machen nur Spaß? Das ist in Ordnung. Es sind genug Worte gefallen.“
Daten u. a. von Quayle, Kissinger, Woolsey

Stratfor bestätigte in einer Erklärung indirekt, dass die verbreiteten Daten authentisch sind. Es handle sich dabei aber „nicht um eine neue Cyberattacke, sondern um Informationen, die bei einem früheren Eindringen in das System gestohlen worden waren“, bemühte sich das Unternehmen um Schadensbegrenzung. Die Firma berät ihre Kunden in wirtschaftlichen, sicherheitsrelevanten und weltpolitischen Fragen. Sie wird von Kritikern auch als „Schatten-CIA“ bezeichnet.

Unter anderem hatten die Hacker Daten des früheren US-Vizepräsidenten Dan Quayle, von Ex-Außenminister Henry Kissinger und des ehemaligen CIA-Direktors Jim Woolsey erbeutet sowie E-Mail-Adressen von den Rüstungskonzernen Boeing und Lockheed Martin, den Geldhäusern Bank of America und Goldman Sachs sowie dem Ölmulti Exxon Mobil. Mit den Kreditkartendaten einiger Betroffener tätigten die Hacker offenbar auch Überweisungen an karitative Organisationen.
Drohung ernst zu nehmen?

Anonymous war mit Onlineangriffen auf Gegner der Enthüllungsplattform WikiLeaks bekanntgeworden. Die Hacker hatten unter anderem Angriffe gegen das Kreditkartenunternehmen Visa und den Internet-Bezahldienstleister PayPal gestartet, die auf Druck der US-Regierung keine Überweisungen mehr an WikiLeaks weiterleiten wollten. Die Anonymous-Bewegung setzt sich für den freien Datenfluss, Redefreiheit und gegen Zensur ein. Die Hacker sind aber nur lose organisiert. Im Prinzip kann jeder unter dem Signet Anonymous agieren, ohne dass das Gegenteil bewiesen werden kann.

Unklar ist so auch, was von der gegenwärtigen Drohung zu halten ist, man werde zum Jahreswechsel US-Justizbehörden und „mehrere Ziele der US-Sicherheitsbehörden im ganzen Land“ angreifen. In der Erklärung ist daneben etwa wenig nachvollziehbar von „Protesten des Lärms“ vor Gefängnissen überall auf der Welt die Rede, „um Solidarität mit all jenen zu zeigen, die eingesperrt sind“. Neben derart nebulösen Ankündigungen haben die Hacker offenbar zumindest ein reales Druckmittel in der Hand: Mail-Verkehr aus Stratfor-Servern.
„Dynamit“ in Händen der Hacker

Die Gruppe ließ über den Kurznachrichtendienst Twitter wissen, die Stratfor-Mails würden zeigen, dass „Stratfor nicht die ‚harmlose Firma‘ ist, als die sie sich gern darstellen will“. Der Sicherheitsexperte Jeffrey Carr sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Mails wären „Dynamit“ und „könnten Gegner der US-Regierung mit einer Menge nützlicher Informationen versorgen“. Das Pentagon erklärte, man sei sich noch keiner Gefahr bewusst.

Täuschung als Lebenswirklichkeit | denkbonus

http://denkbonus.wordpress.com/2011/12/31/tauschung-als-lebenswirklichkeit/

Wir leben in einer Welt der Täuschung. Daran ist im Grunde nichts auszusetzen. Wurden früher Kriege fast ausschließlich durch Töten gewonnen, so werden sie heute nicht zuletzt durch Täuschung gewonnen. Und es ist allemal besser, getäuscht zu werden, als getötet zu werden.

Philosophischer Exkurs – Zugleich birgt diese Sicht der Dinge Risiken. Denn wenn die Täuschung vollständig unsere Welt regierte, dann würde sich unsere Wirklichkeit über kurz oder lang vor unseren Augen in Rauch auflösen. Wo die Täuschung regiert, ist für Realität kein Raum und ohne Realität kann es auch keine Wirklichkeit geben. Kein Wunder, dass die Menschen immer verunsicherter sind, da es nichts mehr gibt, woraus sie sich verlassen können. Experte A ist dafür und überhäuft uns zu diesem Zweck mit dreisten Lügen. Experte B ist dagegen und lügt dabei ebenso schonungslos. Ein dritter Experte enthält sich und begründet dies ebenfalls mit Lügen. So lässt sich die Wirklichkeit beliebig in unseren Köpfen formen, da die derzeit vorherrschende Scheinwirklichkeit dadurch in unseren Köpfen überhaupt erst formbar wird. Da inzwischen so gut wie alles, was in die Öffentlichkeit getragen wird, aus Lügen besteht, fehlt uns das Referenzmodell Wahrheit. Wir können nicht mehr vergleichen zwischen wahr und unwahr, da alles unwahr ist und Vergleichswerte somit entfallen. Diese Wirklichkeit, erschaffen von Tagesschau&Co, von Politikern und ‘Experten’, wird sich schließlich komplett zerlegen, da sie so gut wie vollständig erlogen ist und daher niemals auf Dauer wird bestehen können. Folglich wird an deren Stelle die nackte Gewalt treten müssen, um das kommende System am Leben zu erhalten. Die bislang weiche Dikatur der Lüge wird einer harten Diktatur der Abschreckung weichen müssen.

Wenn die Hirnwäsche der Menschheit, ausgeführt durch die Medien und Bildungsstätten, erst einmal vollständig abgeschlossen ist, dann wird es zwei Kreise geben. Den der freien Geister und den der regierten große Masse an Produktionszombies, die, komplett enthirnt, zu nichts anderem mehr fähig sein werden, als Befehle zu empfangen und diese auszuführen. Dies ist die Vorstellung unserer schönen, neuen Weltordnung, die uns alle glücklich machen soll, aus Sicht der sogenannten ‘Eliten’. Maximale Sklaverei zugunsten einer, aus humanitärer als auch psychatrischer Sicht betrachtet, völlig rückständigen Elite. Mehr als sieben Milliarden Menschen kämpfen dagegen an und es wird hart werden. Das Einzige, was uns davor retten kann, ist der Unsicherheitsfaktor Mensch. Möge er den Sieg davontragen.

Allen meinen Lesern ein herzliches Dankeschön und

ein gutes neues Jahr

denkbonus

Seehofer will Vorratsdatenspeicherung zur Chefsache machen – Yahoo!

http://de.nachrichten.yahoo.com/seehofer-will-vorratsdatenspeicherung-chefsache-094704192.html

CSU-Chef Horst Seehofer will die Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung zur Chefsache machen, wenn die zuständigen Minister weiter keinen Kompromiss finden. “Regierungen sind dazu da, dass sie regieren, also entscheiden”, sagte der bayerische Ministerpräsident der “Bild am Sonntag”. Wenn sich die Minister für Justiz und Inneres, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Hans-Peter Friedrich (CSU), nicht einigen könnten, “dann sollten sie das den drei Parteivorsitzenden sagen, damit wir das dann in der Koalition unter Beteiligung der Fachpolitiker entscheiden”.

Pirahã alphabet, prounciation and language

http://www.omniglot.com/writing/piraha.php

Pirahã is thought to be the last surviving member of the Mura language family. It is spoken by about 150 people, who live along the Maici river, a tributary of the Amazon in Amazonas State of Brazil.

Pirahã has one of the smallest inventories of phonemes of any living language. There are differences in the way men and women pronounce some of the phonemes. There are only two numerals, “one” and “two”; no colours, other than “light” and “dark”, and there’s a word that means both mother and father. As well as being spoken, the language can also be whistled or hummed.
Pirahã pronunciation

Sample

Tíobáhai hi báaiso kohoaihíaisóogabagaí. Tí ‘ísi báaiso ‘ogabagai, gíiai ‘ogihíaihiaba. Tíobáhai hi ‘ísi báaiso ‘oaboihaí. ‘Ahoakohoaihio ‘ísi kaopápihaí.
Links

Information about the Pirahã languages
http://en.wikipedia.org/wiki/Pirahã_language http://www.socioambiental.org/pib/epienglish/piraha/ling.shtm

http://itre.cis.upenn.edu/~myl/languagelog/archives/001387.html

http://www.sil.org/americas/brasil/LANGPAGE/EnglPHPg.htm

Pirahã Dictionary / Dicionário Mura-Pirahã

http://orbita.starmedia.com/~i.n.d.i.o.s/piraha1.htm

Audio sample of sung Pirahã — two boys singing about a day’s events

http://www.llc.ilstu.edu/dlevere/Audio/song.mov

image

Life without numbers in a unique Amazon tribe. Piraha apparently can’t learn to count and have no distinct words for colors.

http://www.jcrows.com/withoutnumbers.html

Piraha apparently can’t learn to count and have no distinct words for colours

By STEPHEN STRAUSS
Friday, August 20, 2004 – Page A3

http://www.theglobeandmail.com/servlet/ArticleNews/TPStory/LAC/20040820/NUMBERS20/TPScience/

1+1=2. Mathematics doesn’t get any more basic than this, but even 1+1 would stump the brightest minds among the Piraha tribe of the Amazon.

A study appearing today in the journal Science reports that the hunter-gatherers seem to be the only group of humans known to have no concept of numbering and counting.

Not only that, but adult Piraha apparently can’t learn to count or understand the concept of numbers or numerals, even when they asked anthropologists to teach them and have been given basic math lessons for months at a time.

Their lack of enumeration skills is just one of the mental and cultural traits that has led scientists who have visited the 300 members of the tribe to describe the Piraha as “something from Mars.”

Daniel Everett, an American linguistic anthropologist, has been studying and living with Piraha for 27 years.

Besides living a numberless life, he reports in a separate study prepared for publication, the Piraha are the only people known to have no distinct words for colours.

They have no written language, and no collective memory going back more than two generations. They don’t sleep for more than two hours at a time during the night or day.

Even when food is available, they frequently starve themselves and their children, Prof. Everett reports.

They communicate almost as much by singing, whistling and humming as by normal speech.

They frequently change their names, because they believe spirits regularly take them over and intrinsically change who they are.

They do not believe that outsiders understand their language even after they have just carried on conversations with them.

They have no creation myths, tell no fictional stories and have no art. All of their pronouns appear to be borrowed from a neighbouring language.

Their lack of numbering terms and skills is highlighted in a report by Columbia University cognitive psychologist Peter Gordon that appears today in Science.

Intrigued by anecdotal reports that Prof. Everett and his wife Keren had presented about the mathlessness of Piraha life, Prof. Gordon conducted a number of experiments over a three-year period.

He found that a group of male tribe members — women and children were not involved because of certain cultural taboos — could not perform the most elementary mathematical operations.

When faced with a line of batteries and asked to duplicate the number they saw, the men could not get beyond two or three before starting to make mistakes.

They had difficulty drawing straight lines to copy a number of lines they were presented with. They couldn’t remember which of two boxes had more or less fish symbols on it, even when they were about to be rewarded for their knowledge.

A significant part of the difficulty related to their number-impoverished vocabulary.

Although they would say one word to indicate a single thing and another for two things, those words didn’t necessarily mean one or two in any usual sense. “It is more like oneish and twoish,” Prof. Gordon said in an interview.

Prof. Everett, who now teaches at the University of Manchester in England and who unlike Prof. Gordon is a fluent Piraha-speaker, takes issue even with the “ishness” of the Piraha numbers.

“The word he [Gordon] translates as ‘one’ means just a relatively small amount, the word for ‘two’ means a relatively bigger amount,” he said in an interview from Brazil.

Prof. Everett points out that when the Piraha are talking and use the “oneish” word to talk about something such as fish, you can’t tell whether they are describing a single fish, a small fish, or one or two fish.

Linguists and anthropologists who have seen both the Everett and Gordon studies are flabbergasted by the tribe’s strangeness, particularly since the Piraha have not lived in total isolation.

The tribe, which lives on a tributary river to the Amazon, has been in contact with other Brazilians for 200 years and regularly sells nuts to, and shares their women with, Brazilian traders who stop by.

“Why they have been resistant to adopting Western number systems is beyond me,” Ray Jackendoff of Brandeis University, a past president of the Linguistic Society of America, said in an interview.

Prof. Gordon said the findings are perhaps the strongest evidence for a once largely discredited linguistic theory.

More than 60 years ago, amateur linguist Benjamin Lee Whorf argued that learning a specific language determined the nature and content of how you think.

That theory fell into intellectual disrepute after linguist Noam Chomsky’s notions of a universal human grammar and Harvard University professor Steven Pinker’s idea of a universal language instinct became widely accepted.

“The question is, is there any case where not having words for something doesn’t allow you to think about it?” Prof. Gordon asked about the Piraha and the Whorfian thesis. “I think this is a case for just that.”

Prof. Everett argues that what the Piraha case demonstrates is a fundamental cultural principle working itself out in language and behaviour.

The principle is that the Piraha see themselves as intrinsically different from, and better than, the people around them; everything they do is to prevent them from being like anyone else or being absorbed into the wider world. One of the ways they do this is by not abstracting anything: numbers, colours, or future events.

“This is the reason why the Piraha have survived as Piraha while tribes around them have been absorbed into Brazilian culture,” Prof. Everett said.

Nevertheless, the Piraha’s lives and lifestyles are so strange that other anthropologists have raised the question of whether inbreeding — their lack of number skills apparently makes it difficult for the Piraha to identify kin — has resulted in a tribe of intellectually handicapped people.

Both Prof. Everett and Prof. Gordon say that they have seen no examples of this and that the Pirahas’ fishing, hunting and even joking skills seem equal to those of people elsewhere.

Isolated Tribe Spotted in BrazilJ.CROW’S®

Brazil tribe prove words count
When it comes to counting, a remote Amazonian tribespeople have been found to be lost for words.
Researchers discovered the Piraha tribe of Brazil, with a population of 200, have no words beyond one, two and many.

The word for “one” can also mean “a few”, while “two” can also be used to refer to “not many”.

Peter Gordon of Columbia University in New York said their skill levels were similar to those of pre-linguistic infants, monkeys, birds and rodents.

He reported in the journal Science that he set the tribe simple numerical matching challenges, and they clearly understood what was asked of them.

“In all of these matching experiments, participants responded with relatively good accuracy with up to two or three items, but performance deteriorated considerably beyond that up to eight to 10 items,” he wrote.

Language theory

Dr Gordon added that not only could they not count, they also could not draw.

“Producing simple straight lines was accomplished only with great effort and concentration, accompanied by heavy sighs and groans.”

The tiny tribe live in groups of 10 to 20 along the banks of the Maici River in the Lowland Amazon region of Brazil.

Dr Gordon said they live a hunter-gatherer existence and reject any assimilation into mainstream Brazilian culture.

He added that the tribe use the same pronoun for “he” and “they” and standard quantifiers such as “more”, “several” and “all” do not exist in their language.

“The results of these studies show that the Piraha’s impoverished counting system truly limits their ability to enumerate exact quantities when set sizes exceed two or three items,” he wrote.

“For tasks that required cognitive processing, performance deteriorated even on set sizes smaller than three.”

The findings lend support to a theory that language can affect thinking.

Linguist Benjamin Lee Whorf suggested in the 1930s that language could determine the nature and content of thought.

Story from BBC NEWS:

http://news.bbc.co.uk/go/pr/fr/-/2/hi/americas/3582794.stm

Published: 2004/08/20 12:38:00 GMT

© BBC MMIV

Eine Welt ohne Zahlen und ohne Farben | Telepolis

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18153/1.html

Herbert Hasenbein 21.08.2004
Apaitsiiso – die Sprache, die aus dem Kopf geboren ist

In der Linguistik besagt die Sapir-Whorf-Hypothese, dass es bestimmte Gedanken in einer Sprache gibt, die von jemandem, der eine andere Sprache spricht, nicht verstanden werden können. Der Denkprozess, so die Argumentation, wird wesentlich durch die Muttersprache und ihre Besonderheiten beeinflusst.
 

Der zentrale Gedanke dieser Hypothese ist die Idee von der linguistischen Relativität: die Bedeutungsunterschiede zwischen verwandten Begriffen in einer Sprache gelten nur für diese Sprache. So heftig die Hypothese zunächst abgelehnt wurde, so scheint sie inzwischen doch wieder an Bedeutung zu gewinnen.

Sie brauchen keine Zahlen

Was, wenn eine Sprache weder Zahlen noch Farben kennt? Diese Frage stellte sich Peter Gordon von der Columbia Universität in Sciencexpress. Durch den Kontakt mit D.I. Everett, der seit den 80er-Jahren die Sprache der Pirahã studiert, besuchte er die Menschen am Maici-Fluss im Amazonasgebiet.

Die Pirahã (oder Muta-Pirahã) bilden eine Gruppe von 200-300 Menschen, die sich weder als Indianer noch als Brasilianer sehen. Ihre Sprache, Apaitsiiso, zeichnet sich durch den Mangel an Zahlwörtern aus. “Eins”, “zwei” und “viele” sind die Begriffe, mit denen sie den jeweiligen Zustand beschreiben. Selbst der Verdacht, es handle sich um die binäre Computersprache mit ein und aus (0 und 1), lässt sich nicht aufrecht halten, weil es keine daran anschließende Zahlenfolge gibt. Tatsächlich wird “eins” auch für eine kleine Zahl von 2-3 Stücken benutzt, und “zwei” steht für eine größere Anzahl, die wiederum im Unterschied zu “vielen” gesehen wird.

Die Experimente von Peter Gordon beziehen sich auf Untersuchungen mit sieben Teilnehmern, davon eine Frau. Dabei geht es um Gedächtnisübungen und Versuche zur räumlichen Vorstellung, die anhand von Stöcken, Nüssen und Batterien geprüft wurden. Die wesentlichen Aussagen sind, dass die Teilnehmer bei kleinen Zahlen und dann wieder bei 7-10 hinreichend rechnen, weil die größere Zahl eine Trennung in kleine Abschnitte ermöglicht. Versuche mit einer Vorlage von Strichen, die zu zählen und nachzuzeichnen sind, scheitern dagegen völlig. Zwei Tests mit Nüssen oder Bonbons, in denen die zeitliche Abfolge geprüft wurde, sind bei mehr als 3-4 Vorgaben unbrauchbar.

Die Pirahã sind keineswegs “zurückgeblieben”. Ihre Sprachkenntnis, ihr räumliches Vorstellungsvermögen und ihr Umgang beim Fischen und Jagen sind bemerkenswert. Die Zuordnung zu Zahlen spielt für diese Menschen offenbar keine Rolle. Die Fische, die gefangen werden, sind entweder wenige oder viele. Bei der Jagd wird nur ein Tier, bestenfalls zwei Tiere erlegt. Im Krieg sind die Feinde ein, zwei oder viele Angreifer. Dass Zahlen für den Bewohner des tropischen Regenwaldes keine Bedeutung haben, liegt in den natürlichen Lebensbedingungen begründet.

Ein anderer Lebensrhythmus

Die Aufgabe des Mannes ist “das Fischen” für die Frauen. Zusätzlich gliedert sich sein Leben in die Trocken- und die Regenzeit. Während der Trockenzeit findet das Leben an den Stränden des Flusses statt. Das sind die Zeiten, in denen die Nahrung gesammelt und Feste gefeiert werden. In der Regenzeit verlagert sich das Leben in das Hochland. Damit verbunden ist die Auftrennung in Familiengruppen, die selten mehr als 10-20 Personen umfassen. Jetzt beginnt die Zeit der Jagd, bei der ein Mann mit dem Pfeil dem Tier nachstellt, während die Frauen mit den Hunden kleinere Tiere aufspüren. Allerdings, so weiß D.I. Everett zu berichten, ist das Leben der Pirahã keineswegs von der Jagd oder dem Sammeln angefüllt. Das liegt an den wiederholten Schlafperioden. Sie finden mehrfach am Tag und in der Nacht statt, jeweils nur bis zu zwei Stunden. Deswegen sind die Übrigen nicht untätig: sie reden miteinander oder beschäftigen sich mit anderen Dingen. Auch wird für den Fischfang oder das Sammeln von Nüssen selten mehr als ein bis zwei Stunden täglich vertan. Selbst der Bau einer Hütte braucht wenig mehr als einen Tag.

Ihre Sprache, die noch vor einem Jahrzehnt als aussterbend angesehen wurde, ist seit 1991 durch die FUNAI (Fundacao Nacional do Indios) und CIMI (Conselho Indigenista Missionario) gefördert worden. Während die Bevölkerung 1979 von einem Missionar noch mit 107 Mitgliedern angegeben wurde, ist die Zahl heute auf 200-300 Personen angestiegen. Apaitsiiso” nennen sie ihre Sprache, weil sie “direkt aus dem Kopf geboren ist” und sich sowohl vom Portugiesischen der Brasilianer als auch den Sprachen der übrigen Indianer unterscheidet. Ihre Kinder bekommen bereits vor der Geburt ihren ersten Namen, der zur “Ausbildung ihres Körpers” notwendig ist. Während ihres Lebens erhalten sie weitere Namen, sei es durch den Glauben an ihre Umgebung, sei es von den Feinden, die sie besiegt haben.

Die Pirahã haben sich viel zu erzählen. Dennoch läuft ihr Gespräch in anderer Weise ab, als es bei uns üblich ist. Nicht geordnet wie im Deutschen oder Englischen. Die Texte geben eine aktuelle Situation oder ihre Erfahrung wider. Ihre Worte stehen nebeneinander und sind niemals in einen größeren Zusammenhang eingebettet. Farbempfindungen sind ebenfalls unbekannt.

Auch in der Gebärdensprache unterscheiden sie sich von uns: sie zählen nicht mit den Fingern und benutzen die Finger nicht, um etwas zu zeigen. Dafür werden Hände, Füße und der Körper für die Orientierung verwendet. Und noch etwas bestimmt ihre Welt: sie bleiben seit 200 Jahren monolingual. Sie haben keinen Grund, eine andere Sprache zu lernen als die, “die aus dem Kopf geboren ist”. Dafür eignet sich ihre Sprache sowohl zum Pfeifen wie auch zum Brummen. Eigenschaften, die beispielsweise im Krieg oder bei Auseinandersetzungen mit anderen Menschen eine Rolle spielen.

Englisch ein Esperanto?

Mark Abley hat unlängst in seinem Buch Spoken Here berichtet, dass 6.000 Sprachen auf der Welt gesprochen werden und statistisch alle zwei Wochen eine Sprache verschwindet. Englisch wird als neue Lingua Franca angesehen. Dennoch beginnt die englische Sprache, dem Latein der Römerzeit zu ähneln: In den südlichen Staaten der USA setzt sich das Spanische durch und in Kanada gibt es eine neue Auflage des Wörterbuchs zum kanadischen Englisch, das sich vom britischen und amerikanischen Englisch unterscheidet. Zudem fördert der allgemeine Widerstand gegen die USA die arabische und chinesische Sprache. In Deutschland und China beginnt dagegen die Rückbesinnung auf die alte Rechtschreibung, weil die neue nicht in das Leben mancher Bürger passt.

Fotogalerie: Pirahã, die Ureinwohner Brasiliens – Fernziele – GEO.de

http://www.geo.de/GEO/reisen/fernziele/62676.html

An einem Nebenfluss im Amazonasgebiet leben die Pirahã. Ein Indianervolk vollkommen abgeschieden von der Zivilisation – und mit einer ureigenen Sprache, die Forscher auf der ganzen Welt interessiert

Das umstrittenste Indianervolk unserer Zeit lebt an einem Nebenfluss im Amazonasgebiet, in einem Reservat von 240 Kilometer Länge, zwei Tagesreisen mit dem Boot von den Außenrändern unserer Zivilisation entfernt. Die Pirahã leben dort, wie sie es schon immer getan haben – als Jäger und Sammler, in schlichten Hütten, ohne Wände und festen Boden und Elektrizität. Keinen von ihnen trieb es je in die Stadt. Ihre Sprache ist mit keiner lebenden mehr verwandt. Diese Sprache ist es, die dazu geführt hat, dass Wissenschaftler an den besten Universitäten der Welt einen heftigen Streit über die Pirahã führen.

Keine Wörter für Zahlen und Farben

Sie ist merkwürdig, diese Sprache: Sie besitzt nur drei Vokale und sieben Konsonanten (acht für die Männer); kann gesungen werden, gesummt und gepfiffen. Vor allem aber fehlen ihr viele Elemente, die wir für natürlich halten: Die Pirahã haben keine Wörter für Zahlen, keine für Farben, keine für gestern und heute. Und sie bilden keine Nebensätze. Das zumindest behauptet der Linguist Daniel Everett, ein Amerikaner, der jahrelang bei den Pirahã lebte und sich mit ihnen verständigen kann wie niemand sonst. Everett glaubt: Wie die Pirahã sprechen, ist eng mit ihrer Lebensweise verknüpft. Diese Indianer, sagt Everett, lehnen alles Abstrakte ab; sie kümmern sich nur um das Erfahren des Augenblicks. Darum fehlen ihrer Sprache die Nebensätze: Die Pirahã verbinden niemals zwei einzelne Aussagen (“der Mann hat ein Kanu”, “der Mann fällt einen Baum”) zu einer (“der Mann, der ein Kanu hat, fällt einen Baum”), weil der Einschub aus dem direkten Erleben herausfällt, aus dem, was unmittelbar relevant ist.

Das Video zeigt, wie die Fotoaufnahmen mitten im Dschungel entstanden sind
Universale Grammatik: der gemeinsame Nenner aller Menschen?

Für viele Linguisten sind Everetts Behauptungen ein Affront, ein Skandal. Diese Forscher gehen nämlich davon aus, dass die Fähigkeit, komplexe Satzstrukturen zu bilden, in unseren Hirnen genetisch angelegt ist, mehr noch: Es ist diese Fähigkeit, sagen Everetts Gegner, die uns Menschen, als Sprach- und Kulturwesen, vom Tier unterscheidet. Wie sonst sollten wir neue, nie gehörte Aussagen erzeugen als mittels der unbegrenzten Kombination von Wörtern? Setzen wir uns nicht dadurch von Schimpansen ab, dass wir unendlich lange Sätze bilden können? Und: Ist es nicht diese “Universale Grammatik”, die eben allen Menschen zukommt – als kleinster gemeinsamer Nenner der knapp 7000 lebenden Sprachen?

Falsch, sagt Daniel Everett. Kein universales Prinzip herrscht im Maschinenraum unserer Sprache, der Grammatik. Sondern die Kultur. Und deshalb unterscheiden sich Sprachen je nach Lebensraum, je nach den Wertmaßstäben einer Gemeinschaft bis ins Innerste voneinander. Es gebe kein besseres Beispiel für diese These als die Pirahã, behaupten Everett und seine Anhänger.

Porträtfotograf Martin Schoeller im Urwald

Im Sommer 2009 reiste eine GEO-Expedition in das Indianerreservat am Maici-Fluss. Mit an Bord: der Fotograf Martin Schoeller – der in New York lebende Deutsche ist der berühmteste Porträtfotograf unserer Zeit. Für seine “Close Up”-Bilder setzt er Menschen in ein mobiles, abgedunkeltes Fotostudio und leuchtet ihre Gesichter mit Neonröhren aus, die Tageslicht haben. So kommt Schoeller seinen Modellen im Wortsinne nahe – auf den Portraits erkennt man noch die feinsten Gesichtszüge, und die Augen stechen stark hervor.

Viele Berühmtheiten saßen schon in Schoellers Studio, Barack Obama etwa, Angelina Jolie oder Jürgen Klinsmann. Nun also die Pirahã. Noch rast der Streit um Everetts Thesen, noch ist nicht entschieden, ob diese 350 Indianer tatsächlich die Idee einer menschlichen “Ursprache” widerlegen – durch seine fotografische Annäherung indes ist es Schoeller schon jetzt gelungen, das Leben dieser Menschen in einmaliger Weise zu dokumentieren.

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Diese beiden Hörbeispiele verdeutlichen, wie speziell die Sprache der Pirahã ist:

Sprachwissenschaft: Die rätselhafte Sprache der Pirahã-Indianer | Wissen | ZEIT ONLINE

http://www.zeit.de/wissen/2010-09/amazonas-piraha-indianer

Sie haben keine Wörter für Farben und Zahlen. Gestern und heute kennen sie nicht. Daniel Everett wollte die Pirahã am Amazonas missionieren. Stattdessen bekehrten sie ihn.

Der brasilianische Regenwald – Heimat der Pirahã

Kein Zweifel, der Dschungel ist voller Gefahren, vor allem nachts. Und wer weniger schläft, der härtet sich ab, so glauben die Pirahã (gesprochen: Pidahan). Als eines der letzten Jäger- und Sammler-Völker leben sie an einem Nebenfluss des Amazonas in Brasilien, in einem Reservat von 240 Kilometern Länge, zwei Tagesreisen mit dem Boot von den Außenrändern unserer Zivilisation entfernt. Es sind kaum mehr als 350 Menschen, die noch heute weitgehend ohne zivilisatorische Errungenschaften auskommen, mit einfachen Hütten ohne Wände und festen Boden, ohne Strom, Telefon und auch ohne Arzt.

Daniel Everett kam erstmals 1977 als Missionar zu ihnen, im Auftrag eines amerikanischen Missionsunternehmens und bezahlt von den evangelikalen Kirchen in den Vereinigten Staaten. Er kam, die Pirahã zum Christentum zu bekehren, “um ihre Herzen zu verändern”, und sie dazu zu bringen, einen ihnen fremden Gott anzubeten, an den ihnen fremde Menschen glaubten, deren Kultur und Moral sie annehmen sollten. “Obwohl ich die Pirahã noch nicht einmal kannte, war ich überzeugt, dass ich sie verändern kann und verändern sollte.”

Das sei der Hintergrund nahezu jeder Missionstätigkeit, schreibt Everett heute, nachdem er die Pirahã über drei Jahrzehnte immer wieder besucht und mit Frau und drei Kindern über Jahre immer wieder bei ihnen im brasilianischen Regenwald gelebt hat. Doch am Ende ist er es, der dank dieses Lebens bei den Pirahã “entkehrt” wird. Als Everett seinen Glauben verliert, verliert er auch seine Familie.

Zusammengenommen sieben Jahre hat Everett, der heute Professor für Linguistik an der Universität von Illinois ist, seit seinem ersten Besuch bei den Pirahã im Urwald verbracht. In seinem Reise- und Lebensreport Das glücklichste Volk schildert er nicht nur den Alltag eines Feldforschers am Amazonas.

Sein Buch ist zugleich die Geschichte eines physischen wie auch intellektuellen Abenteuers. Die Lektüre ist dabei geradezu eine Wohltat, denn Everetts Bericht kommt nicht daher als massentaugliche Hochdruckbelehrung über die vermeintlich sinnstiftenden Reiseabenteuer eines fernseherprobten Laien-Wanderpredigers, wie der Buchmarkt sie ansonsten bereithält. Hier berichtet einer unaufgeregt, aber hautnah und authentisch von seiner tatsächlich ungewöhnlichen Reise zu einem – wie er meint – wahrhaft glücklichen Volk in einem bis heute verborgenen Winkel der Welt; zu Menschen, die sich beim Gutenacht-Sagen mit den Worten verabschieden: “Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen”.

Fesselnd erzählt Everett von einer uns völlig fremden Welt, eröffnet einen faszinierenden Einblick in eine fremde Lebensweise, eine andere Sicht auf die Welt und vor allem eine ganz andere Art zu denken. Sein Buch mäandriert dabei auf gelungene Weise zwischen Abenteuer- und anthropologischem Forschungsbericht, der zudem beinahe beiläufig Einblicke in die Erkenntnisse der Linguisten erlaubt. Denn um Menschen zu bekehren, mussten Missionare überall auf der Erde zunächst die Sprache der Einheimischen lernen. Die Pirahãs machten es Everett wie schon seinen Vorgängern nicht leicht. Das Naturvolk blieb monolingual, weil es in seiner Abgeschiedenheit des Amazonas keinen Grund hatte, etwas anderes zu lernen als “Apaitsiiso” – jene Sprache, “die aus dem Kopf geboren ist”.

Pirahã language – Wikipedia, the free encyclopedia

http://en.wikipedia.org/wiki/Pirahã_language

Pirahã people – Wikipedia, the free encyclopedia

http://en.wikipedia.org/wiki/Pirahã_people

Pirahã – Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Pirahã

Das glücklichste Volk der Welt – tagesanzeiger.ch

http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Das-gluecklichste-Volk-der-Welt/story/28157347

Mit 26 Jahren zieht der Missionar Daniel Everett in den brasilianischen Urwald, um den Stamm der Pirahã zu bekehren. Sieben Jahren später verlässt er die Indianer – seinen Glauben hat er verloren.

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Die Pirahã leben an einem Nebenfluss des Amazonas. Die etwa fünfhundert Indianer kommen ohne die Errungenschaften der modernen Zivilisation aus
Illinois State University

Daniel Everett hat einen klaren Auftrag: Die Bibel in die Sprache der Pirahã zu übersetzen. Also macht sich der Amerikaner 1977 mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf den Weg in den brasilianischen Urwald zum Maici, einem Nebenfluss des Amazonas, wo der Indianerstamm ohne Errungenschaften der modernen Zivilisation lebt. Sieben Jahre lang bleibt Everett bei den Pirahã, lernt ihre Sprache, eignet sich ihre Lebensweise an. Das Buch, in welchem der heutige Anthropologe und Linguist seine Erlebnisse erzählt, ist nun auf Deutsch erschienen; Die «Süddeutsche Zeitung» hat es sich genauer angeschaut.

Everett, der gläubige Christ, wird von den etwa fünfhundert Pirahã-Indianern fröhlich empfangen. Sie nehmen ihn auf, er wohnt mit ihnen, studiert ihr alltägliches Leben. Er beobachtet sie beim Fischen, Jagen, Beerensammeln und Maniokausgraben. Eines fällt ihm dabei von Anfang an auf: «Alle schienen glücklich zu sein. Jedes Gesicht zierte ein Lächeln», schreibt er. Mit der Zeit beginnt er, ihre Sprache zu lernen. Diese ist aussergewöhnlich: Die Pirahãs kennen weder Farbbezeichnungen wie rot und gelb noch Zahlen, und folglich können sie auch nicht rechnen.

Leben im Jetzt

Auch sprechen sie nicht über Dinge, die sie nicht selbst erlebt haben: die ferne Vergangenheit also, Fantasiegebilde oder die Zukunft. Das wird Everett bewusst, als er das Wort «xibipíío» lernt. Er hört es beispielsweise, wenn ein Jäger aus dem Dschungel kommt oder ein Boot hinter einer Flussbiegung auftaucht. Die Pirahãs benutzen es auch, wenn ein Flugzeug vorbei fliegt, oder wenn ein Zündholz erlischt. «Schliesslich wurde mir klar, dass dieser Begriff das benennt, was ich als Erfahrungsschwelle bezeichne: den Vorgang, die Wahrnehmung zu betreten und zu verlassen.» Wichtig ist für die Indianer nur die stattfindende Gegenwart, das Jetzt.

Darum verlaufen alle Missionierungsversuche Everetts im Sande. Weil nur über das unmittelbar Erlebte gesprochen wird, kennen die Piraha weder Schöpfungsmythen noch andere Überlieferungen. Sie interessien sich schlicht nicht für Jesus. «Wir sind keine Amerikaner. Wir sind Pirahã, und Pirahã glauben nicht an Jesus», sagen sie. Dass Everett ihnen keinen lebenden Augenzeugen für Christus Existenz vorführen kann, macht sie umso skeptischer. «Hast du ihn gesehen, welche Hautfarbe hat er, wie gross ist er?», fragen sie. Everett entgegnet, dass weder er noch andere Jesus gesehen haben. «Also niemand, den du kennst, hat ihn gesehen? Warum erzählst du uns dann von ihm? Wir würden nie über etwas sprechen, wofür wie keine Beweise haben.»

«Glücklicher als Christen»

Darauf wendet sich Everett von der Religion ab, seine Ehe zerbricht. Das einfache Lebensglück der Pirahã hat ihn bekehrt. «Das Aussergewöhnlichste, das den Menschen auffällt, die die Pirahã mit mir besuchen, ist ihre Zufriedenheit. Wie sie einfach den ganzen Tag am Strand sitzen und hungern oder fischen.» Everett bewundert ihre Belastbarkeit und ihre Fähigkeit, mit Problemen umzugehen; es sei aber nicht so, dass ihr Leben einfacher wäre als unseres. Everetts Fazit: «Ich stellte fest, dass sie bereits glücklicher waren als alle Christen, die ich kannte», sagt er. «Sie sind glücklicher wegen ihrer inneren Kraft und der kulturellen Werte, die westliche Kulturen nicht mehr besitzen.»
(cha)

Erstellt: 23.03.2010, 11:16 Uhr

Das glücklichste Volk: Nur das unmittelbar Vorhandene zählt – FAZ

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/daniel-l-everett-das-gluecklichste-volk-nur-das-unmittelbar-vorhandene-zaehlt-1957848.html

25.03.2010  ·  Ein wunderbarer und zutiefst verstörender Erfahrungsbericht: Der Ethnologe Daniel Everett hat jahrelang mit den Pirahã-Indianern am Amazonas gelebt.
Von Karl-Heinz Kohl
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A
ls Claude Lévi-Strauss vor über achtzig Jahren seine Expedition zu den letzten noch unberührten Indianervölkern Brasiliens unternahm, traf er im Innern des Mato Grosso auf eine Gesellschaft, die ihm im Nachhinein wie eine Verwirklichung von Rousseaus Utopie erschien. Die Nambikwara, ein Volk von Jägern und Sammlern, verfügten nur über die allernotwendigsten materiellen Güter, und ihre soziale Ordnung war auf das Wesentliche reduziert: die Kernfamilie, ein schwach ausgebildetes Häuptlingstum und ein paar rudimentäre Verwandtschaftsregeln. Die Gesellschaft der Nambikwara war so einfach strukturiert, dass sie sich – wie er in den „Traurigen Tropen“ schrieb – letztlich der soziologischen Erfahrung entzog. Denn eigentlich bestand sie nur noch aus Individuen.

Diese vielzitierte Passage aus dem Reisebericht des großen französischen Ethnologen kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man Daniel Everetts Beschreibung der brasilianischen Pirahã liest. Auch diese knapp 400 Personen zählende Gesellschaft, die an einem Nebenfluss des Amazonas vom Jagen, Sammeln und Fischen leben, begnügt sich mit einem Minimum an sozialer, politischer und ökonomischer Organisation. Die Pirahã haben eines der einfachsten Verwandtschaftssysteme der Welt, sie kennen keine politischen Führer, sie legen keine Vorräte an, sondern essen, wenn sie zu essen haben, und sie hungern tagelang, wenn der Jagderfolg einmal ausbleibt.

Wie ein Abenteuerroman

Lévi-Strauss’ „rousseauistische“ Darstellung der Nambikwara ist verschiedentlich kritisiert worden, weil er sich bei ihnen nur einige Wochen aufhielt. Im Fall des amerikanischen Ethnolinguisten Daniel Everett sind solche Zweifel jedoch kaum angebracht. Seine Aufenthalte bei den Pirahã beliefen sich auf mehr als sieben Jahre. Er wohnte in ihren Dörfern, nahm an ihren alltäglichen Verrichtungen teil, erlernte ihre Sprache und studierte ihre Gebräuche. Allerdings lag die wissenschaftliche Erforschung der Pirahãs zunächst gar nicht in seiner Absicht. Everett war Mitte der siebziger Jahre zu ihnen gekommen, um sie zum Christentum zu bekehren. Den Schilderungen der Entbehrungen, Missverständnisse und Gefahren, die er und seine Familie in dieser Zeit auf sich nehmen mussten, räumt er in dem Buch nicht weniger Platz ein als den Erörterungen des wissenschaftlichen Ertrags seiner Unternehmung. Und sie lesen sich fesselnd wie ein klassischer Abenteuerroman.

Die ersten Kontakte der Pirahã zu Händlern, Regierungsbeamten und Missionaren lagen damals schon viele Jahrzehnte zurück. Dennoch hatten sie sich den Einflüssen der Zivilisation erfolgreich widersetzen können. Ihre Hütten bauten sie immer noch in derselben einfachen Weise wie ihre Vorfahren. Werkzeuge tauschten sie bisweilen ein, ließen sie aber achtlos im Urwald verrotten, wenn sie sie nicht mehr brauchten. Moderne Techniken interessierten sie nicht. Gefallen fanden sie allein am Alkohol, mit dem brasilianische Händler sie gelegentlich versorgten. Auch dem amerikanischen Missionar traten sie anfangs reserviert gegenüber. Sie dachten nicht daran, ihm zu helfen, als seine Familie schwer an Malaria erkrankte. Das mochte ihrer eigenen Einstellung zu Krankheit und Tod noch entsprechen. Empfindlicher traf es den Missionar da schon, dass sie ihn – von einem dubiosen Händler aufgehetzt und unter Alkohol gesetzt – eines Tages fast umgebracht hätten, hätte er sich nicht in seiner Hütte verbarrikadiert.

Die Bibel spielt nicht am Amazonas

Dass Daniel Everett und seine Frau trotz allem blieben, mag zunächst an ihrem Sendungsbewusstsein gelegen haben. Beide arbeiteten im Auftrag des Summer Institute of Linguistics, einer wissenschaftlichen Einrichtung, die auf dem Gebiet der Dokumentation und Analyse indigener Sprachen große Verdienste erworben hat. Doch dient das von einer evangelikalen Missionsgesellschaft unterhaltene Institut vor allem religiösen Zielen. Durch seine Forschungsarbeiten soll die Voraussetzung dafür geschaffen werden, das Neue Testament in alle Sprachen der Welt zu übersetzen. Je länger Everett bei den Pirahã lebte und je intensiver er das Studium ihrer Sprache betrieb, desto größer wurden freilich auch seine Zweifel an dem Sinn eines solchen Unternehmens. Lassen sich bestimmte Geschichten und Ereignisse, die sich vor zweitausend Jahren in einer Kultur in Vorderasien abspielten, tatsächlich mit dem sprachlichen Inventar eines im Inneren des Amazonasbeckens lebenden Volkes wiedergeben?

Folgt man seiner Darstellung, dann handelt es sich beim Idiom der Pirahã um eine der schwierigsten und ungewöhnlichsten Sprachen der Welt, die kaum mit einer anderen verwandt ist. Auffällig ist bereits, dass sie lediglich über elf Phoneme verfügt, während die europäischen Sprachen an die vierzig dieser kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten kennen. Das Pirahã benötigt daher zur Bildung von Wörtern weit größere Lautzusammensetzungen als die meisten anderen Sprachen. Überraschend ist aber vor allem, dass es zahlreiche Eigenschaften nicht aufweist, von denen man früher annahm, dass sie eigentlich zu jeder Sprache gehören müssten. Die Gegenwart wird im Pirahã von der Vergangenheit und der Zukunft nur rudimentär unterschieden. Wörter für Farben und Mengen sind unbekannt. Noch außergewöhnlicher aber ist, dass es in dieser Sprache keine Zahlwörter gibt.

Sprache ohne Zahlen

Wie Everett bei verschiedenen Versuchen feststellte, kommen auch die Erwachsenen mit dem Zählen und Rechnen nicht zurecht, weil sie in einem sprachlichen Universum groß geworden sind, in dem die abstrakten Zahlkategorien schlichtweg nicht existieren. Eine Besonderheit, in der sich das Pirahã wohl von allen anderen bisher dokumentierten Sprachen unterscheidet, ist das Fehlen der sogenannten Rekursion, also der grammatikalischen Möglichkeit der Bildung von Nebensätzen. Wollen die Pirahã kompliziertere Zusammenhänge ausdrücken, so können sie dies nur, indem sie Abfolgen von Substantiven und Verben kettenförmig aneinanderreihen. Eine Zustandsbestimmung zusammen mit einem Ereignis oder einer Handlung in einen einzigen Satz zu packen erlaubt ihre Sprache nicht.

Die Veröffentlichungen von Everetts ersten Befunden über die ungewöhnlichen sprachlichen Strukturen des Pirahã haben in der amerikanischen Linguistik eine lange Debatte ausgelöst. Durch sie wurde nämlich eine Theorie in Frage gestellt, die die internationale Sprachwissenschaft über Jahrzehnte hin beherrschte. Noam Chomsky hatte in den sechziger Jahren seine These von der generativen Transformationsgrammatik aufgestellt, der zufolge allen Sprachen eine Art von Regelsystem zugrunde liegen soll, das jeder Mensch von Geburt an in sich trägt.

Keine angeborenen Sprachstrukturen

Es bestimmt über Syntax, Phonologie und Morphologie. Seine Gleichförmigkeit macht das Erlernen der eigenen, aber auch jeder anderen Sprache möglich. Wichtige Belegstücke der Chomskyschen Theorie stellten dabei bestimmte sprachliche Universalien dar, zu denen insbesondere die Rekursion zählt. Aber gerade die gibt es im Pirahã nicht. Zur Erklärung dieser und anderer Besonderheiten wendet sich Everett daher älteren Ansätzen zu, wie sie vor allem in der Ethnolinguistik durch Forscher wie Edward Sapir und andere entwickelt worden waren. Anders als Chomsky gingen sie nicht von angeborenen Strukturen aus, sondern legten ihren Schwerpunkt auf die Prägung der Sprache durch die jeweilige Kultur und natürliche Umwelt.

Die Eigenheiten der von den Pirahã gesprochenen Sprache finden Everetts Meinung nach ihre Erklärung darin, dass in ihrer Welt nur das unmittelbare Erleben zählt. Alle sprachlichen Aussagen gingen bei ihnen vom Hier und Jetzt aus. Sie bezögen sich auf die Situation des Sprechers und seiner Zuhörer. Dabei werde nur das als gültig akzeptiert, was die beim Sprechakt Anwesenden selbst erlebt haben. Abstraktionen, die über diesen persönlichen Erfahrungsbereich hinausgingen, hätten für sie keinerlei Wert. Aus diesem Grund benötigten sie auch keine Zahlen oder Mengenangaben. Denn auf das unmittelbar Vorhandene könne man immer hindeuten. Schöpfungsmythen und andere weit in der Vergangenheit liegende Ereignisse seien den Pirahã fremd, weil kein Lebender sie aus eigener Anschauung bezeugen könne.

Leben in der unmittelbaren Gegenwart

Ihre Verwandtschaftstermini gingen aus demselben Grund nur bis zur Generation der Großeltern zurück. Wenn sie keine Lebensmittelvorräte anlegten, dann deshalb, weil ihnen die Zukunft nicht weniger fern läge als die Vergangenheit. Träume würden ihnen dagegen als Fortsetzung der Realität gelten. Auch Naturgeister, von deren Erscheinungen Einzelne immer wieder berichteten, wären für sie Teil der gelebten Wirklichkeit, während sie die Idee einer Schöpfergottheit oder eines höchsten Wesens als absurd ansähen. Denn für solche transzendenten Gestalten gäbe es eben keine unmittelbare Evidenz.

In der Hingabe an die unmittelbare Gegenwart sieht Everett auch die Ursache für das gesteigerte Glücksempfinden der Pirahã. Denn um die Zukunft würden sie sich ebenso wenig Sorgen machen, wie das für immer Vergangene sie noch berühren könne. Die Fixierung auf das Hic et Nunc bietet ihm auch den Schlüssel dafür, weshalb sie der christlichen Botschaft so wenig abgewinnen konnten. Hätte er denn selbst Jesus je gesehen? Oder würde er irgendjemand kennen, der ihm wirklich begegnet sei? So und ähnlich fragten sie ihn immer wieder, wenn er ihnen vom Christentum erzählte.

Der Missionar konvertiert selbst

Je tiefer Daniel Everett in die Sprach- und Gedankenwelt der Pirahã eindrang, desto weniger konnte er sich ihren Argumentationen verschließen. Das Buch, das wie ein Abenteuerroman beginnt, verwandelt sich so in einen Bildungsroman. Es berichtet von der Konversion des Autors. Denn Everett sah sich nach seinem eigenen Eingeständnis bald nicht mehr dazu fähig, sich mit derselben Naivität wie früher zu seinem Glauben zu bekennen. Die ganz im Hier und Jetzt lebenden Pirahã hatten ihn zu ihrer eigenen Weltsicht bekehrt. Obgleich seine Familie darüber zerbrach, wurden seine Zweifel so groß, dass er seine missionarische Tätigkeit aufgab und sich nur noch der Forschung widmete.

Diese überraschende Wende bildet den Höhe- und Endpunkt eines Buches, in dem persönliche Erlebnisse und wissenschaftliche Einsichten geschickt miteinander kombiniert werden, um sich wechselseitig zu kommentieren. Mit Lévi-Strauss’ „Traurigen Tropen“ hat es mehr gemeinsam als die anrührende Schilderung einer Gesellschaft, die dem Ansturm der Moderne lange getrotzt und ihre Eigenheiten bis in die Gegenwart zu behaupten verstanden hat. Wissenschaftliche Abhandlung und persönliches Bekenntnisbuch in einem, nimmt es die alte Tradition des philosophischen Reiseberichts wieder auf. Man legt es nur ungern aus der Hand. Was alleine stört, ist der für die deutsche Ausgabe gewählte plakative Titel. Leider wird er diesem vielschichtigen und ambitiösen Werk alles andere als gerecht.

Ist im Norden alles besser? (I): Die gemütliche Festung | Politik | ZEIT ONLINE

http://www.zeit.de/2007/16/D-nemark-Serie

Die Dänen sind das glücklichste Volk der Welt – und sie haben Grund dazu. Sie kennen weder Arbeitslosigkeit noch Kündigungsschutz, im Arbeitsamt steigen Partys. Doch nicht jeder darf mitfeiern.

Wenn Deutschland um die richtigen Rezepte gegen Arbeitslosigkeit und Bildungsmisere streitet, kommt die Sprache schnell auf den Norden. In Finnland und den skandinavischen Staaten, heißt es dann, gebe es genug Arbeit für alle, wenig Ungleichheit und viele gute Schüler.

1. FOLGE: DÄNEMARK: Wie schafft man Arbeit für alle?

Auf Elvira Zipprich hat das Glück nie gewartet, sie muss es erwischen, wenn es ihr morgens um sechs die Fabriktür aufhält, drüben bei Danfoss in Gråsten. Schnell einen Kaffee gestürzt, Zigaretten eingesteckt und raus aus der Doppelhaushälfte, leise, damit Dieter nicht aufwacht, ihr Mann. Es ist Viertel nach fünf, kein Licht brennt in Jarplund-Weding, Schleswig-Holstein, als Elvira Zipprich den Motor ihres alten Hyundai-Coupés startet und das Radio einschaltet. Calimba de luna … Es wäre eigentlich Zeit, Düsternis und Kühle zu verfluchen, doch sie sagt: »Ich freu mich jeden Morgen.«

Elvira Zipprich ist eine kleine Frau von fünfzig Jahren, das Alter hat ihr erste Flecken auf die Hände getupft, die nun das Lenkrad halten. Sie fährt auf der Bundesstraße 200 nach Norden, an Flensburg vorbei zu ihrem persönlichen Jobwunder, nur dreißig Kilometer von zu Hause entfernt. Laster reißen Gischt aus dem Asphalt, Birken lassen ihre regenschweren Häupter hängen, doch Elvira Zipprich schwärmt von diesem kleinen Land, dem sie sich nähert, als handele es sich um das Paradies: Dänemark. »Alle per Du«, ruft sie, »da braucht man keine Angst vorm Chef zu haben!«

Seit letztem Sommer hat sie Arbeit bei Danfoss im Süden Jütlands, als eine von fünfzig Deutschen, die der Maschinenbaukonzern eingestellt hat, weil es kaum noch arbeitslose Dänen gibt. »Das war gerade übrigens die Grenze«, sagt sie, »ab hier ist alles anders.«

Dänemark. Jahrelang war das für Elvira Zipprich nicht mehr als ein Bingoabend in der Festhalle direkt hinter der Grenze, voll fröhlicher Menschen mit komischen Namen und mit Bier, das øl heißt. Als sie vor einigen Jahren ihren Motorradführerschein gemacht hatte, wagte sie sich etwas tiefer hinein, »Tempo achtzig und überall Kreisverkehre – das war ideal zum Üben«. Hinter der Grenze begann der Urlaub. Nichts Ernstzunehmendes außer vielleicht dem Karikaturenstreit, nichts, was für ein deutsches Leben von Belang sein könnte. Dachte sie damals.

Heute laden dänische Konzerne deutsche Arbeitslose zu Informationstagen ein – und Hunderte, Tausende kommen. Die Firmen schicken kostenlose Pendelbusse bis nach Flensburg, bis nach Kiel, und fahren die Besucher in das Land des Lächelns. Umfragen zufolge sind die fünfeinhalb Millionen Dänen das glücklichste Volk der Welt. Kein Ort liegt weiter als 52 Kilometer vom Meer entfernt, ein Drittel aller Dänen fährt mit dem Rad ins Büro, kaum jemand wohnt noch zur Miete, nahezu alle haben Arbeit.

Elvira Zipprich hatte zwei Jahre lang keine. Sie, eine Tischlerstochter ohne Ausbildung, hat ihr deutsches Arbeitsleben stets am unteren Rand der sozialen Marktwirtschaft verbracht, als Taxifahrerin, Verkäuferin, Arbeitslose. Im Arbeitsamt Flensburg rieten sie ihr irgendwann, sie solle Dänisch lernen, ihre letzte Chance. »Erst war das wie Japanisch rückwärts für mich«, sagt sie und lacht, har du lyst til at arbejde?, hast du Lust zu arbeiten?

Es ist kurz vor sechs, als Elvira Zipprich in Gråsten auf den Werkparkplatz fährt. In der Fabrik ruft sie »hej« nach links und »hej« nach rechts, froh wie ein Mädchen, das unverhofft doch noch zum Kindergeburtstag eingeladen worden ist. Die Randi ist schon da, die Berit, die Vickie. Elvira Zipprich eilt zu ihrem Spind. Darauf steht ELVIRA.

Danfoss stellt Steuerungsgeräte für Fließbänder her. Im Moment ist es so, dass China Fließbänder braucht. Deshalb braucht Danfoss Elvira. Sie heißt hier operatør. Das klingt gut, fast wie Chirurg. Sie verdient mehr Geld, als sie in Deutschland je bekommen hat. Sie hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag, 30 Tage Urlaub und volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Es gibt auch einen Massagestuhl in der Fabrik.

Was an diesem Morgen wie das Paradies der Arbeitnehmer wirkt, wie ein streng regulierter Sozialstaat, ist in Wahrheit das Resultat eines freien Spiels der Kräfte: Vor mehr als hundert Jahren, 1899, haben Gewerkschaften und Arbeitgeber beschlossen, den Arbeitsmarkt allein zu regulieren, durch direkte Absprachen. Das dänische Arbeitsrecht zeichnet sich seitdem dadurch aus, dass es dieses Arbeitsrecht quasi nicht gibt, zum Beispiel keinen Kündigungsschutz. An die Stelle von Paragrafen trat ein Mit- und Gegeneinander, verbindlich im Ton. 80 Prozent der Dänen sind in einer Gewerkschaft, jedes einzelne Danfoss-Werk handelt seine eigenen Tarife aus. Über 70 Prozent der Dänen sehen die Globalisierung als Chance, in der gesamten EU sind weniger als 40 Prozent dieser Meinung. In Dänemark findet ein Arbeitsloser nach durchschnittlich 17 Wochen eine neue Stelle, in Deutschland erst nach 40. Jahr für Jahr wechseln 800000 Dänen den Job. Das ist fast jeder dritte Arbeitnehmer.

Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas: Daniel Everett, Sebastian Vogel: 9783421043078: Bü…

http://www.amazon.de/Das-glücklichste-Volk-Pirahã-Indianern-Amazonas/dp/3421043078

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